Hola Hola (sorry für die unschöne Formatierung, aber irgendetwas funktioniert hier heute nicht....)
Ich sitze in einem wunderschönen Café, trinke Capuchino und esse einen Möhrenmuffin. Schokomuffin wäre mir natürlich lieber, aber erstens ist der Möhrenmuffin im Angebot und zweitens bilde ich mir ein, dass ein Möhrenmuffin gesünder ist! Eigentlich ist es etwas leichtsinnig, mit dem Laptop in der Tasche das Haus zu verlassen, aber es musste sein! DENN, heute ist es mir ein zweites Mal vergönnt, mich mit den kolumbianischen Behörden herumzuschlagen, um mein Visum zu beantragen und da ich vorgestern schon die wunderbare Erfahrung machen durfte, dass es hier noch schlimmer zugeht, als in Deutschland, kam ich heute vorbereitet, MIT Laptop, um keine Zeit zu vergeuden und euch zu schreiben. Ich riskiere es also, meinen Laptop geklaut zu bekommen, um euch auf dem Laufenden zu halten. Ist das nicht heldenhaft?!
So, jedenfalls klingt das jetzt alles sehr entspannt, aber ehrlich gesagt, habe ich vorgestern vor Wut fast angefangen zu heulen, weil ich so angenervt war! Ich muss dazu sagen, dass es auch ein bisschen meine Schuld war, aber das könnt ihr ruhig überlesen. Ich hätte mein Visum also eigentlich schon vor ein paar Wochen beantragen müssen, was ich natürlich nicht gemacht habe, weil ich Wichtigeres zu tun hatte haha. Jedenfalls bin ich dann vorgestern zum Ministerium, mit der Idee, dass ich 2 Stunden dort bin, mein Visum bezahle und wieder abhaue. Gut, dass ich nicht vorher wusste, wie ätzend der Tag endet, sonst wäre ich wahrscheinlich erst gar nicht aufgestanden.
Ich habe also zuerst mal eine Nummer bekommen….Nummer 99. In dem Moment als ich ins Ministerim kam, um mein Visum zu beantragen, war Nummer 24 an der Reihe. Da habe ich mir aber immer noch nichts bei gedacht. In dem Wartesaal saßen hauptsächlich Asiaten…..Kolumbien scheint bei den Asiaten sehr beliebt zu sein. Warum genau, habe ich noch nicht herausgefunden! Nach 2 Stunden im Wartesaal waren wir bei Nummer 28 angekommen. Da wurde mir langsam bewusst, dass das Ganze ein bisschen länger dauern könnte und mit diesem Bewusstsein wurde meine Laune rapide SCHLECHT! Irgendwann bin ich rausgegangen und habe gefrühstückt und beim Spazierengehen einen echt schönen skurrilen Laden gefunden, der uralte französische Zeitschriften und Comicfiguren verkauft. Mein Gott, war das ein langweiliger Tag!! Nach gefühlten 100 Stunden (tatsächlich waren es 6) kam ich dann endlich dran und die dumme Kuh hinterm Schreibtisch erzählte mir, dass meine Dokumente so nicht angenommen werden können, weil sie auf Englisch sind und nicht auf Spanisch. Freude! Ich war sehr unhöflich zu ihr und hoffe, dass ich heute nicht wieder zu ihr komme, wenn ich an der Reihe bin haha. Jedenfalls bin ich extreeeeeeeeeeeeeem sauer aus diesem Scheißladen raus und lief zum Bus und natürlich fing es in Strömen an zu regnen! Ist ja nicht so, als hätte es nicht schon die letzten 3 Monate jeden Tag geregnet!!
Irgendwann stand das Wasser in meinen Schuhen und wenn ich nicht in Bogotá wäre, hätte ich sie ausgezogen, weil es in dem Moment sowieso egal war! Aber hier habe selbst ich Angst, dass ich in irgendetwas Ekliges oder Gefährliches trete ;)
Also kam ich nass bis auf die Haut am Bus an, zur Hauptverkehrszeit! Und das bedeutet hier nicht nur ein bisschen Stau auf den Straßen, sondern, dass alle Menschen einfach mal komplett durchdrehen!
Das Bussystem (Transmilenio) funktioniert so, dass man mit einer Chipkarte durch ein Drehkreuz gehen muss, dann gibt es einen langen Gang mit automatisch öffnenden Schiebetüren zu beiden Seiten, vor denen jeweils die Busse halten, die in verschiedene Richtungen fahren. Vor diesen Türen spielen sich Szenen ab, die ich eigentlich echt mal filmen müsste….besonders zur Hauptverkehrszeit. Wahnsinn! Es geht eigentlich nicht darum als erster im Bus zu sein, um einen Sitzplatz zu bekommen, sondern einfach nur ÜBERHAUPT in den Bus reinzukommen. Die Busse sind zu dieser Uhrzeit so extrem überfüllt, dass man drinnen kaum noch atmen kann. Ich habe Glück, weil ich groß bin und oben gibt es mehr Sauerstoff ;) Und es ist besonders praktisch, weil man sich nicht festhalten muss. Man ist wunderbar sicher eingeklemmt zwischen all den Körpern und kommt sich näher als man es gerne hätte…..ganz zu schweigen von den Gerüchen. Ein Erlebnis. Die Türen schließen manchmal nicht, weil so viele Leute sich in den Bus reinquetschen. Und immer wenn ich beim „Einsteigen“ gerade mal wieder zwei oder drei Ellenbogen im Bauch und Rücken spüre und versuche meine Haare aus dem Rucksack der Person neben mir zu ziehen, lese ich das Schild, das über jeder Tür hängt „Behandle deine Mitmenschen so, wie du auch gerne behandelt werden würdest“. Haha! Lustig!
Ich glaube das war der beschissenste Tag, den ich bisher hier erlebt habe! Naja und heute habe ich dann die Dokumente übersetzen lassen, was mich 60 Euro gekostet hat, meine Nummer habe ich schon gezogen….heute habe ich Nummer 80 woooooooooooooow!!! Die „Bearbeitungsgebühr“ von 12 Euro habe ich heute ein zweites Mal zahlen dürfen und wenn mir heute irgendjemand sagt, dass ich das Visum nicht bekomme dann……………………tja……….dann fange ich wohl wirklich an zu heulen! Und das wird auch niemanden interessieren! Hoffen wir das Beste!
Jetzt aber zu den erfreulichen Dingen des Lebens. Es ist zwar schon wieder Ewigkeiten her, aber ich war auf dem Konzert von „La 33“, eine der bekanntesten Salsabands Kolumbiens. Das war echt richtig gut! Und gratis! Es fand statt am 29. April, dem internationalen Tag des Tanzes, in einer großen offenen Arena im Zentrum und aaaaaaalle Leute im Publikum haben getanzt. Wir standen relativ weit oben und konnten die ganze Arena überblicken und es sah so schön aus, wie alle am Feiern und am Tanzen waren. Auf der Bühne spielte die Band und sie wurde begleitet von den besten Salsatänzern/innen des Landes. Also mir hat Salsa ja schon vorher gefallen, aber nach dem Konzert noch mehr!
Hier ein kleiner Eindruck für die, die es interessiert: La 33 in der Arena Santa Maria am 29. April in Bogotá:
https://www.youtube.com/watch?v=d-W-ZLoCUjA
Am nächsten Abend sind wir in einen Club gegangen, wo ein DJ aufgelegt hat, den ich inzwischen auch schon kennengelernt habe und der wiederum mit dem Pianisten vom Orchestra 33 dort war. Und da der DJ weiß, dass ich gerade Salsa lerne, erzählte er das freundlicherweise dem Pianisten, der mich dann fragte, ob ich mit ihm tanzen möchte. Hahaaa!!! Was ein Spaß! Das war mir echt peinlich, weil ich wirklich die absolute Anfängerin bin und der natürlich der super super super Tänzer! Also wenn er sich zu Tode gelangweilt hat, hat er es sich nicht anmerken lassen. Ist mir auch egal! Ich hab mit ihm getanzt! Hah!
Ich gehe immer noch regelmäßig zur Tanzstunde und gestern hatte ich den besten Tanzpartner seitdem ich dort angefangen habe. Und wo kam er her? Aus Schweden! Da muss erst mal ein Schwede nach Kolumbien kommen, um mich beim Tanzen gut zu führen. Toll!
So, dann war ich außerdem noch auf sehr vielen interessanten Vorträgen, auch von Organisationen der Vereinten Nationen und habe Leuten zugehört, deren Bücher ich gelesen habe! Ich muss sagen, dass mir das fehlen wird! Es gibt hier so viele internationale Vorträge und speziell für mein Studium gibt es immer irgendeine Veranstaltung, die hundertmal interessanter ist, als das, was ich in der Uni lerne! Und alles ist gratis!Außerdem habe ich an einem Poesieworkshop teilgenommen, der von einem der bekanntesten deutschen modernen Poeten geleitet wurde. Für die, die sich ein bisschen auskennen: Bas Böttcher. Ich konnte es ja kaum glauben, aber es stimmte!!!
Ich hatte den damals bei einem der Poetry Slams in Koblenz gesehen (Veranstaltungen, bei denen Poeten ihre Texte vorlesen können und das Publikum entscheidet mit Applaus wer gewinnt!) und hab mir fast alle Texte online angehört. Und als ich von dem Workshop las, der vom Goethe-Institut angeboten wurde, hab ich mich sofort angemeldet. Der Workshop war auch wirklich gut, aber ich musste feststellen, dass in meinen Adern definitiv kein Poetenblut fließt! Dafür habe ich Bas persönlich kennengelernt und weiß jetzt mehr über die Techniken von den Poeten, die bei den Slams auftreten. Außerdem hat er am nächsten Abend ebenfalls gratis seine Texte in einer Bar vorgetragen, wo wir mit ein paar Leuten hingegangen sind, um sie uns anzuhören. Da haben wir noch ein Bier mit ihm getrunken, was in Deutschland wahrscheinlich auch nie möglich gewesen wäre.
Ja und jetzt noch etwas zur Arbeit….deswegen bin ich ja schließlich hier haha. Das Theaterprojekt läuft super und ich habe den Fragebogen zur Befragung des Publikums nach dem Stück fertiggestellt. Die erste Aufführung fand schon statt, allerdings nur vor einem internen Probepublikum, in dem die Mitarbeiter/innen von Plan und des kolumbianischen „Sozialamtes“ saßen. Das Sozialamt heißt hier „ICBF“ und ist die größte staatliche soziale Einrichtung. Die hatten das Projekt ja in Auftrag gegeben und finanzieren den größten Teil. Nach dem Stück wurden die Szenen noch einmal besprochen und über Änderungen diskutiert, die den pädagogischen Inhalt betreffen und so weiter. Außerdem wurde ich offiziell erwähnt und habe einen Applaus für meine Arbeit bekommen, was mich wirklich gefreut hat, weil ich die ganze Zeit nur wenig Rückmeldung bekommen habe. Den Fragebogen wendeten wir dann an 50 – 60 Personen an. Aber er muss noch etwas überarbeitet werden…..das habe ich dann beim Befragen bemerkt. Egal, ich habe mich gefreut, dass meine Arbeit wertgeschätzt wird und tatsächlich von Nutzen ist.
So, jetzt noch ein paar Infos zu typisch kolumbianischem Essen. Vegetarier sollten diesen Teil überlesen. Es gibt hier ein Gericht, dass heißt „Lechona“. Das ist ein ganzes Schwein, das im Ofen (oder überm Feuer?) gegart wird, dann das Fleisch mit Reis vermischt und wieder in das ganze Schwein reingestopft wird. Klingt eklig, sieht auch eklig aus, schmeckt aber echt gut. Und jeden Samstag steht eine kleine Frau mit einem Glaskasten an der Ecke in meinem Viertel und verkauft das Schwein. Hier ein Foto.
Lechona schon halb aufgegessen ;)
So und hier noch etwas für die Vegetarier: Ein Bananenladen!! ;) Viel schöner als in Plastik verpackt im Supermarkt wie ich finde.
Ach und mein Kollege hat mir erzählt, dass es ein Gericht gibt, dessen Name ich vergessen habe, welches aus allen Teilen des Kopfes (von Schwein und Kuh) zubereitet wird. Also auch die Augen und die Schnauze und so weiter. Das schreibe ich nicht, um eklige Geschichten zu erzählen (naja, ein bisschen vielleicht auch), sondern weil ich es eigentlich gut finde, dass man hier alle Teile vom Tier verarbeitet.
Dieses Gericht werde ich allerdings auslassen ;)
Ach UND ich habe meine erste Trommelstunde genommen. Ein Freund von Jorge und Marco (meine Mitbewohner) hat sie mir gegeben. Ist gar nicht mal so einfach! Es gibt verschiedene Techniken, wie man die Trommel schlagen muss, um unterschiedliche Töne herauszubekommen und das ganze muss man dann noch koordinieren. Da wir ja verschiedene Trommeln im Proberaum stehen haben, kann ich zu Hause üben. Macht Spaß!
Ich bin also beschäftigt und lerne viel Neues. Inzwischen kenne ich auch viele Leute, mit denen ich weggehen kann und die wirklich alle super sympathisch sind.
So, ich werde mein Glück im Ministerium noch einmal versuchen……..
…………Ich bin im Wartesaal angekommen. An der Reihe ist Nummer 56. Wunderbar….fehlen ja nur noch 24 Personen. Jede Person braucht ungefähr 20 Minuten……Ich freue mich!
Oh, toll gerade wurde mir vorgeschlagen, mich bei einer Tochterfirma von Coca Cola zu melden, die einen Werbespot für ein Getränk dreht und denen mein Gesicht gefällt hahahaha. 500 Euro. Das klingt zu einfach! Naja, ich werds mir mal anschauen. Kann ja nicht schaden. Ich kenne das Getränk sogar. Irgendwas Kolumbianisches. Aber wenn es wirklich eine Tochterfirma von Coca Cola wäre, finde ich 500 Euro ganz schön wenig. Ich frage mal, ob sie auch mehr zahlen haha.
Na, ich werde mal weiter apathisch auf die Anzeigetafel starren und hoffen, dass durch ein Wunder die Zahl 80 erscheint……und zwar nicht erst in 4 Stunden!....sehr unwahrscheinlich! ;)
Danke übrigens, dass ihr mir schreibt und mich auf dem Laufenden haltet. Ich freue mich immer drüber!
So und am Schluss noch ein paar Fotos, die sich so angesammelt haben.
Bis bald
"Meine" Straße. Vorne rechts an der Ecke wohnen wir.
Hier! Hinter der Garagentür ist der Proberaum. Unsere Zimmer sind oben. Mein Fenster ist Gott sei Dank nach hinten gelegen!
In Bogotá ist jedes zweite Auto ein Taxi.
Darf ich vorstellen: Der kolumbianische Volkswagen "Colwagen" von "COLombia"...für die, die es nicht verstanden haben sollten hehe.
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