Donnerstag, 25. Juli 2013

Blog 13 Kolumbien: Das Dschungelcamp ;)

Ich habe mich schon lange nicht mehr gemeldet. Zum Einen, weil ich sehr beschaeftigt war und zum Anderen weil gleichzeitig nicht besonders viel Spannendes passiert ist.
Jetzt bin ich in meiner letzten Praktikumswoche angekommen und habe mehr Zeit. Morgen ist mein letzter Tag in Plan!
In den letzten Wochen wurde ich noch in ein super interessantes Projekt mit einbezogen, zusammen mit den Leuten aus dem Bereich “Kommunikation”, was Spass gemacht hat, weil der eine Kollege so alt ist wie ich und wir uns gut verstehen.
Jedenfalls habe ich ueber Online Fundraising Strategien recherchieren muessen und wirklich viel gelernt. Also sollte ich irgendwann mal mein eigenes Projekt leiten, bin ich vorbereitet, wenn es ums Spenden sammeln geht. Am Ende musste ich alles vor der Direktorin und einem Mitarbeiter aus England praesentieren, was zwar eine gute Uebung war, aber ich war wirklich nervoes. Trotzdem schoen, dass mir so viel Verantwortung uebertragen und meine Arbeit wertgeschaetzt wurde. Ich habe waehrend der fuenf Monate sehr selbststaendig arbeiten koennen was mir echt gut gefallen hat. Und wenn ich Fragen hatte, konnte ich immer jemanden ansprechen. Das war fuer mich die perfekte Art und Weise um zu arbeiten, weil ich es nicht mag, wenn mir staendig jemand auf die Finger schaut.
Eigentlich haette ich nochmal mit “Plan” verreisen sollen, aber da es Demonstrationen im ganzen Land gegen den illegalen Goldabbau gab, war die Situation etwas angespannt und kein/e Mitarbeiter/in von Plan durfte in die Gemeinden gehen, um dort zu arbeiten. Da das aber das Ziel der Reise gewesen waere, fiel sie leider ins Wasser.
Der illegale Goldabbau ist hier in Kolumbien ein grosses Problem, nicht nur weil die Umwelt auf schlimmste Weise ausgebeutet und zerstoert wird, sondern auch, weil die Menschen aus ihren Doerfern vertrieben werden, wenn sie in einem ressourcenreichen Gebiet leben. In den illegalen Minen sterben ausserdem regelmaessig Menschen, weil sie ja nach keiner Norm gebaut werden und oft einfach zusammenstuerzen und die Leute lebendig begraben!
Auch im Goldgeschaeft haben wieder die Guerrilla und die paramilitaerischen Gruppen ihre Finger im Spiel. Die Regierung wohl auch. Das Geschaeft mit dem Gold ist einfach zu lukrativ!
Genauso wie das Geschaeft mit dem Kokain, in dem so viel Geld gemacht wird, das kann sich kein Mensch vorstellen. Da faellt mir die Geschichte ein, die mein Freund mir erzaehlt hat, ueber Pablo Escobar, der besonders in den achtziger Jahren eines der groessten Drogenkartelle der Welt hier in Kolumbien geschaffen hat. Zu der Zeit, in der Pablo Escobar noch lebte, sind ueber 10.000 Menschen ermordet worden, aus allen Schichten. Politiker, einfache Bauern, alle die Pablo Escobar irgendwie im Weg standen. Meine Kollegin, die in den achtziger Jahren in Medellin arbeitete, der Stadt, in der auch Pablo Escobar lebte, hat mir erzaehlt, dass in dieser Zeit jeden Tag Bomben explodiert sind und fast jeden Tag jemand ermordet wurde. Sie erzaehlte, dass die Fensterscheiben ihres Bueros mit Klebeband fixiert waren, weil durch die staendigen Bombenexplosionen die Scheiben zersprungen sind.
Mein Freund hat mir also erzaehlt, dass Pablo Escobar einen eigenen Zoo hatte, um die Exkremente der Tiere zum Transport von Drogen zu nutzen. Er verkaufte Tierexkremente als Duenger und verpackte die Drogen darin, damit die Drogenhunde sie nicht erschnueffeln. Und das ist nur eine der kreativen Ideen, die Pablo Escobar hatte, um das Kokain zu transportieren und zu verkaufen.
Die Drogenhunde wurden und werden immernoch sehr oft von den Drogenhaendlern oder deren Mittelmaennern erschossen. Es gibt Drogenhunde, die sind sehr sehr sehr viel Geld wert, weil sie so gut ausgebildet sind, dass sie die allerkleinste Menge Kokain riechen koennen. Solche Hunde werden also oft aus der Entfernung erschossen, weil sie logischerweise das Geschaeft stoeren.
Heutzutage werden zwar nicht mehr so viele Bomben eingesetzt, aber dafuer eben Menschen ermordet, vertrieben oder entfuehrt, um das Drogengeschaeft am laufen zu halten. Ein Elend! Und ich moechte nochmal betonen: Die Hauptabnehmer sind die USA und Europa. Wenn sich also jemand unbedingt Kokain reinziehen will, soll er sich gefaelligst sein eigenes Kokain produzieren und keinen Krieg finanzieren, indem man sich Drogen kauft, nur weil man zu unentspannt ist und meint mehr Spass und Energie haben zu muessen! Soviel dazu!
So, morgen habe ich dann mein Evaluationsgespraech und dann heisst es ADIOS PLAN!
Am Samstag fliege ich ins Amazonasgebiet! Ich kenne ja schon ein paar Ecken an der Kueste Kolumbiens, aber da ich nicht so viel Zeit hatte, um zu verreisen, habe ich mir diese Reise fuer den Schluss aufgehoben. Ich freue mich total, weil ich ein super schoenes Naturreservat in Brasilien gefunden habe, wo ich eine Woche verbringen werde. Ich fliege in die Hauptstadt des Departaments “Amazonas”  in Kolumbien und fahre von dort aus mit dem Boot 5-6 Stunden ueber den Amazonas und seine Seitenfluesse bis zu dem Reservat, was auf der brasilianischen Seite liegt.
Die Unterkunft, wo ich wohnen werde liegt mitten im Dschungel an einem Seitenfluss des Amazonas, in dem es rosane Suesswasserdelphine gibt.
Dort gibt es Platz fuer sehr viele Gaeste, weil es sowas wie ein Lehrcamp ist, in dem ganz viele Aktivitaeten angeboten werden, in denen man ueber die Region, die Traditionen und das Oekosystem aufgeklaert wird. Es gibt Dschungeltouren bei Tag und Nacht, man kann Piranhas fischen, in traditionellen Holzbooten ueber den Fluss fahren, Krokodile beobachten, indigene Doerfer besuchen, in denen in Kooperation auch soziale und Umweltprojekte durchgefuehrt werden, mit den Delphinen im Fluss schwimmen, traditionelles Handwerk erlernen, lernen wie man Kautschuk erntet und daraus Gebrauchsgegenstaende herstellt, und viiiiiles mehr. Ausserdem ist alles auf oekologischer Basis und die Unterkunft hat ihren eigenen geschlossenen Kreislauf zur Energiegewinnung, damit die Umwelt so minimal wie moeglich beeintraechtigt wird. Und es gibt nur biologisch angebautes Essen! Ausserdem haben die eine ganz hohe Plattform gebaut, auf die man hochklettern kann und von oben kann man ueber den Urwald schauen. 
Ausserdem besteht eine Kooperation zwischen dem Reservat und verschiedenen Umweltschutzorganisationen, unter anderem zum UN-Umweltprogramms (UNEP), mit denen ein super schoenes Projekt vor Ort realisiert wird. Und zwar heisst das Projekt “Sowing Jungle”, also “Dschungel saehen” und es werden Setzlinge verschiedenster Baumarten gezogen, die dann spaeter im Dschungel gesetzt werden. Das Ganze ist auch ein Lehrprogramm zur Sensibilisierung von Kindern, Jugendlichen ….naja eigentlich von allen Menschen, um auf die Abholzung des Regenwaldes mit all ihren Konsequenzen aufmerksam zu machen. Ich kann also meinen eigenen kleinen Baum im Urwald setzen wenn ich will. Und dann komme ich nach 20 Jahren zurueck und schaue mir an wie gross er geworden ist ;)
Das Prinzip ist:  “Der Planet Erde und alles, was auf ihm existiert gehoert uns nicht = Wir gehoeren zum Planeten Erde und muessen alles, was auf ihm existiert respektieren und ehren.”
 Klingt alles perfekt und ich WILL dass es genauso wird, wie es in der Beschreibung steht. Falls es jemanden interessiert: Das Ganze nennt sich “Palmarí”.
Ich musste mich extra noch schnell gegen Gelbfieber impfen lassen, sonst duerfte ich gar nicht in die Region einreisen. 


Meine Abschiedsparty in der WG habe ich schon gefeiert. Es war echt nett, weil meine Mitbewohner mir ein T-shirt ihrer Band geschenkt haben und mir extra mein Lieblingslied gespielt haben. Wir haben gekocht und es kamen viele Leute, die ich vor meiner Abreise nicht mehr sehen werde.
Das auf dem Foto sind die einzigen zwei Mädels, die ich in der ganzen Zeit kennengelernt habe. Da ich nur mit Männern zusammengewohnt habe, war es etwas schwierig "Freundinnen" zu finden ;) 
Mitt den beiden hab ich mich aber wirklich gut verstanden und sie kamen zur weiblichen Unterstützung an meiner Abschiedsparty :)





So, nach der Woche im Amazonas werde ich mich hier in Bogotá von allen verabschieden und fuer eine Woche nach Minnesota fliegen, um meine Freunde zu besuchen. Und DANACH komme ich nach Deutschland! Ich werde ab Mitte August in Bornich sein und die ersten zwei Septemberwochen in Ludwigsburg. Also koennen bitte alle Menschen, die ich mag, sich in den letzten zwei Augustwochen in Bornich aufhalten und in den ersten zwei Septemberwochen in Ludwigsburg. Danke! ;)
Wenn ich es schaffe, schreibe ich nochmal in den Blog bevor ich zurueckkomme oder wenn ich wieder in Deutschland bin.
So, ich bin dann mal im Amazonas ;)
Ciao, un besito

2 Kommentare:

docmic hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
docmic hat gesagt…

Gute Reise, alles Gute