Sonntag, 9. Juni 2013

Blog 11

Mein Gott, hab ich viel erlebt! ;)
Wo fange ich denn an?! 

Ich fange an bei der Versammlung der Vereinten Nationen zum Thema Postkonflikt in Kolumbien und die Situation der vertriebenen Menschen im Land.
Klingt  komplizierter als es ist. Es gab also eine riesige Versammlung der UNO, bei der es um Strategien ging, die international angewandt wurden, nachdem ein Land einen bewaffneten Konflikt durchlebt hat. Das Interessante in Kolumbien ist, dass der Konflikt ja immernoch stattfindet und trotzdem schon über Lösungsstrategien diskutiert wird, die helfen sollen die Situation nach dem "Krieg" besser unter Kontrolle zu haben und aus den Fehlern anderer Länder zu lernen. Es war eine sehr formelle Veranstaltung, zu der ich mal wieder falsch gekleidet aufgekreuzt bin, was aber niemanden interessiert hat.
Internationale Vertreter aus Brüssel, New York und natürlich auch aus Kolumbien hielten Reden und stellten ihre Arbeit aus Kriesengebieten vor: El Salvador, Bosnien und .....Mist hab ich vergessen. Zu viel Info an einem Tag! ;)
War jedenfalls sehr sehr interessant und ich habe viel gelernt! Und die UNO hat hier wirklich überall ihre Finger im Spiel.
Zum Konflikt erzähle ich euch später noch mehr.

Zuerst aber etwas zu einem schönen Ausflug, den ich gemacht habe und während dem ich extra Videos für euch gedreht habe, aber ich kann die nicht öffnen und bin auch leider nicht schlau genug, um sie zu formatieren oder was auch immer man tun muss, um sie sich anschauen zu können.
Also müsst ihr euch mit Fotos zufrieden geben.
Lise, die belgische Praktikantin, die 2 Monate bei Plan gearbeitet hat und ich sind nach Utica gefahren. Das ist ein Dorf, von dem aus man in ein schönes Tal wandern kann, wo es einen Fluss und schöne Berge gibt.
Gelesen hatten wir von zwei Stunden Fahrzeit, woraus natürlich 4 Stunden geworden sind. Also das hätte ich inzwischen eigentlich schon wissen müssen. Wenn jemand sagt, dass irgendetwas eine halbe Stunde dauert, kann man mit einer Stunde und mehr rechnen. Egal, die Fahrt hat mir gefallen, weil die Landschaft so schön war. Wenn man 2-3 Stunden aus Bogotá rausfährt, ist es gleich viel tropischer, grüner und bunter! Die Pflanzen, Häuser, das Klima und auch die Leute verändern sich und es gibt super viel Neues zu sehen.

Hat mich gewundert, dass wir überhaupt angekommen sind, weil wir sehr unvorbereitet losgefahren sind und nicht so recht wussten, wo wir überhaupt ein- und aussteigen müssen, aber hier wird man ja gleich umzingelt von irgendwelchen Fahrern, wenn man aus einem Bus aussteigt, die einen in den nächsten Bus zerren und glücklicherweise haben sie uns in den richtigen Bus gesetzt, als wir umsteigen mussten. Jedenfalls sind wir dann in Utica genauso unvorbereitet losgelatscht, um das schöne Tal zu finden, das wir auf den Bildern im Internet gesehen hatten. Man muss dazu sagen, dass es wirklich heiß war, was ich nicht gewöhnt bin, weil es hier in Bogotá ja immer bewölkt und kühl ist....was mir sehr recht ist.
Wir sind also stundenlang an irgendwelchen verlassenen Gleisen entlanggelaufen durch kleine Wälder, vorbei an kleinen Bauernhöfen, am Fluss entlang, haben zwischendurch am Fluss gesessen und uns abgekühlt, währenddessen flogen ganz viele Schmetterlinge um uns herum, weil es ein Schmetterlingsgebiet ist. So schön!! Ganz viele richtig große bunte Schmetterlinge, die ich noch nie im Leben gesehen habe. Ganz schöne Muster und Farben! 


Kühe, die das Weite suchten, als wir ihnen auf den Gleisen entgegenkamen
Kühe, die das Weite suchten, als wir ihnen auf den Gleisen entgegenkamen

Naja, die Schienen führten jedenfalls ins Nirgendwo und am Ende der Tour trafen wir jemanden, der meinte, dass wir in die falsche Richtung gelaufen sind und es jetzt zu spät wäre, um ins Tal zu gehen. War ja klar! Das hat mich geärgert weil ich das Foto aus dem Internet im Kopf hatte und unbedingt dieses Tal sehen wollte, wofür ich schließlich 4 Stunden im Bus saß. Naja, ist ja nicht so, als wäre mir sowas aufgrund von meiner brillianten Organisation nicht schon öfter passiert. Ich habe dann ein bisschen rumgemotzt und dann haben wir aber noch einen sehr schönen entspannten Nachmittag am Fluss verbracht und sind noch am selben Tag wieder zurück nach Bogotá gefahren.


So und dann habe ich eine wirklich tolle  Gelegenheit von "Plan" bekommen zu verreisen. Und zwar kam eine Mitarbeiterin von "Plan Deutschland" aus dem Büro aus Hamburg, die für das Patenprogramm arbeitet. Plan Deutschland ist der Hauptspender für die Projekte in Kolumbien und deswegen sehr wichtig! In Deutschland werden über Patenschaften Gelder eingesammelt, die dann hier in Kolumbien in verschiedene Projekte investiert werden, z.B. zur Partizipation von Jugendlichen in ihren Gemeinden oder zur Frühförderung von Kleinkindern oder zur Ausbildung von "Friedensstiftern" an Schulen, um Gewalt vorzubeugen usw. Die Paten können trotzdem Kontakt zu einzelnen Kindern haben, also z.B. über Briefe und Fotos, aber das Geld, das sie spenden wird eben für die Gemeindeprojekte genutzt. Jetzt ist es aber so, dass wegen der gefährlichen Situation, die Mitarbeiter/innen von Plan in Kolumbien nicht mehr in bestimmte Gemeinden fahren können, um dort Briefe abzuholen oder abzugeben oder um Fotos von den Kindern aufzunehmen. Es gibt Dörfer, die von den illegalen bewaffneten Gruppen belagert werden. Dort werden dann Ausgangssperren verhängt, so dass niemand mehr das Dorf verlassen darf oder so dass eben niemand mehr in das Dorf rein kann.
Oder aber es ist zu gefährlich für die Mitarbeiter, weil sie mit Kameras und Fragebögen in die Familien gehen und in den Gegenden, wo sich die verschiedenen Gruppen aufhalteen, kann das missverstanden werden und die Mitarbeiter von Plan für Spitzel oder Informanten gehalten werden. Um also die Mitarbeiter nicht in Gefahr zu bringen, werden sie nicht mehr in diese Gemeinden geschickt, was für die Paten in Deutschland bedeutet, dass sie keinen persönlichen Kontakt mehr zu den Kindern haben können. Das müssen die Mitarbeiter von Plan Deutschland dann erklären und DESWEGEN kam die Mitarbeiterin aus Deutschland, um sich mal ein Bild von der Situation hier zu machen. Das war mein Glück weil ich sie nämlich begleiten sollte, um zu übersetzen. Sie spricht nämlich nur wenig spanisch und hier spricht keiner englisch! Weil eigentlich hätte ich nie im Leben in diese Region fahren dürfen, weil es eben nicht sicher genug ist. Aber so musste ja jemand mit, um zu übersetzen und das war glücklicherweise ICH hehe!
Also hatten wir mehrere Sicherheitseinweisungen und sind dann nach Tumaco geflogen. So heißt die Region, in der es im Moment eben so viele Probleme gibt. 


Tumaco an der Pazifikküste
 

Tumaco liegt an der Pazifikküste und man fühlt sich, als ob man in einem anderen Land wäre. Die Bevölkerung ist fast ausschließlich afrokolumbianisch. 
Weil auch manche Straßen zu unsicher sind, um sie zu befahren sind wir geflogen. Außerdem aus Zeitgründen. Hier wird das Flugzeug genutzt wie der Bus....was besonders umweltfreundlich ist! Oh mann!








Naja, vor Ort haben wir dann nochmal Sicherheitseinweisungen bekommen und wurden über die Situation in der Region aufgeklärt. Ich erzähle euch mal ein bisschen was über den Konflikt, weil es wirklich interessant ist und ich nicht glaube, dass viele Leute in Deutschland von dem Konflikt hier wissen, geschweige denn ihn verstehen: Es geht also hauptsächlich um den Drogenanbau. Tumaco ist eine der Regionen in denen besonders viel Koka angebaut wird, woraus eben später Kokain hergestellt wird.
Die verschiedenen illegalen bewaffneten Gruppen, unter anderem die Guerrilla (FARC) führen eigentlich einen Kampf um Territorium, um sich Flächen zu sichern, auf denen sie weiter anbauen können. Außerdem hat Tumaco in der städtischen Region einen Hafen, der als wichtigster strategischer Punkt dient, um Drogen zu verschiffen. Und die wichtigste Straße, die zum Hafen führt wird auch von den verschiedenen Gruppen bewacht und "verteidigt", wenn gerade ein Drogentransport unterwegs ist. Das sind zwar nicht alle Gründe aber einige von denen, warum es gefährlich ist. Leider ist es am Ende immer die Zivilbevölkerung, die drunter leidet, denn die wird aus ihren Wohngegenden vertrieben. Es kann also sein, dass Bauern gezwungen werden auf ihrem Boden Koka anzubauen und wenn sie sich weigern wird ihnen mit dem Tod gedroht. Oder aber die Gruppen beschlagnahmen Häuser und Land, um Koka anzubauen und vertreiben die Leute ganz einfach. Viele fühlen sich auch einfach unsicher, weil es in der Nähe zu Kämpfen zwischen den verschiedenen Gruppen kommt. Erpressungen, Entführugen, Morde und was weiß ich nicht was, machen die Zone also nicht gerade zu einer der sympathischsten ;)

In Tumaco flogen dann auch wirklich ständig Helikopter über die Stadt und man fühlte sich irgendwie wie im Krieg. 
Und ich habe den Bürgermeister kennengelernt. Der wurde extra herzitiert, um von der Zusammenarbeit mit Plan zu berichten. Ich muss sagen, da kam ich mir schon ein bisschen wichtig vor haha.
Ach, was auch noch ganz interessant ist: Es gibt einen Plan zur Bekämpfung des Drogenanbaus, der von den USA finanziell unterstützt wird. Dabei wird aus Kleinflugzeugen Gift auf vermeindliche Kokaplantagen gesprüht. Es ist aber nicht so, dass Koka etwa so angebaut wird wie z.B. Mais, also auf einem riesigen Feld, sondern man baut Koka zwischen verschiedenen anderen Pflanzen an, so dass es nicht gleich sichtbar ist und auch nicht so schnell gefunden werden kann. Das ist schlecht, weil die Flugzeuge dann, wenn sie die Kokapflanzen vernichten auch alle anderen Pflanzen mit zerstören, die drumherum stehen. Und so verlieren viele Kleinbauern ihre Einnahmequellen, weil das Gift ihre kompletten Ernten zerstört. Seitdem dieser super Plan umgesetzt wird, ist der Anbau an Koka wohl auch nicht zurückgegangen, sondern gestiegen und trotzdem wird weiter gesprüht! Alles sehr sinnvoll wie ihr seht!

Wir haben in Tumaco also ein paar Projekte angeschaut und der Deutschen erklärt, wie welche Projekte aufgrund der Situation verändert werden mussten. Ein Projekt fand  in einem Veranstaltungssaal in einem Hotel statt, in dem auch eine Spezieleinheit der Antidrogenpolizei "stationiert" ist. Das war schon auch ein komischer Moment. weil wir vom Auto bis zum Saal nicht sprechen sollten, um nicht aufzufallen und um nichts Falsches zu sagen..... Und wir mussten immer unsere Jacken von Plan tragen, um als Nichtregierungsorganisation erkannt zu werden. Plan ist in der Region sehr bekannt und wird wohl auch von den bewaffneten Gruppen respektiert.....das ist ja schonmal was. 
Die UNO ist auch überall unterwegs und ständig begegnet man Soldaten vom Militär. Alles nicht ganz so entspannt. Wir als Mitarbeiter von Plan stehen aber unter dem Schutz der Vereinten Nationen und standen permanent in Kontakt zu den Verantwortlichen....also alles super! ;)


Die Projekte, die wir kennengelernt haben fand ich echt gut. Das waren Workshops für Kinder und Jugendliche und ich muss echt sagen, dass ich selten so disziplinierte und freundliche Kinder getroffen habe, wie dort. Alle haben total motiviert mitgearbeitet und zugehört und auch uns gegenüber waren alle total lieb und interessiert. Das war wirklich schön! In einem Projekt mussten wir sogar Autogramme geben hahaha. Die Kinder dachten wohl, wir wären irgendwelche berühmten Menschen aus Deutschland. 
Meine 5 Minuten Ruhm als Praktikantin hahaha. 



Übersetz, übersetz, übersetz
So, von Tumaco aus sind wir noch in eine andere Region geflogen, wo wir ein weiteres Projekt kennengelernt haben. Und von dort aus gings zurück nach Bogotá. Insgesamt 3 Tage, die ich echt anstrengend fand, weil ich ja permanent am übersetzen war.
Normalerweise schalte ich zwischendurch einfach mal ab, nicke freundlich und tue so, als würde ich verstehen, aber das konnte ich ja in der Zeit nicht bringen, weil ich eben alles übersetzen musste. Die Reise hat mir aber sehr viel gebracht, ich habe viel gelernt und einen Einblick in die Patenprogramme bekommen. Super gut!



In der Region Jamundí, wo wir nach Tumaco hinflogen wird Zuckerrohr angebaut.Hier seht ihr einen der riiiiiiiesigen Lastwagen, die das Zuckerrohr transportieren.



 Und hier ein Zuckerrohrfeld  mit Palmen im Hintergrund. Die Palme ist übrigens der Nationalbaum von Kolumbien. Hat Deutschland einen Nationalbaum`?

Nächste Woche fliege ich an die Karibikküste, wo wir auch ein Büro haben und wo ich an einem Projekt für Jugendliche teilnehmen werde. 
Danach bleibe ich noch 4 Tage und fahre mit Lise in einen Nationalpark, der das Paradies auf Erden ist. Eben so, wie man sich Karibikstrände vorstellt. Ich lade dann danach Fotos hoch, damit ihr mich beneiden könnt hehe.

So, jetzt habt ihr ein bisschen was über den Konflikt gelernt und wisst, was ich in letzter Zeit so getrieben habe. Wenn ihr Fragen dazu habt oder mehr Infos wollt könnt ihr mir auch gerne schreiben. Kann ja sein, dass sich jemand für das Thema interessiert.

Bis bald, ciao ciao






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