Sonntag, 4. August 2013

Post 14 Piranas, Delphine und die Dschungelhexe

Ich habe überlebt! ;)
Gestern kam ich aus dem Amazonas zurück und will doch noch schnell den Blogeintrag machen, weil ich wahrscheinlich nicht so viel Zeit und Nerven haben werde, wenn ich in Deutschland bin.
Jedenfalls war meine Reise genauso, wie ich sie mir vorgestellt habe! Einen Eindruck von der Region bekam ich eigentlich schon im Flugzeug, weil wir wirklich über eine Stunde lang über den Dschungel geflogen sind! Es gibt keine Straße, die nach Letitia führt und man muss fliegen, wenn man nicht 2 Wochen lang mit Booten und zu Fuß unterwegs sein möchte.


Hier konnte ich mein erstes Foto vom Amazonas schießen, was ich wirklich beeindruckend fand, weil der Amazonas für mich nur im Fernsehen existiert! ;)
Ich wurde gleich am Flughafen in Letitia abgeholt, was die Hauptstadt vom kolumbianischen Department "Amazonas" ist. Von dort aus bin ich dann über die brasilianische Grenze, mit dem Taxi, dem Motorrad und mehreren Booten zum Reservat Palmarí gefahren. Als ich nach der ersten Station im "Hafen" am Amazonas ankam, um das erste Boot zu nehmen, fand ich es total unwirklich, dass ich neben dem Fluss Amazonas stehe! Als gute Touristin habe ich natürlich ein paar Fotos geschossen und war auch auf dem Boot noch total fasziniert und konnte es nicht richtig fassen, dass ich über den AMAZONAS fahre! Ich war wahrscheinlich wie eine von den Touristen am Rhein, die jeden Grashalm fotografieren und die Einheimischen haben mich genauso verständnislos und gelangweilt angeglozt, wie ich es auch immer mit den Touris im Rheintal mache ;) 


Na jedenfalls habe ich dann ein paar mal das Boot gewechselt. Auf einem Holzsteg musste ich auf das nächste Boot  warten, wo ich Fotos von Booten aufnahm, die wirklich klein waren, auf denen aber ganze Familien wohnten. Auf dem Foto sind das die Boote mit der blauen Plastikplane. Mein Begleiter erzählte mir,dass das indigene Familien, die mehrere Tage mit dem Boot aus ihren Gemeinden über den Fluss zur nächsten "Stadt" kommen, ihre Produkte verkaufen, sich mit ein paar Lebensmitteln wie Salz und Zucker usw. eindecken und dann wieder zurücktuckern. 
Die Boote sind echt schmal, haben ein paar Hängematten drin....sonst nichts und da kommen zum Teil 7 Personen unter. Je nachdem wieviele Kinder die mitnehmen.
So, nach ein paar Stunden kamen wir dann im Reservat an, das an einem Nebenfluss des Amazonas liegt. Man kann es nur mit dem Boot erreichen, was ich schön fand, weil es natürlich die absolute Erholung für meine Lungen war, nach 5 Monaten Bogotá!
Ich war die EINZIGE Touristin in den ersten 3 Tagen haha! War mir aber recht, ich wollte ja meine Ruhe! Ich bekam meinen eigenen Guide zugewiesen, der 24 Jahre alt und echt lustig war. Mit dem habe ich also die ganze Woche verbracht. Ich konnte mir jeden Tag aussuche, was ich wann machen möchte und er hat alls organisiert und mich begleitet und mir alles erklärt! Ich habe wirklcih ALLES gemacht, weil ich relativ lange da war. Am ersten Tag sind wir gleich mit dem Kajak auf den Fluss rausgefahren, um Delphine zu beobachten und haben super viele gesehen. Und die rosanen Delphine sind wirklich super rosa! Es gibt dort graue und rosane Delphine und es war soooo schön sie zu beobachten. Mein Guide hat mich zwar die ganze Zeit vollgequatscht, aber da er mir von seinen ganzen persönlichen Problemen erzählt hat wollte ich auch nicht sagen, dass er gefälligst die Klappe halten soll, damit ich in Ruhe die Delphine anschauen kann ;) Ich wusste ja auch, dass ich noch öfter rausfahren kann, um sie zu sehen. Jedenfalls sind wir dann im Sonnenuntergang zurückgefahren. Ich fand es schon etwas seltsam Delphine in einem Fluss zu sehen, weil ich Delphine eigentlich dem Meer zuordne ;) Aber am Ende war es dann ganz normal. Gott sei Dank mögen die Leute dort kein Delphinfleisch, sonst gäbe es wohl keine Delphine mehr! Ich konnte leider kein Foto aufnehmen, weil die so schnell auf und abtauchen. Meine Kamera und ich, wir sind zu langsam!


Stellt euch auf dem Sonnenuntergangsfoto einfach eine kleine Delphinfamilie vor die vor meinem Kajak durch den Sonnenuntergang schwimmt. So wars nämlich jeden Abend. Schön oder?
Jaaaaaaaaaaaa, was habe ich noch so gemacht. 
Ich habe eine einstündige Dschungeltour unternommen. Eigentlich wollte ich länger laufen, aber als ich dann ankam und es so meeeeeeeeeeeega heiß war, habe ich beschlossen, dass eine  Stunde reicht!
Ich habe ehrlich gesagt nicht besonders viele Tiere gesehen. Ein paar Affen, Spinnen und sehr viele Moskitos! Die haben mich leider auch gesehen und sich gleich auf mich gestürzt. Das war wohl das Einzige, was mir nicht gefallen hat am Dschungel! Diese Viiiiiiecher! Meine Beine sahen nach der Woche aus........schrecklich! Total zerstochen, obwohl ich mich echt bemüht habe mich regelmäßig mit dem Antimückenzeug einzuschmieren. Bringt aber alles nichts!
Weil es so heiß im Dschungel war, hat mein Guide, der übrigens Jojo heißt, mir einen Fächer aus einer Palme gebastelt, was auch schön war.


Einen Tag waren wir fischen! Ich habe das erste Mal im Leben eine Angel in der Hand gehabt! Wir fuhren mit einem kleinen Boot zu einer Lagune. Gott sei Dank war das Boot so schmal, sonst hätten wir die Fahrt durch diesen extrem ausgetrockneten Kanal wohl eher nicht geschafft! Wir waren zu viert, es kamen noch 2 andere Mitarbeiter vom Camp mit. Einer der gefahren ist. Wir sind echt über alles drübergefahren, was uns in den Weg kam. Ich hatte am Anfang echt Schiss, weil wir immer direkt auf riesige Baumstämme zugesteuert sind, die dann zum Glück jedes Mal untergegangen sind, als wir drüber fuhren. Aber ich glaube in dem ein oder anderen Moment war es einfach nur Glück dass wir nicht irgendwo steckenblieben oder einer der Stämme nicht unterging! Ich vertraute also mal auf die Erfahrung der Guides und letzten Endes kamen wir an einer schönen Lagune raus, wo wir für mein Empfinden große Fische aus dem Wasser zogen. Macht eigentlich Spaß zu fischen! Mir tat der erste Fisch, den wir rauszogen noch etwas leid, aber das ist wohl etwas unangebracht, wenn ich zweimal in der Woche Fisch esse! Trotzdem, getötet hab ich ihn nicht. Das hab ich den Guides überlassen. Und ich hatte dann wirklich das Glück einen Pirana zu fischen! Das war was! Die sind viel größer als ich dachte! Ich hab ihn auch gleich erkannt, als ich ihn aus dem Wasser zog. Ich finde Piranas echt hässlich und da ich natürlich den "Horrorfilm" gesehen hatte wusste ich genau wie sie aussehen. Und ich hatte auch wirklich eine der aggressivsten Spezie an der Angel! Es gibt nämlich mehrere Arten. 
Natürlich habe ich ein Angeberfoto machen lassen! Man hat schließlich nicht jeden Tag einen Pirana in der Hand! Und ich sehe nur so angestrengt aus weil der so glitschig war, nicht etwa weil ich Angst hatte haha!
Die Fische, die wir fingen haben wir später im Wald auf einem selbstgebauten Grill überm Feuer gegrillt. Mein Pirana war sehr lecker! Den Leuten im Amazonas schmeckt das Fleisch nicht, weil es angeblich so fest ist. Finde ich nicht!
So, außerdem habe ich noch einen 500 Jahre alten Baum besucht, um den sich 26 Personen stellen und sich die Hand geben können. Das Foto lohnt sich nicht, weil man die Größe auf dem Foto sowieso nicht erkennt!
Dann habe ich noch eine der kleinen Gemeinden besucht, die am Fluss leben. Wahnsinn! Die sind so klein! Ich war auf der peruanischen Seite! Ja, lustig. Ich habe Brasilien und Peru besucht, weil das Ländereck sich dort befindet. Ich habe auf der brasilianischen Seite des Flusses im Reservat gewohnt und jeden Tag auf Peru geschaut, was auf der anderen Seite des Flusses anfängt. Unfassbar!
Jenfalls gibt es in der Gemeinde 15 Häuser und die Leute leben vom Fischen und Gemüse anpflanzen. Den Rest des Tages hängen sie in ihren Hängematten rum. Strom gibt es nur 2 Stunden am Abend und das wars. Von wegen Computer oder sonstige elktronische Geräte! Fernseher hat natürlich jeder, aber der wird eben auch nur am Abend angemacht, wenn der Generator der Gemeinde mit Diesel betrieben für 2 Stunden angeschmissen wird. Das selber in meiner Unterkunft! Ich habe also jeden Abend relativ früh geschlafen weil es stockfinster ist und es natürlich nichts zu tun gibt! Das Leben dort ist sowas von .............langsam und ruhig! Ich würde ausrasten! Aber die Leute dort kennen es ja nciht anders!
So, dann habe ich mir noch ein Tattoo malen lassen mit dem Saft einer Frucht, deren Name ich vergessen habe. Das hält jetzt 8 Tage.Wäre mir recht, wenn es schon früher abginge, weil es ehrlich gesagt etwas.....sehr kreativ ausgefallen ist. Außerdem hat mir beim Auspressen des Saftes kein Mensch gesagt, dass meine Hände danach schwarz werden, also laufe ich schon seit 4 Tagen mit schwarzen Händen und Nägeln rum. Auch ganz toll! ;) Naja, cih wollte ja einen exotischen Urlaub!
Apropos exotisch. In einer Nacht hat mir Jojo die GEschichte von der Hexe "Gurupia" erzählt (ich glaube sie hieß so),die so etwas wie die Schutzpatronin des Urwaldes ist. Aber sie ist wohl eine von der bösen Sorte und alle Mitarbeiter im Reservat glauben dran! Ich hab mich zuerst lustig drüber gemacht, aber nach 3 GEschichten hatte ich echt Schiss! Und alle, die ich gefragt habe, bestätigten die Geschichten mit total ernstem und überzeugtem GEsicht. Ich glaube eigentlcih nciht an Geister oder Hexen, aber das, was die mir da erzählt haben klang so, als könnte es auch wahr sein und deswegen war ich am Ende total eingeschüchtert und wollte nicht durchs Dunkle zu meiner Hütte laufen, weil ich so Schiss hatte. Ist auch nochmal was anderes, ob man so Geschichten irgendwo hört, wo es nett und lustig ist oder mitten im Dschungel, im Dunkeln und umgeben von Menschen,die alle schon irgendwelche verhexten Momente erlebt haben! Schrecklich! :) Naja, ich war offensichtlich uninteressant für die Hexe haha.



 Am letzten Tag habe ich dann Canopy gemacht, was wirklich cool war! Es gibt einen 40 m hohen Baum im Dschungel, auf dem eine Plattform gebaut wurde, von der aus man über eine seeeeeeehr hohe Hängebrücke über die Bäume laufen kann und am Ende schwingt man sich an einem Drahtseil von einer Plattform auf die andere. Aber zuerst muss man sich an diesem riesigen Baum hochziehen. Das war echt anstrengend, hat aber Spaß gemacht, weil noch ein Paar aus England dabei war, mit denen ich mich gut verstanden hab! Hier die Aussicht von der Plattform.
Ich hatte auch wirklich wenig Angst, weil Jojo und noch ein Guide dabei war, die beide so lustig sind und die ganze Zeit super entspannt waren. Man denkt also man ist unsterblich und ich hatte einfach nur Spaß!
Am Abend gabs dann noch eine Runde Caiprina für alle und da war die Woche auch schon wieder vorbei! Es war genauso wie ich es mir vorgestellt hatte und ich bin wirklich glücklich und zufrieden wieder in Bogotá angekommen. Wenn auch müde, weil die Reise in der Hitze über Flüsse und holprige Straßen auf dem Motorrad wirklcih anstrengend war. Aber schön!!
Morgen und übermorgen verabschiede ich mich noch von ein paar Leuten und mache nochmal ein Abschiedsessen. Und dann gehts ab in die Staaten! Ich melde mich dann, wenn ich wieder in Deutschland bin.
Bis dahin schicke ich euch Besitos aus Bogotá!!!

Donnerstag, 25. Juli 2013

Blog 13 Kolumbien: Das Dschungelcamp ;)

Ich habe mich schon lange nicht mehr gemeldet. Zum Einen, weil ich sehr beschaeftigt war und zum Anderen weil gleichzeitig nicht besonders viel Spannendes passiert ist.
Jetzt bin ich in meiner letzten Praktikumswoche angekommen und habe mehr Zeit. Morgen ist mein letzter Tag in Plan!
In den letzten Wochen wurde ich noch in ein super interessantes Projekt mit einbezogen, zusammen mit den Leuten aus dem Bereich “Kommunikation”, was Spass gemacht hat, weil der eine Kollege so alt ist wie ich und wir uns gut verstehen.
Jedenfalls habe ich ueber Online Fundraising Strategien recherchieren muessen und wirklich viel gelernt. Also sollte ich irgendwann mal mein eigenes Projekt leiten, bin ich vorbereitet, wenn es ums Spenden sammeln geht. Am Ende musste ich alles vor der Direktorin und einem Mitarbeiter aus England praesentieren, was zwar eine gute Uebung war, aber ich war wirklich nervoes. Trotzdem schoen, dass mir so viel Verantwortung uebertragen und meine Arbeit wertgeschaetzt wurde. Ich habe waehrend der fuenf Monate sehr selbststaendig arbeiten koennen was mir echt gut gefallen hat. Und wenn ich Fragen hatte, konnte ich immer jemanden ansprechen. Das war fuer mich die perfekte Art und Weise um zu arbeiten, weil ich es nicht mag, wenn mir staendig jemand auf die Finger schaut.
Eigentlich haette ich nochmal mit “Plan” verreisen sollen, aber da es Demonstrationen im ganzen Land gegen den illegalen Goldabbau gab, war die Situation etwas angespannt und kein/e Mitarbeiter/in von Plan durfte in die Gemeinden gehen, um dort zu arbeiten. Da das aber das Ziel der Reise gewesen waere, fiel sie leider ins Wasser.
Der illegale Goldabbau ist hier in Kolumbien ein grosses Problem, nicht nur weil die Umwelt auf schlimmste Weise ausgebeutet und zerstoert wird, sondern auch, weil die Menschen aus ihren Doerfern vertrieben werden, wenn sie in einem ressourcenreichen Gebiet leben. In den illegalen Minen sterben ausserdem regelmaessig Menschen, weil sie ja nach keiner Norm gebaut werden und oft einfach zusammenstuerzen und die Leute lebendig begraben!
Auch im Goldgeschaeft haben wieder die Guerrilla und die paramilitaerischen Gruppen ihre Finger im Spiel. Die Regierung wohl auch. Das Geschaeft mit dem Gold ist einfach zu lukrativ!
Genauso wie das Geschaeft mit dem Kokain, in dem so viel Geld gemacht wird, das kann sich kein Mensch vorstellen. Da faellt mir die Geschichte ein, die mein Freund mir erzaehlt hat, ueber Pablo Escobar, der besonders in den achtziger Jahren eines der groessten Drogenkartelle der Welt hier in Kolumbien geschaffen hat. Zu der Zeit, in der Pablo Escobar noch lebte, sind ueber 10.000 Menschen ermordet worden, aus allen Schichten. Politiker, einfache Bauern, alle die Pablo Escobar irgendwie im Weg standen. Meine Kollegin, die in den achtziger Jahren in Medellin arbeitete, der Stadt, in der auch Pablo Escobar lebte, hat mir erzaehlt, dass in dieser Zeit jeden Tag Bomben explodiert sind und fast jeden Tag jemand ermordet wurde. Sie erzaehlte, dass die Fensterscheiben ihres Bueros mit Klebeband fixiert waren, weil durch die staendigen Bombenexplosionen die Scheiben zersprungen sind.
Mein Freund hat mir also erzaehlt, dass Pablo Escobar einen eigenen Zoo hatte, um die Exkremente der Tiere zum Transport von Drogen zu nutzen. Er verkaufte Tierexkremente als Duenger und verpackte die Drogen darin, damit die Drogenhunde sie nicht erschnueffeln. Und das ist nur eine der kreativen Ideen, die Pablo Escobar hatte, um das Kokain zu transportieren und zu verkaufen.
Die Drogenhunde wurden und werden immernoch sehr oft von den Drogenhaendlern oder deren Mittelmaennern erschossen. Es gibt Drogenhunde, die sind sehr sehr sehr viel Geld wert, weil sie so gut ausgebildet sind, dass sie die allerkleinste Menge Kokain riechen koennen. Solche Hunde werden also oft aus der Entfernung erschossen, weil sie logischerweise das Geschaeft stoeren.
Heutzutage werden zwar nicht mehr so viele Bomben eingesetzt, aber dafuer eben Menschen ermordet, vertrieben oder entfuehrt, um das Drogengeschaeft am laufen zu halten. Ein Elend! Und ich moechte nochmal betonen: Die Hauptabnehmer sind die USA und Europa. Wenn sich also jemand unbedingt Kokain reinziehen will, soll er sich gefaelligst sein eigenes Kokain produzieren und keinen Krieg finanzieren, indem man sich Drogen kauft, nur weil man zu unentspannt ist und meint mehr Spass und Energie haben zu muessen! Soviel dazu!
So, morgen habe ich dann mein Evaluationsgespraech und dann heisst es ADIOS PLAN!
Am Samstag fliege ich ins Amazonasgebiet! Ich kenne ja schon ein paar Ecken an der Kueste Kolumbiens, aber da ich nicht so viel Zeit hatte, um zu verreisen, habe ich mir diese Reise fuer den Schluss aufgehoben. Ich freue mich total, weil ich ein super schoenes Naturreservat in Brasilien gefunden habe, wo ich eine Woche verbringen werde. Ich fliege in die Hauptstadt des Departaments “Amazonas”  in Kolumbien und fahre von dort aus mit dem Boot 5-6 Stunden ueber den Amazonas und seine Seitenfluesse bis zu dem Reservat, was auf der brasilianischen Seite liegt.
Die Unterkunft, wo ich wohnen werde liegt mitten im Dschungel an einem Seitenfluss des Amazonas, in dem es rosane Suesswasserdelphine gibt.
Dort gibt es Platz fuer sehr viele Gaeste, weil es sowas wie ein Lehrcamp ist, in dem ganz viele Aktivitaeten angeboten werden, in denen man ueber die Region, die Traditionen und das Oekosystem aufgeklaert wird. Es gibt Dschungeltouren bei Tag und Nacht, man kann Piranhas fischen, in traditionellen Holzbooten ueber den Fluss fahren, Krokodile beobachten, indigene Doerfer besuchen, in denen in Kooperation auch soziale und Umweltprojekte durchgefuehrt werden, mit den Delphinen im Fluss schwimmen, traditionelles Handwerk erlernen, lernen wie man Kautschuk erntet und daraus Gebrauchsgegenstaende herstellt, und viiiiiles mehr. Ausserdem ist alles auf oekologischer Basis und die Unterkunft hat ihren eigenen geschlossenen Kreislauf zur Energiegewinnung, damit die Umwelt so minimal wie moeglich beeintraechtigt wird. Und es gibt nur biologisch angebautes Essen! Ausserdem haben die eine ganz hohe Plattform gebaut, auf die man hochklettern kann und von oben kann man ueber den Urwald schauen. 
Ausserdem besteht eine Kooperation zwischen dem Reservat und verschiedenen Umweltschutzorganisationen, unter anderem zum UN-Umweltprogramms (UNEP), mit denen ein super schoenes Projekt vor Ort realisiert wird. Und zwar heisst das Projekt “Sowing Jungle”, also “Dschungel saehen” und es werden Setzlinge verschiedenster Baumarten gezogen, die dann spaeter im Dschungel gesetzt werden. Das Ganze ist auch ein Lehrprogramm zur Sensibilisierung von Kindern, Jugendlichen ….naja eigentlich von allen Menschen, um auf die Abholzung des Regenwaldes mit all ihren Konsequenzen aufmerksam zu machen. Ich kann also meinen eigenen kleinen Baum im Urwald setzen wenn ich will. Und dann komme ich nach 20 Jahren zurueck und schaue mir an wie gross er geworden ist ;)
Das Prinzip ist:  “Der Planet Erde und alles, was auf ihm existiert gehoert uns nicht = Wir gehoeren zum Planeten Erde und muessen alles, was auf ihm existiert respektieren und ehren.”
 Klingt alles perfekt und ich WILL dass es genauso wird, wie es in der Beschreibung steht. Falls es jemanden interessiert: Das Ganze nennt sich “Palmarí”.
Ich musste mich extra noch schnell gegen Gelbfieber impfen lassen, sonst duerfte ich gar nicht in die Region einreisen. 


Meine Abschiedsparty in der WG habe ich schon gefeiert. Es war echt nett, weil meine Mitbewohner mir ein T-shirt ihrer Band geschenkt haben und mir extra mein Lieblingslied gespielt haben. Wir haben gekocht und es kamen viele Leute, die ich vor meiner Abreise nicht mehr sehen werde.
Das auf dem Foto sind die einzigen zwei Mädels, die ich in der ganzen Zeit kennengelernt habe. Da ich nur mit Männern zusammengewohnt habe, war es etwas schwierig "Freundinnen" zu finden ;) 
Mitt den beiden hab ich mich aber wirklich gut verstanden und sie kamen zur weiblichen Unterstützung an meiner Abschiedsparty :)





So, nach der Woche im Amazonas werde ich mich hier in Bogotá von allen verabschieden und fuer eine Woche nach Minnesota fliegen, um meine Freunde zu besuchen. Und DANACH komme ich nach Deutschland! Ich werde ab Mitte August in Bornich sein und die ersten zwei Septemberwochen in Ludwigsburg. Also koennen bitte alle Menschen, die ich mag, sich in den letzten zwei Augustwochen in Bornich aufhalten und in den ersten zwei Septemberwochen in Ludwigsburg. Danke! ;)
Wenn ich es schaffe, schreibe ich nochmal in den Blog bevor ich zurueckkomme oder wenn ich wieder in Deutschland bin.
So, ich bin dann mal im Amazonas ;)
Ciao, un besito

Sonntag, 23. Juni 2013

Post 12 Kolumbien

Hola Hola,

dieses Mal kann ich von meiner zweiten Reise mit Plan erzählen, die aber weitaus entspannter verlief als die letzte Reise. Das letzte Mal bin ich ja in die Krisenregion "Tumaco" an der Pazifikküste geflogen, um als Übersetzerin auszuhelfen. Dieses Mal war ich "nur" Praktikantin und Begleiterin und durfte mit einer meiner Anleiterinnen nach Cartagena fliegen, was an der Karibikküste liegt. Cartagena ist eine sehr touristische Stadt im Kolonialstil und natürlich ist es super heiß....ist ja schließlich die Karibik!
Jedenfalls fand dort fand ein zweitägiger Workshop für Jugendliche statt, die in ihren Gemeinden verschiedene Gruppen organisieren und bestimmte Themen bearbeiten.Sandra, meine Anleiterin hielt in diesem Workshop einen Vortrag und außerdem wurden pädagogische Aktivitäen angeboten, um bestimmte Inhalte anschaulicher zu vermitteln. Gott sei Dank gibt es in jedem Gebäude Klimaanlagen, sonst wäre ich wahrscheinlich extrem schlecht gelaunt gewesen!

Es war super interessant zu sehen, wie die Planmitarbeiter/innen mit den Jugendlichen arbeiten, weil eben genau das umgesetzt wurde, was ich vorher immer nur gelesen oder in Werbefilmen von Plan gesehen hatte. 
Nämlich,. dass die Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt der Arbeit stehen und diejenigen sind, die Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und so ihre Gemeinden mitgestalten und verändern. Und genau dieses Ziel wurde bisher in allen Workshops, an denen ich teilgenommen habe in der Arbeit von Plan berücksichtigt. Wieder was dazugelernt ;)
Einer von den Jungs hat mir 2 Gedichte geschrieben, worüber ich mich echt gefreut habe, weil viele von den Jugendlichen mir gegenüber so offen und interessiert waren. Schön war das da!
Jedenfalls habe ich dann auch noch das Büro von Plan in Cartagena kennengelernt und dann ist Sandra auch schon wieder zurück nach Bogotá geflogen.
Ich bin noch in Cartagena geblieben und habe mich nach dem Workshop mit der belgischen Praktikantin Lise getroffen, die zu der gleichen Zeit an der Karibikküste Urlaub machte, weil sie ihr Praktikum schon beendet hat. Mit ihr habe ich dann noch 4 Tage an der Küste verbracht, was wirklich schön war.
Wir sind von Cartagena aus 4 Stunden mit dem Bus zu einem Nationalpark gefahren (Tayrona), in dem es die schönsten Strände gibt.
Da der Nationalpark Naturschutzgebiet ist, kann man nicht mit dem Auto zu den Unterkünften fahren, sondern man muss stundenlang durch den Dschungel latschen, bis man dann iiiirgendwann an der Küste rauskommt. Mit Rucksack auf dem Rücken sind wir also bei gefühlten 120 Grad 2 Stunden durch den Dschungel gelaufen. Der Weg war eigentlich super schön, aber wie gesagt: Bei der Hitze und mit Gepäck, das man schleppen muss, konnte ich diese Wanderung nicht wirklich genießen. 
Aber die Pflanzen und die Tiere, die wir gesehen haben, waren trotzdem eindrucksvoll. Keine Ahnung, was das alles für Viecher waren. 

Hitzeeeeeeeee!!!
 Als wir endlich am Strand rauskamen, mussten wir noch ein Stück durch den Sand laufen, um an der ersten Unterkunft anzukommen und da dachte ich wirklich, dass meine Füße in Flammen aufgehen! Mein Gott war der Sand heiß! Wenn ich stehengeblieben wäre, hätte ich mir mit Sicherheit Brandblasen geholt. Das meine ich ernst. Ich hab vor Schmerzen fast heulen müssen, weil mir ständig Sand in die Sandalen gerieselt ist und der war so unglaublich heiß......unfassbar!
Jedenfalls kamen wir dann völlig fertig an einer der Unterkünfte an, von denen es nicht besonders viele im Park gibt.
Leider nutzen die Leute, die im Park Unterkünfte anbieten, es schamlos aus, dass es nurwenig Konkurrenz gibt und dementsprechend sind die Preise für die Übernachtungen Wucher! Natürlich kann man auch in Hängematten schlafen, dann zahlt man weniger, aber ich HASSE es in Hängematten zu schlafen, besonders, wenn 30 cm zu meiner Linken und zur Rechten irgendwelche Fremden in den Hängematten baumeln. Also haben wir beschlosssen ein bisschen mehr zu zahlen und dafür in einem kleinen Haus zu wohnen, wo nur ein Bett drin stand, wir aber unser eigenes Bad hatten. Ich glaube - und ich kann sagen, dass ich schon in vielen schäbigen Zimmern geschlafen habe - dass dieses definitiv eines der ekligsten und gruseligsten Zimmer war, in dennen ich je gewohnt habe. 


Die erste Barracke links war unsere!
Der Standort war perfekt.....eine riesengroße Wiese mit Palmen drauf, die direkt an den Strand grenzte und hinter der Wiese begann der Dschungel. Unser Haus stand direkt an den Bäumen zum Dschungel und weil es ja immer so heiß ist, gibt es keine Fenster, sondern die Häuser haben zum Teil nur halbhohe Wände und der Rest ist einfach offen und mit einem Moskitonetz bespannt. Diese Netze machen natürlich nur Sinn, wenn sie keine Löcher haben, was man von unserem nicht behaupten konnte.

Man beachte die Moskitonetzkonstruktion. Schön oder?
 





Dementsprechend viele krabbelnde Mitbewohner hatten wir, was die Übernachtung nicht besonders entspannend machte. Das Gute war, dass Lise, die Belgierin der größte Angsthase der Welt ist und ich sie ständig beruhigen musste, weil sie so Angst vor den ganzen Insekten hatte. Und das ganze beruhigende Gequatsche hab ich mir am Ende selber abgekauft und fand es dann gar nicht mehr so schlimm, dass im Bad ein handtellergroßes Insekt saß, dass auch springen konnte. Und da ich ja keine Panik auslösen wollte, habe ich mir auch den Schrei unterdrückt, den ich wirklich gerne losgelassen hätte, als am Morgen in der Dusche 3 Krebse saßen, mit denen ich nicht wirklich gerechnet hatte hehe.
Wenigstens hatten wir zusätzlich noch ein Moskitonetz überm Bett.
Ich hab mich totgelacht, als Lise in der ersten Nacht mit ihrer Wanderlampe, die man sich als Stirnband um den Kopf schnallt, neben mir im Bett lag und stundenlang völlig panisch das Zimmer observierte. Nach 2 oder 3 Stunden hat sie sich dann endlich getraut die Lampe auszumachen.und wir konnten schlafen.

Dafür waren die Strände umso schöner! Man konnte von einem Strand durch den Dschungel zum nächsten laufen und alle Strände sind unterschiedlich. 

 
Kann man doch ganz schön finden.....

 
Der Beweis: Ich war da!! :)
Nach 3 Tagen im Horrorhaus haben wir uns dann 2 Pferde gemietet und sind durch den Dschungel zurückgeritten, weil wir beide keine Lust mehr hatten zu laufen.
Vom Nationalpark sind wir zurück nach Cartagena gefahren, von wo aus Lise dann einen Tag früher als ich zurück nach Bogotá geflogen ist und ich noch einen Tag an einem weiteren wuuuunderschönen Strand verbracht habe. Und da habe ich es dann auch endlich geschafft mir einen Sonnenbrand zu holen, nachdem ich es 3 Tage lang vermieden hatte.
Abends flog ich dann auch zurück nach Bogotá, neben mir im Flugzeug saß eine Frau mit Flugangst, die permanent am Beten war, dass wir nicht abstürtzen. Sehr entspannend!
Als ich dann spätabends in Bogotá aus dem Flieger stieg und es kalt war, hätte ich gerne einen Freudenschrei losgelassen, was ich natürlich nicht gemacht habe hehe. Ich bin einfach nicht geschaffen für Hitze!
Naja und am nächsten Tag ging es gleich wieder im Büro weiter. Lise ist schon zurück nach Belgien geflogen, also bin ich jetzt wieder die einzige ausländische Praktikantin.
Aber es läuft alles sehr gut und wenn ich Glück habe kann ich in den letzten Wochen noch an einem Projekt mitarbeiten, das ich noch nicht so ganz verstanden habe haha. Wenn ich dann mal weiß, worum es genau geht, schreibe ich euch. 
So, dieses Mal weniger Text, dafür mehr Fotos.

Besitos

Sonntag, 9. Juni 2013

Blog 11

Mein Gott, hab ich viel erlebt! ;)
Wo fange ich denn an?! 

Ich fange an bei der Versammlung der Vereinten Nationen zum Thema Postkonflikt in Kolumbien und die Situation der vertriebenen Menschen im Land.
Klingt  komplizierter als es ist. Es gab also eine riesige Versammlung der UNO, bei der es um Strategien ging, die international angewandt wurden, nachdem ein Land einen bewaffneten Konflikt durchlebt hat. Das Interessante in Kolumbien ist, dass der Konflikt ja immernoch stattfindet und trotzdem schon über Lösungsstrategien diskutiert wird, die helfen sollen die Situation nach dem "Krieg" besser unter Kontrolle zu haben und aus den Fehlern anderer Länder zu lernen. Es war eine sehr formelle Veranstaltung, zu der ich mal wieder falsch gekleidet aufgekreuzt bin, was aber niemanden interessiert hat.
Internationale Vertreter aus Brüssel, New York und natürlich auch aus Kolumbien hielten Reden und stellten ihre Arbeit aus Kriesengebieten vor: El Salvador, Bosnien und .....Mist hab ich vergessen. Zu viel Info an einem Tag! ;)
War jedenfalls sehr sehr interessant und ich habe viel gelernt! Und die UNO hat hier wirklich überall ihre Finger im Spiel.
Zum Konflikt erzähle ich euch später noch mehr.

Zuerst aber etwas zu einem schönen Ausflug, den ich gemacht habe und während dem ich extra Videos für euch gedreht habe, aber ich kann die nicht öffnen und bin auch leider nicht schlau genug, um sie zu formatieren oder was auch immer man tun muss, um sie sich anschauen zu können.
Also müsst ihr euch mit Fotos zufrieden geben.
Lise, die belgische Praktikantin, die 2 Monate bei Plan gearbeitet hat und ich sind nach Utica gefahren. Das ist ein Dorf, von dem aus man in ein schönes Tal wandern kann, wo es einen Fluss und schöne Berge gibt.
Gelesen hatten wir von zwei Stunden Fahrzeit, woraus natürlich 4 Stunden geworden sind. Also das hätte ich inzwischen eigentlich schon wissen müssen. Wenn jemand sagt, dass irgendetwas eine halbe Stunde dauert, kann man mit einer Stunde und mehr rechnen. Egal, die Fahrt hat mir gefallen, weil die Landschaft so schön war. Wenn man 2-3 Stunden aus Bogotá rausfährt, ist es gleich viel tropischer, grüner und bunter! Die Pflanzen, Häuser, das Klima und auch die Leute verändern sich und es gibt super viel Neues zu sehen.

Hat mich gewundert, dass wir überhaupt angekommen sind, weil wir sehr unvorbereitet losgefahren sind und nicht so recht wussten, wo wir überhaupt ein- und aussteigen müssen, aber hier wird man ja gleich umzingelt von irgendwelchen Fahrern, wenn man aus einem Bus aussteigt, die einen in den nächsten Bus zerren und glücklicherweise haben sie uns in den richtigen Bus gesetzt, als wir umsteigen mussten. Jedenfalls sind wir dann in Utica genauso unvorbereitet losgelatscht, um das schöne Tal zu finden, das wir auf den Bildern im Internet gesehen hatten. Man muss dazu sagen, dass es wirklich heiß war, was ich nicht gewöhnt bin, weil es hier in Bogotá ja immer bewölkt und kühl ist....was mir sehr recht ist.
Wir sind also stundenlang an irgendwelchen verlassenen Gleisen entlanggelaufen durch kleine Wälder, vorbei an kleinen Bauernhöfen, am Fluss entlang, haben zwischendurch am Fluss gesessen und uns abgekühlt, währenddessen flogen ganz viele Schmetterlinge um uns herum, weil es ein Schmetterlingsgebiet ist. So schön!! Ganz viele richtig große bunte Schmetterlinge, die ich noch nie im Leben gesehen habe. Ganz schöne Muster und Farben! 


Kühe, die das Weite suchten, als wir ihnen auf den Gleisen entgegenkamen
Kühe, die das Weite suchten, als wir ihnen auf den Gleisen entgegenkamen

Naja, die Schienen führten jedenfalls ins Nirgendwo und am Ende der Tour trafen wir jemanden, der meinte, dass wir in die falsche Richtung gelaufen sind und es jetzt zu spät wäre, um ins Tal zu gehen. War ja klar! Das hat mich geärgert weil ich das Foto aus dem Internet im Kopf hatte und unbedingt dieses Tal sehen wollte, wofür ich schließlich 4 Stunden im Bus saß. Naja, ist ja nicht so, als wäre mir sowas aufgrund von meiner brillianten Organisation nicht schon öfter passiert. Ich habe dann ein bisschen rumgemotzt und dann haben wir aber noch einen sehr schönen entspannten Nachmittag am Fluss verbracht und sind noch am selben Tag wieder zurück nach Bogotá gefahren.


So und dann habe ich eine wirklich tolle  Gelegenheit von "Plan" bekommen zu verreisen. Und zwar kam eine Mitarbeiterin von "Plan Deutschland" aus dem Büro aus Hamburg, die für das Patenprogramm arbeitet. Plan Deutschland ist der Hauptspender für die Projekte in Kolumbien und deswegen sehr wichtig! In Deutschland werden über Patenschaften Gelder eingesammelt, die dann hier in Kolumbien in verschiedene Projekte investiert werden, z.B. zur Partizipation von Jugendlichen in ihren Gemeinden oder zur Frühförderung von Kleinkindern oder zur Ausbildung von "Friedensstiftern" an Schulen, um Gewalt vorzubeugen usw. Die Paten können trotzdem Kontakt zu einzelnen Kindern haben, also z.B. über Briefe und Fotos, aber das Geld, das sie spenden wird eben für die Gemeindeprojekte genutzt. Jetzt ist es aber so, dass wegen der gefährlichen Situation, die Mitarbeiter/innen von Plan in Kolumbien nicht mehr in bestimmte Gemeinden fahren können, um dort Briefe abzuholen oder abzugeben oder um Fotos von den Kindern aufzunehmen. Es gibt Dörfer, die von den illegalen bewaffneten Gruppen belagert werden. Dort werden dann Ausgangssperren verhängt, so dass niemand mehr das Dorf verlassen darf oder so dass eben niemand mehr in das Dorf rein kann.
Oder aber es ist zu gefährlich für die Mitarbeiter, weil sie mit Kameras und Fragebögen in die Familien gehen und in den Gegenden, wo sich die verschiedenen Gruppen aufhalteen, kann das missverstanden werden und die Mitarbeiter von Plan für Spitzel oder Informanten gehalten werden. Um also die Mitarbeiter nicht in Gefahr zu bringen, werden sie nicht mehr in diese Gemeinden geschickt, was für die Paten in Deutschland bedeutet, dass sie keinen persönlichen Kontakt mehr zu den Kindern haben können. Das müssen die Mitarbeiter von Plan Deutschland dann erklären und DESWEGEN kam die Mitarbeiterin aus Deutschland, um sich mal ein Bild von der Situation hier zu machen. Das war mein Glück weil ich sie nämlich begleiten sollte, um zu übersetzen. Sie spricht nämlich nur wenig spanisch und hier spricht keiner englisch! Weil eigentlich hätte ich nie im Leben in diese Region fahren dürfen, weil es eben nicht sicher genug ist. Aber so musste ja jemand mit, um zu übersetzen und das war glücklicherweise ICH hehe!
Also hatten wir mehrere Sicherheitseinweisungen und sind dann nach Tumaco geflogen. So heißt die Region, in der es im Moment eben so viele Probleme gibt. 


Tumaco an der Pazifikküste
 

Tumaco liegt an der Pazifikküste und man fühlt sich, als ob man in einem anderen Land wäre. Die Bevölkerung ist fast ausschließlich afrokolumbianisch. 
Weil auch manche Straßen zu unsicher sind, um sie zu befahren sind wir geflogen. Außerdem aus Zeitgründen. Hier wird das Flugzeug genutzt wie der Bus....was besonders umweltfreundlich ist! Oh mann!








Naja, vor Ort haben wir dann nochmal Sicherheitseinweisungen bekommen und wurden über die Situation in der Region aufgeklärt. Ich erzähle euch mal ein bisschen was über den Konflikt, weil es wirklich interessant ist und ich nicht glaube, dass viele Leute in Deutschland von dem Konflikt hier wissen, geschweige denn ihn verstehen: Es geht also hauptsächlich um den Drogenanbau. Tumaco ist eine der Regionen in denen besonders viel Koka angebaut wird, woraus eben später Kokain hergestellt wird.
Die verschiedenen illegalen bewaffneten Gruppen, unter anderem die Guerrilla (FARC) führen eigentlich einen Kampf um Territorium, um sich Flächen zu sichern, auf denen sie weiter anbauen können. Außerdem hat Tumaco in der städtischen Region einen Hafen, der als wichtigster strategischer Punkt dient, um Drogen zu verschiffen. Und die wichtigste Straße, die zum Hafen führt wird auch von den verschiedenen Gruppen bewacht und "verteidigt", wenn gerade ein Drogentransport unterwegs ist. Das sind zwar nicht alle Gründe aber einige von denen, warum es gefährlich ist. Leider ist es am Ende immer die Zivilbevölkerung, die drunter leidet, denn die wird aus ihren Wohngegenden vertrieben. Es kann also sein, dass Bauern gezwungen werden auf ihrem Boden Koka anzubauen und wenn sie sich weigern wird ihnen mit dem Tod gedroht. Oder aber die Gruppen beschlagnahmen Häuser und Land, um Koka anzubauen und vertreiben die Leute ganz einfach. Viele fühlen sich auch einfach unsicher, weil es in der Nähe zu Kämpfen zwischen den verschiedenen Gruppen kommt. Erpressungen, Entführugen, Morde und was weiß ich nicht was, machen die Zone also nicht gerade zu einer der sympathischsten ;)

In Tumaco flogen dann auch wirklich ständig Helikopter über die Stadt und man fühlte sich irgendwie wie im Krieg. 
Und ich habe den Bürgermeister kennengelernt. Der wurde extra herzitiert, um von der Zusammenarbeit mit Plan zu berichten. Ich muss sagen, da kam ich mir schon ein bisschen wichtig vor haha.
Ach, was auch noch ganz interessant ist: Es gibt einen Plan zur Bekämpfung des Drogenanbaus, der von den USA finanziell unterstützt wird. Dabei wird aus Kleinflugzeugen Gift auf vermeindliche Kokaplantagen gesprüht. Es ist aber nicht so, dass Koka etwa so angebaut wird wie z.B. Mais, also auf einem riesigen Feld, sondern man baut Koka zwischen verschiedenen anderen Pflanzen an, so dass es nicht gleich sichtbar ist und auch nicht so schnell gefunden werden kann. Das ist schlecht, weil die Flugzeuge dann, wenn sie die Kokapflanzen vernichten auch alle anderen Pflanzen mit zerstören, die drumherum stehen. Und so verlieren viele Kleinbauern ihre Einnahmequellen, weil das Gift ihre kompletten Ernten zerstört. Seitdem dieser super Plan umgesetzt wird, ist der Anbau an Koka wohl auch nicht zurückgegangen, sondern gestiegen und trotzdem wird weiter gesprüht! Alles sehr sinnvoll wie ihr seht!

Wir haben in Tumaco also ein paar Projekte angeschaut und der Deutschen erklärt, wie welche Projekte aufgrund der Situation verändert werden mussten. Ein Projekt fand  in einem Veranstaltungssaal in einem Hotel statt, in dem auch eine Spezieleinheit der Antidrogenpolizei "stationiert" ist. Das war schon auch ein komischer Moment. weil wir vom Auto bis zum Saal nicht sprechen sollten, um nicht aufzufallen und um nichts Falsches zu sagen..... Und wir mussten immer unsere Jacken von Plan tragen, um als Nichtregierungsorganisation erkannt zu werden. Plan ist in der Region sehr bekannt und wird wohl auch von den bewaffneten Gruppen respektiert.....das ist ja schonmal was. 
Die UNO ist auch überall unterwegs und ständig begegnet man Soldaten vom Militär. Alles nicht ganz so entspannt. Wir als Mitarbeiter von Plan stehen aber unter dem Schutz der Vereinten Nationen und standen permanent in Kontakt zu den Verantwortlichen....also alles super! ;)


Die Projekte, die wir kennengelernt haben fand ich echt gut. Das waren Workshops für Kinder und Jugendliche und ich muss echt sagen, dass ich selten so disziplinierte und freundliche Kinder getroffen habe, wie dort. Alle haben total motiviert mitgearbeitet und zugehört und auch uns gegenüber waren alle total lieb und interessiert. Das war wirklich schön! In einem Projekt mussten wir sogar Autogramme geben hahaha. Die Kinder dachten wohl, wir wären irgendwelche berühmten Menschen aus Deutschland. 
Meine 5 Minuten Ruhm als Praktikantin hahaha. 



Übersetz, übersetz, übersetz
So, von Tumaco aus sind wir noch in eine andere Region geflogen, wo wir ein weiteres Projekt kennengelernt haben. Und von dort aus gings zurück nach Bogotá. Insgesamt 3 Tage, die ich echt anstrengend fand, weil ich ja permanent am übersetzen war.
Normalerweise schalte ich zwischendurch einfach mal ab, nicke freundlich und tue so, als würde ich verstehen, aber das konnte ich ja in der Zeit nicht bringen, weil ich eben alles übersetzen musste. Die Reise hat mir aber sehr viel gebracht, ich habe viel gelernt und einen Einblick in die Patenprogramme bekommen. Super gut!



In der Region Jamundí, wo wir nach Tumaco hinflogen wird Zuckerrohr angebaut.Hier seht ihr einen der riiiiiiiesigen Lastwagen, die das Zuckerrohr transportieren.



 Und hier ein Zuckerrohrfeld  mit Palmen im Hintergrund. Die Palme ist übrigens der Nationalbaum von Kolumbien. Hat Deutschland einen Nationalbaum`?

Nächste Woche fliege ich an die Karibikküste, wo wir auch ein Büro haben und wo ich an einem Projekt für Jugendliche teilnehmen werde. 
Danach bleibe ich noch 4 Tage und fahre mit Lise in einen Nationalpark, der das Paradies auf Erden ist. Eben so, wie man sich Karibikstrände vorstellt. Ich lade dann danach Fotos hoch, damit ihr mich beneiden könnt hehe.

So, jetzt habt ihr ein bisschen was über den Konflikt gelernt und wisst, was ich in letzter Zeit so getrieben habe. Wenn ihr Fragen dazu habt oder mehr Infos wollt könnt ihr mir auch gerne schreiben. Kann ja sein, dass sich jemand für das Thema interessiert.

Bis bald, ciao ciao






Sonntag, 26. Mai 2013

Herzlichen Glückwunsch!!!

Happy Birthday lieber Papa.
Besitos aus Bogotá!

Freitag, 24. Mai 2013

Blog 10 Kolumbien




Hola Hola (sorry für die unschöne Formatierung, aber irgendetwas funktioniert hier heute nicht....)

Ich sitze in einem wunderschönen Café, trinke Capuchino und esse einen Möhrenmuffin. Schokomuffin wäre mir natürlich lieber, aber erstens ist der Möhrenmuffin im Angebot und zweitens bilde ich mir ein, dass ein Möhrenmuffin gesünder ist! Eigentlich ist es etwas leichtsinnig, mit dem Laptop in der Tasche das Haus zu verlassen, aber es musste sein! DENN, heute ist es mir ein zweites Mal vergönnt, mich mit den kolumbianischen Behörden herumzuschlagen, um mein Visum zu beantragen und da ich vorgestern schon die wunderbare Erfahrung machen durfte, dass es hier noch schlimmer zugeht, als in Deutschland, kam ich heute vorbereitet, MIT Laptop, um keine Zeit zu vergeuden und euch zu schreiben. Ich riskiere es also, meinen Laptop geklaut zu bekommen, um euch auf dem Laufenden zu halten. Ist das nicht heldenhaft?!

So, jedenfalls klingt das jetzt alles sehr entspannt, aber ehrlich gesagt, habe ich vorgestern vor Wut fast angefangen zu heulen, weil ich so angenervt war! Ich muss dazu sagen, dass es auch ein bisschen meine Schuld war, aber das könnt ihr ruhig überlesen. Ich hätte mein Visum also eigentlich schon vor ein paar Wochen beantragen müssen, was ich natürlich nicht gemacht habe, weil ich Wichtigeres zu tun hatte haha. Jedenfalls bin ich dann vorgestern zum Ministerium, mit der Idee, dass ich 2 Stunden dort bin, mein Visum bezahle und wieder abhaue. Gut, dass ich nicht vorher wusste, wie ätzend der Tag endet, sonst wäre ich wahrscheinlich erst gar nicht aufgestanden.
Ich habe also zuerst mal eine Nummer bekommen….Nummer 99. In dem Moment als ich ins Ministerim kam, um mein Visum zu beantragen, war Nummer 24 an der Reihe. Da habe ich mir aber immer noch nichts bei gedacht. In dem Wartesaal saßen hauptsächlich Asiaten…..Kolumbien scheint bei den Asiaten sehr beliebt zu sein. Warum genau, habe ich noch nicht herausgefunden! Nach 2 Stunden im Wartesaal waren wir bei Nummer 28 angekommen. Da wurde mir langsam bewusst, dass das Ganze ein bisschen länger dauern könnte und mit diesem Bewusstsein wurde meine Laune rapide SCHLECHT! Irgendwann bin ich rausgegangen und habe gefrühstückt und beim Spazierengehen einen echt schönen skurrilen Laden gefunden, der uralte französische Zeitschriften und Comicfiguren verkauft. Mein Gott, war das ein langweiliger Tag!! Nach gefühlten 100 Stunden (tatsächlich waren es 6) kam ich dann endlich dran und die dumme Kuh hinterm Schreibtisch erzählte mir, dass meine Dokumente so nicht angenommen werden können, weil sie auf Englisch sind und nicht auf Spanisch. Freude! Ich war sehr unhöflich zu ihr und hoffe, dass ich heute nicht wieder zu ihr komme, wenn ich an der Reihe bin haha. Jedenfalls bin ich extreeeeeeeeeeeeeem sauer aus diesem Scheißladen raus und lief zum Bus und natürlich fing es in Strömen an zu regnen! Ist ja nicht so, als hätte es nicht schon die letzten 3 Monate jeden Tag geregnet!!
Irgendwann stand das Wasser in meinen Schuhen und wenn ich nicht in Bogotá wäre, hätte ich sie ausgezogen, weil es in dem Moment sowieso egal war! Aber hier habe selbst ich Angst, dass ich in irgendetwas Ekliges oder Gefährliches trete ;)
Also kam ich nass bis auf die Haut am Bus an, zur Hauptverkehrszeit! Und das bedeutet hier nicht nur ein bisschen Stau auf den Straßen, sondern, dass alle Menschen einfach mal komplett durchdrehen!

Das Bussystem (Transmilenio) funktioniert so, dass man mit einer Chipkarte durch ein Drehkreuz gehen muss, dann gibt es einen langen Gang mit automatisch öffnenden Schiebetüren zu beiden Seiten, vor denen jeweils die Busse halten, die in verschiedene Richtungen fahren. Vor diesen Türen spielen sich Szenen ab, die ich eigentlich echt mal filmen müsste….besonders zur Hauptverkehrszeit. Wahnsinn! Es geht eigentlich nicht darum als erster im Bus zu sein, um einen Sitzplatz zu bekommen, sondern einfach nur ÜBERHAUPT in den Bus reinzukommen. Die Busse sind zu dieser Uhrzeit so extrem überfüllt, dass man drinnen kaum noch atmen kann. Ich habe Glück, weil ich groß bin und oben gibt es mehr Sauerstoff ;) Und es ist besonders praktisch, weil man sich nicht festhalten muss. Man ist wunderbar sicher eingeklemmt zwischen all den Körpern und kommt sich näher als man es gerne hätte…..ganz zu schweigen von den Gerüchen. Ein Erlebnis. Die Türen schließen manchmal nicht, weil so viele Leute sich in den Bus reinquetschen. Und immer wenn ich beim „Einsteigen“ gerade mal wieder zwei oder drei Ellenbogen im Bauch und Rücken spüre und versuche meine Haare aus dem Rucksack der Person neben mir zu ziehen, lese ich das Schild, das über jeder Tür hängt „Behandle deine Mitmenschen so, wie du auch gerne behandelt werden würdest“. Haha! Lustig!

Ich glaube das war der beschissenste Tag, den ich bisher hier erlebt habe! Naja und heute habe ich dann die Dokumente übersetzen lassen, was mich 60 Euro gekostet hat, meine Nummer habe ich schon gezogen….heute habe ich Nummer 80 woooooooooooooow!!! Die „Bearbeitungsgebühr“ von 12 Euro habe ich heute ein zweites Mal zahlen dürfen und wenn mir heute irgendjemand sagt, dass ich das Visum nicht bekomme dann……………………tja……….dann fange ich wohl wirklich an zu heulen! Und das wird auch niemanden interessieren! Hoffen wir das Beste!

Jetzt aber zu den erfreulichen Dingen des Lebens. Es ist zwar schon wieder Ewigkeiten her, aber ich war auf dem Konzert von „La 33“, eine der bekanntesten Salsabands Kolumbiens. Das war echt richtig gut! Und gratis! Es fand statt am 29. April, dem internationalen Tag des Tanzes, in einer großen offenen Arena im Zentrum und aaaaaaalle Leute im Publikum haben getanzt. Wir standen relativ weit oben und konnten die ganze Arena überblicken und es sah so schön aus, wie alle am Feiern und am Tanzen waren. Auf der Bühne spielte die Band und sie wurde begleitet von den besten Salsatänzern/innen des Landes. Also mir hat Salsa ja schon vorher gefallen, aber nach dem Konzert noch mehr!
Hier ein kleiner Eindruck für die, die es interessiert: La 33 in der Arena Santa Maria am 29. April in Bogotá:

https://www.youtube.com/watch?v=d-W-ZLoCUjA

Am nächsten Abend sind wir in einen Club gegangen, wo ein DJ aufgelegt hat, den ich inzwischen auch schon kennengelernt habe und der wiederum mit dem Pianisten vom Orchestra 33 dort war. Und da der DJ weiß, dass ich gerade Salsa lerne, erzählte er das freundlicherweise dem Pianisten, der mich dann fragte, ob ich mit ihm tanzen möchte. Hahaaa!!! Was ein Spaß! Das war mir echt peinlich, weil ich wirklich die absolute Anfängerin bin und der natürlich der super super super Tänzer! Also wenn er sich zu Tode gelangweilt hat, hat er es sich nicht anmerken lassen. Ist mir auch egal! Ich hab mit ihm getanzt! Hah!
Ich gehe immer noch regelmäßig zur Tanzstunde und gestern hatte ich den besten Tanzpartner seitdem ich dort angefangen habe. Und wo kam er her? Aus Schweden! Da muss erst mal ein Schwede nach Kolumbien kommen, um mich beim Tanzen gut zu führen. Toll!

So, dann war ich außerdem noch auf sehr vielen interessanten Vorträgen, auch von Organisationen der Vereinten Nationen und habe Leuten zugehört, deren Bücher ich gelesen habe! Ich muss sagen, dass mir das fehlen wird! Es gibt hier so viele internationale Vorträge und speziell für mein Studium gibt es immer irgendeine Veranstaltung, die hundertmal interessanter ist, als das, was ich in der Uni lerne! Und alles ist gratis!Außerdem habe ich an einem Poesieworkshop teilgenommen, der von einem der bekanntesten deutschen modernen Poeten geleitet wurde. Für die, die sich ein bisschen auskennen: Bas Böttcher. Ich konnte es ja kaum glauben, aber es stimmte!!!
Ich hatte den damals bei einem der Poetry Slams in Koblenz gesehen (Veranstaltungen, bei denen Poeten ihre Texte vorlesen können und das Publikum entscheidet mit Applaus wer gewinnt!) und hab mir fast alle Texte online angehört. Und als ich von dem Workshop las, der vom Goethe-Institut angeboten wurde, hab ich mich sofort angemeldet. Der Workshop war auch wirklich gut, aber ich musste feststellen, dass in meinen Adern definitiv kein Poetenblut fließt! Dafür habe ich Bas persönlich kennengelernt und weiß jetzt mehr über die Techniken von den Poeten, die bei den Slams auftreten. Außerdem hat er am nächsten Abend ebenfalls gratis seine Texte in einer Bar vorgetragen, wo wir mit ein paar Leuten hingegangen sind, um sie uns anzuhören. Da haben wir noch ein Bier mit ihm getrunken, was in Deutschland wahrscheinlich auch nie möglich gewesen wäre.

                                             


Ja und jetzt noch etwas zur Arbeit….deswegen bin ich ja schließlich hier haha. Das Theaterprojekt läuft super und ich habe den Fragebogen zur Befragung des Publikums nach dem Stück fertiggestellt. Die erste Aufführung fand schon statt, allerdings nur vor einem internen Probepublikum, in dem die Mitarbeiter/innen von Plan und des kolumbianischen „Sozialamtes“ saßen. Das Sozialamt heißt hier „ICBF“ und ist die größte staatliche soziale Einrichtung. Die hatten das Projekt ja in Auftrag gegeben und finanzieren den größten Teil. Nach dem Stück wurden die Szenen noch einmal besprochen und über Änderungen diskutiert, die den pädagogischen Inhalt betreffen und so weiter. Außerdem wurde ich offiziell erwähnt und habe einen Applaus für meine Arbeit bekommen, was mich wirklich gefreut hat, weil ich die ganze Zeit nur wenig Rückmeldung bekommen habe. Den Fragebogen wendeten wir dann an 50 – 60 Personen an. Aber er muss noch etwas überarbeitet werden…..das habe ich dann beim Befragen bemerkt. Egal, ich habe mich gefreut, dass meine Arbeit wertgeschätzt wird und tatsächlich von Nutzen ist.

So, jetzt noch ein paar Infos zu typisch kolumbianischem Essen. Vegetarier sollten diesen Teil überlesen. Es gibt hier ein Gericht, dass heißt „Lechona“. Das ist ein ganzes Schwein, das im Ofen (oder überm Feuer?) gegart wird, dann das Fleisch mit Reis vermischt und wieder in das ganze Schwein reingestopft wird. Klingt eklig, sieht auch eklig aus, schmeckt aber echt gut. Und jeden Samstag steht eine kleine Frau mit einem Glaskasten an der Ecke in meinem Viertel und verkauft das Schwein. Hier ein Foto.

                                                          Lechona schon halb aufgegessen ;)



                                              
So und hier noch etwas für die Vegetarier: Ein Bananenladen!! ;) Viel schöner als in Plastik verpackt im Supermarkt wie ich finde.

Ach und mein Kollege hat mir erzählt, dass es ein Gericht gibt, dessen Name ich vergessen habe, welches aus allen Teilen des Kopfes (von Schwein und Kuh) zubereitet wird. Also auch die Augen und die Schnauze und so weiter. Das schreibe ich nicht, um eklige Geschichten zu erzählen (naja, ein bisschen vielleicht auch), sondern weil ich es eigentlich gut finde, dass man hier alle Teile vom Tier verarbeitet.
Dieses Gericht werde ich allerdings auslassen ;)

Ach UND ich habe meine erste Trommelstunde genommen. Ein Freund von Jorge und Marco (meine Mitbewohner) hat sie mir gegeben. Ist gar nicht mal so einfach! Es gibt verschiedene Techniken, wie man die Trommel schlagen muss, um unterschiedliche Töne herauszubekommen und das ganze muss man dann noch koordinieren. Da wir ja verschiedene Trommeln im Proberaum stehen haben, kann ich zu Hause üben. Macht Spaß!
Ich bin also beschäftigt und lerne viel Neues. Inzwischen kenne ich auch viele Leute, mit denen ich weggehen kann und die wirklich alle super sympathisch sind.


So, ich werde mein Glück im Ministerium noch einmal versuchen……..
…………Ich bin im Wartesaal angekommen. An der Reihe ist Nummer 56. Wunderbar….fehlen ja nur noch 24 Personen. Jede Person braucht ungefähr 20 Minuten……Ich freue mich!
Oh, toll gerade wurde mir vorgeschlagen, mich bei einer Tochterfirma von Coca Cola zu melden, die einen Werbespot für ein Getränk dreht und denen mein Gesicht gefällt hahahaha. 500 Euro. Das klingt zu einfach! Naja, ich werds mir mal anschauen. Kann ja nicht schaden. Ich kenne das Getränk sogar. Irgendwas Kolumbianisches. Aber wenn es wirklich eine Tochterfirma von Coca Cola wäre, finde ich 500 Euro ganz schön wenig. Ich frage mal, ob sie auch mehr zahlen haha.


Na, ich werde mal weiter apathisch auf die Anzeigetafel starren und hoffen, dass durch ein Wunder die Zahl 80 erscheint……und zwar nicht erst in 4 Stunden!....sehr unwahrscheinlich! ;)
Danke übrigens, dass ihr mir schreibt und mich auf dem Laufenden haltet. Ich freue mich immer drüber!

So und am Schluss noch ein paar Fotos, die sich so angesammelt haben.

Bis bald





"Meine" Straße. Vorne rechts an der Ecke wohnen wir.






Hier! Hinter der Garagentür ist der Proberaum. Unsere Zimmer sind oben. Mein Fenster ist Gott sei Dank nach hinten gelegen!

In Bogotá ist jedes zweite Auto ein Taxi. 
  
Darf ich vorstellen: Der kolumbianische Volkswagen "Colwagen" von "COLombia"...für die, die es nicht verstanden haben sollten hehe.