Sonntag, 27. September 2009

Es gibt mal wieder etwas zu erzählen.
Ich beginne mit den Rollstühlen. Der elektrische Rollstuhl für Leobardo, ein kleiner Junge, der halbseitengelähmt ist, ist endlich gekommen. Ich habe ihn von einem Amerikaner, der eine Rollstuhlwerkstatt in der Nachbarstadt hat und ab und zu Rollstühle aus den USA erhält.
Leo hat Spass ohne Ende, auch wenn er im Moment noch leichte Schwierigkeiten hat geradeaus zu fahren und alle 3 m gegen Wand, Tisch, Tür oder Schrank knallt. Selbst das macht ihm Spass. Ich muss sagen, dass ich beim Rollstuhltraining extrem viel Geduld aufbringen muss, weil er überall in der Gegend herumschaut, nur nicht wohin er fährt. Und wenn ich mich aufrege ist das Ganze natürlich doppelt so lustig. Naja, aber in den letzten Wochen hat er sich schon extrem gebessert und den Stuhl besser unter Kontrolle.
Außerdem fahre ich jetzt alle 2 Wochen mit einem anderen Kind donnerstags nach Antigua zur Physiotherapie. Wir haben ja im Moment leider keine Voluntärin, die als Physiotherapeutin arbeitet. Er hatte eine Operation und braucht dringend Therapie, die er in dem Krankenhaus erhält, wo er auch operiert wurde. Im Heim hat sonst hat keiner Zeit mit ihm zu fahren und da ich Antigua liebe und froh bin, wenn ich ein bisschen Abwechslung habe, habe ich mich bereiterklärt mit ihm zu fahren. Wenn die Therapeutin dort im Krankenhaus einen guten Tag hat, kann ich mit in den "Therapieraum" und bei der Therapie zuschauen.
Anfangs ist er noch jede Woche gefahren, aber nach den ersten beiden Malen habe ich beschlossen, dass die Übungen, die die da machen ein Witz sind und ich sie genausogut oder besser im Heim machen kann. Also müssen wir jetzt nur noch alle 2 Wochen fahren und können Geld sparen.
So und am 15. September wurde hier in Guatemala der Unabhängigkeitstag gefeiert. Es gibt ein paar Traditionen, die ich persönlich sehr schön finde. Dienstags war also der Unabhängikeitstag, der ein Feiertag ist und somit findet keine Schule statt. Deswegen fuhren wir Montags mit den Schulkindern nach Itzapa, ein Nachbarstädtchen von Parramos. Dort trafen sich fast alle Schüler von den Schulen aus Itzapa, Parramos und ich glaube noch einer anderen Stadt auf einem riiiiiiiiiiesigen Platz. Irgendein wichtiger Mann brüllte eine Rede über die Unabhängigkeit über den ganzen Platz und ein kleines Mädchen hielt eine Rede über Nationalstolz und Freiheit.....da hab sogar ich gestaunt. Die war vielleicht gerade mal 6 oder 7 Jahre alt. Nicht schlecht!
Im Anschluss sangen alle Kinder die Nationalhymne.....manche mit mehr, andere mit weniger Elan, was ich bei der Hitze auch verstehen konnte. Die Hymne hat nämlich was weiß ich wieviele Strophen und dauert ungefähr 5 min. Es war aber ein schöner Moment, weil es doch viele Kinder gibt, die mit so viel Stolz ihre Hymne gesungen haben. Naja, jedenfalls fing danach die "desfile" an. Das ist sowas wie ein Marsch. Jede Schule kam nämlich mit einer Band ( für Oma und Opa, das ist eine Musikgruppe). In der Band von NPH spielen ungefähr 25 Kinder. Die Instrumente sind hauptsächlich Trommeln, eine Art Xylophon, Trompeten und irgendwelche Rappeldosen und Klapperhölzer. Tut mir leid, aber ich weiss wirklich nicht, wie man die Instrumente in der Fachsprache nennt. Auf jeden Fall ist es extrem laute und rhythmische Musik, die eher von den Trommelrhythmen lebt, als von einer Melodie. Das Lied, was unsere Band spielte, haben sie in den letzen Monaten fast jeden Tag geübt und es hing mir ehrlich gesagt schon zum Hals raus. Aber an diesem Tag war ich richtig stolz, weil die Kinder wirklich gut spielten.
Und wenn man sich jetzt vorstellt, dass ungefähr 25 Schulen vertreten waren und jede davon mit ihrer Band und den Schülern und Lehrern antrat, kann man sich auch vorstellen, wieviele Leute sich auf dem Platz befanden.
Jedenfalls sind wir dann von diesem Platz aus losmaschiert. Vorneweg die Band mit einer Fahne der jeweiligen Schule und hinterher die Schüler in ihren Uniformen. Ich bin mit den Mädels aus meiner Sektion mitgelaufen. So waren wir ein riiiiiieeesiger Festzug aus spielenden Musikgruppen und Kindern hintendran. Die Leute von Itzapa standen und saßen alle am Straßenrand, um die Bands zu hören und sich die Kinder anzuschauen. Wir "Weissen" wurden immer ein bisschen genauer begutachtet, was ich eigentlich lustig fand. So maschierten wir fast 2 Stunden durch die Straßen von Itzapa, was ich wirklich schön fand, weil ich nicht nur als Tourist oder Zuschauer dabei war, sondern so wie die Einheimischen an dem Fest teilnehmen konnte.
Das Ganze fand am Morgen statt. Am Nachmittag, als wir alle wieder zurück aus Itzapa waren, nahmen die älteren Kinder an der "Antorcha" teil. Das ist sowas wie ein "Lauf".
Vom Heim aus fuhren wir in 2 Bussen mit ungefähr 50 Kindern nach Antigua. Dort wird dann eine Fackel angezündet und alle Kinder laufen den kompletten Weg zurück nach Parramos, was nicht gerade um die Ecke ist. Das Lustige an der Sache ist, dass überall am Straßenrand Leute stehen und die vorbeilaufenden Gruppen mit Wasserbomben bewerfen, oder sie mit Wasser aus Schläuchen und Eimern nassspritzen. Schon auf dem Weg im Bus wurde der Bus von allen Seiten attackiert und dort, wo die Fenster geöffnet waren, flogen Wassertüten rein und die Kinder hatten Spaß ohne Ende.
Ich jedenfalls hatte beschlossen, nur im Bus mitzufahren, nachdem ich ja morgens schon durch Itzapa maschiert war. Der Bus fährt nämlich hinter der Kinderschar her und wenn jemand nicht mehr laufen kann, kann er in den Bus steigen, eine Pause machen und nach ein paar Minuten wieder mit den anderen mitlaufen.
Es war jedenfalls lustig mitanzusehen, was für einen Spaß die Leute am Straßenrand hatten die Kinder nasszuspritzen. Mir fiel auf, dass es auffallend viele Männer waren, die wie kleine Kinder mit Wasserbomben auf eine Gruppe warteten um mit sie mit viel Eifer, schreiend zu attackiern. Typisch!
Das Ganze errinnerte mich ein bisschen an die olympischen Spiele, weil die Straßen voll waren mit Gruppen, die laufend ihre Fackel vor sich hertrugen.
Ist zwar ein komischer Brauch die Leute nasszuspritzen, aber lustig, solange man nicht mitläuft. Ein paar von den Voluntären sind mitgelaufen und haben es sogar bis nach Parramos geschafft. Klatschnass natürlich, weil es ja besonders lustig ist die "Weissen" abzuwerfen hehe.
Und am Dienstag, dem eigentlichen Feiertag sind Jenny und ich nach Antigua gefahren. Die Stadt war extrem voll und es gab Konzerte und Essen überall im Park. Am Abend versammelten sich dann alle vor der wunderschön beleuchteten Kirche am Park und sangen gemeinsam die Hymne. Ich kann sie leider nicht, aber die Melodie kann ich inzwischen mitsummen und ab und zu auch mal ein Wort einwerfen. Das war auch ein schöner Moment, weil wir inmitten tausender Einheimischer standen, die alle mit Hand am Herz ihre Hymne sangen. Anschließend spielten auch hier die Bands aus den Schulen aus Antigua und es gab ein riesiges Fest in den Straßen. Das war mein Unabhängigkeitstag in Guatemala.
So und letztes Wochenende sind wir dann mit allen Voluntären nach El Salvador ans Meer gefahren. Die zwei Mädels, die es organisiert hatten, meinten ,die Fahrt würde höchstens 4 Stunden dauern. Aus den 4 Stunden wurden dann fast 8, die sich meiner Meinung für nur einen Tag am Meer nicht lohnen.
Hab mich ein bisschen aufgeregt, aber letzten Endes hatten wir ein schönes Wochenende.
Freitags sind wir los und kamen um 10 Uhr abends an. Die Leute vom Hostal hatten natürlich noch kein Essen zubereitet und fingen an zu kochen als wir ankamen. Alle voll ausgehungert und müde durften wir dann noch 2 Stunden auf unsere Paella warten, die letzten Endes nicht gar war, als sie uns vor die Nase gestellt wurde. Also sammelten wir Fleisch und Fischstückchen aus dem halbgaren Reis, um sie nochmal durchbraten zu lassen. Nach diesem köstlichen Essen gingen wir alle angenervt schlafen. Jenny und ich hatten mal wieder Glück. Da wir immer die Letzten sind, waren wir auch dieses Mal wieder zu spät, als die Zimmer im Hostal verteilt wurden. Die anderen hatten also alle schon ihr Bett in einem 8-Bett Zimmer und als wir kamen gab es nur noch ein Doppelzimmer. Ups! Tja, da haben wir doch glatt "danke" gesagt und es schnell besetzt! Wenigstens das!
Am nächsten Tag konnten wir dann im Hellen das wunderschöne Hostal bewundern. Die Wände waren mit ganz viel Liebe angemalt und überall und in jeder Ecke gab es irgendetwas zu entdecken. Kleine Bilder, etwas Gemaltes, etwas Getöpfertes, Kerzen, überall Pflanzen......ganz schön. Ausserdem gab es einen Pool, in dem ich persönlich nicht Schwimmen war, weil er extrem grün war. Wir sind am Samstag aber ohnehin an den Strand gegangen, der nur 10 min entfernt war. Wieder mal bei unglaublicher Hitze! Der Strand war super schön. Zwar ganz hohe Wellen, aber nicht lebensgefährlich. Eher lustig. wir hatten am Abend alle eine Tonne Sand in der Bikinihose. Jedenfalls habe ich dieses Mal vorgesorgt und mich jede Stunde eingecremt. Somit war ich die Einzige, die an dem Abend nicht rot wie ein Krebs war. Gott, ein paar von den Mädels sahen wirklich schlimm aus. Die Einheimischen haben sie sogar ausgelacht, als wir zurück zum Hostal gelaufen sind hehe. Die doofen Weissen!
Und am nächsten Tag gings dann auch schon wieder zurück. Morgens sind wir nochmal schnell zum Strand....nur die, die sich nicht verbrannt hatten natürlich. Die anderen konnten sich kaum bewegen und blieben im Schatten.
Die Rückfahrt war ganz entspannt. Wir waren mit 2 Kleinbussen unterwegs, weil wir ja über 20 Mann sind. 2 Stunden vorm Ziel hatte der zweite Bus dann plötzlich einen Platten. Also musste eine Gruppe auf einen Ersatzwagen aus der Hauptstadt warten und die anderen konnten fahren. Als Freiwillige gesucht wurden, die warten wollen, habe ich mich diskret im Hintergrund gehalten, weil ich keine Lust hatte abends um 9 irgendwo in Guatemala im Dunkeln an der Straße zu stehen. Es fand sich dann eine Gruppe, die sich opferte und wir anderen fuhren nach Hause.
Den anderen ist natürlich auch nichts passiert, sie kamen eben nur später nach Hause.
Diese Woche verging wie im Flug, weil es jeden Tag irgendeine Aktivität gab.
Am Montag kamen ganz viele wichtige Leute aus allen Heimen von NPH in Zentral und Südamerika. Es finden jeden Tag Versammlungen statt und es ist schön ein paar neue Gesichter in NPH zu sehen. Nächste Woche werden alle wieder abreisen.
Gestern Abend gab es eine "noche cultural". Sowas wie eine Kulturnacht, in der alle Besucher aus den verschiedenen Ländern traditionelle Tänze aufführten und ihre Kleidung präsentierten. Die Kinder hatten Spaß und ich fand es auch interessant. Besonders die Frauen aus Haiti konnten super gut tanzen.
Die nächste Woche wird auch schnell vergehen, weil ich einen Tag mit 2 Kindern in die Hauptstadt fahren muss und den Rest der Woche gibt es wieder verschiedene Aktivitäten. Am Freitag ist der Tag des Kindes und wir fahren miit allen Voluntären irgendwohin, wo wir uns für die Kinder zum Affen machen müssen. Wir Voluntäre werden Playback ein Lied von "Highschool musical" aufführen. Die Kinder stehen total drauf! Mal sehen welche Rolle mir zugeteilt wird. Und im November wird der Geburtstag des Heims gefeiert. Dafür treffen wir uns jetzt auch jede Woche in Gruppen, um Tänze, Fahnen und was weiß ich was vorzubereiten. Das Thema wird sein "Mythen und Legenden". Unsere Gruppe heisst "Die Drachen". Mal schauen was wir draus machen.
Leider habe ich mein Kabel zum Übertragen der Bilder vergessen. Werde ich nächstes Wochenende nachholen, damit ihr eine Vorstellung von dem habt, was ich hier so von mir gebe.
The end!

Samstag, 5. September 2009



Eins der hübschesten Mädels aus meiner Sektion...Deborah





Ein Kolibri in San Pedro, der auftauchte, während ich meine Limo schlürfte





Harry Jenny und ich in San Pedro......Selbstauslöser






Die Bärchen mit roter und grüner Salsa gibt es in jedem Restaurant....
hier am See in San Pedro

Sonntag, 16. August 2009


Kaffeeanbau in den Bergen von El Salvador



Angemalte Häuser



Angemalte Laternenpfosten

Mittwoch, 12. August 2009

Wochenlang nichts von mir hören lassen. Das ist nicht nett, ging aber nicht anders! Dafür gibts jetzt einen ausführlichen Bericht über die letzen Wochen.
Mein Urlaub mit Ute und Erwin war superschön. Nachdem ich etwas verspätet aus Honduras zurückgekommen war und die Erholung nach den 2 Nächten im Busterminal sowieso schon wieder verflogen war, hatte ich zumindest das Gefühl mal wieder Urlaub nötig zu haben.
Nach einer Woche Arbeit ging es also wieder nach El Salvador. Das hatte ich mir bei Weiterm nicht so schön vorgestellt, wie es tatsächlich ist. Es ist ein sehr grünes, blühendes, buntes Land.
In einigen kleinen Städten sind alle Laternenpfosten und sogar Palmenstämme mit bunten Bildern bemalt und das lässt alles sehr bunt und fröhlich erscheinen. Einige Bilder sind wirklich kunstvoll, andere eher einfach, aber trotzdem immer sehr schön! Das ist eine meiner schönsten Erinnerungen aus El Salvador. Da wir ja mit dem Auto unterwegs waren, haben wir in kürzester Zeít viele Ecken entdecken können, die mit dem Bus nur sehr umständlich erreichbar gewesen wären. Man könnte schon fast sagen, dass wir Städtehopping gemacht haben. An einem Tag 3 kleine Städte angesehen...zumindest den Stadtkern und am Abend ein schönes Hotel gesucht.
Die Hotels waren auch wirklich immer schön...die erste Nacht in einem Autohotel war zwar etwas gruselig, aber mal etwas anderes! Das Hotel war rosa ( ja Mutter...rosa ) und mit dem Auto fuhr man in eine Garage, aus der man dann über eine verdächtig wankende Metalltreppe in sein Zimmer krabbeln konnte. Ich habe mir dann erklären lassen, wozu diese Art von verstecktem Parken und schnellem Verschwinden im Hotel dient und weiss jetzt, wozu Autohotels hauptsächlich dienen.
Der Hotelbesitzer...natürlich ohne Hemd und großem Hund sah auch nicht besonders vertrauenserweckend aus, aber da wir schon weit gefahren waren und es dunkel wurde, beschlossen wir in dem Hotel zu bleiben. Abends wurden dann wie im Gefängnis die Türen abgeschlossen und ich konnte mein Zimmer nicht mehr verlassen. Das Telefon funktionierte auch nicht, aber vorm Schlafengehen testeten Ute, Erwin und ich, ob wir uns gegenseitig hören können, wenn wir aus dem Fenster schreien...funktionierte...man weiss ja nie! Die Devise des Hotelbesitzers lautete:" Absolut sicher!" Auf jeden Fall. So sicher, dass keiner rein kann und die Gäste ihr Zimmer nicht verlassen können. Hab ich auch noch nicht erlebt. Naja, in den nächsten Nächten fanden wir immer wunderschöne Hotels mit "Buena vista" und "Balkon"....worauf Ute besonderen Wert legte (gell Ute ;))
Die Landschaften in El Salvador sind abwechslungsreich und wie ich schon sagte sehr grün! Und da El Salvador nicht besonders groß ist, kommt man relativ schnell von einem Fleck zum nächsten....es sei denn man verfährt sich 2 Stunden in einer der Städte, die man besuchen möchte, was dann zwar ein bisschen Zeit kostet, aber wenigstens kennt man danach die Stadt gut ;)
Wir kamen dann relativ schnell unten an der Pazifikküste an, die meiner Meinung nach schöner ist, als die Pazifkküste in Guatemala. Hier fanden wir auch wirklich die schönsten Hotels, mit toller Aussicht aufs Meer, Stränden, an denen man stundenlang in der Sonne liegen und sich Sonnenbrand holen kann, ganz leckerem Fisch und sehr netten Leuten. Ich lag fast jeden Tag am Strand oder ging mit Erwin schwimmen. Ich glaube ich hatte seit ich hier bin noch keinen erholsameren Urlaub, zumal es dieses Mal auch wirklich mal Urlaub war und ich in sauberen Betten mit weissen!!!! sauberen!!! Bettlaken schlafen konnte ;)
Die letzten 2 Nächte verbrachten wir dann in Monterrico an der Pazifikküste in Guatemala, wo es mal wieder so unglaublich heiss war!!! Aber wir hatten ein tolles Hotel mit Pool. Hier ist das Wasser so billig, dass jede Woche das Poolwasser ausgetauscht wird und ich eigentlich nur im Pool hing, weil es außerhalb des Wassers kaum auszuhalten war. Ins Meer habe ich mich hier nicht getraut, weil die Wellen so unglaublich hoch sind, dass ich schon beim Zusehen Schiss bekommen habe. Nachdem Erwin sich einmal reingetraut hatte und ich ihm dabei zusah, wie er versuchte nicht zu ertrinken, dachte ich, dass ich mir und meinem wenig konditionierten Body diese Tortur besser erspare...zumal ich eigentlich vorhatte das halbe Jahr unbeschadet durchzustehen. Der sauberePool kam mir da sehr gelegen!
Tja und nach einer Woche war der Spass auch schon wieder vorbei und das Leben geht weiter wie bisher!! Der Juli verflog also wie nix, weil ich ja eigentlich nur im Urlaub war und bekanntlich gehen die guten Zeiten ja immer schneller vorbei!!
Jetzt haben wir schon August! Bis jetzt läuft die Arbeit weiter wie immer. Ich habe ein paar neue"Kontakte" knüpfen können, über die ich letztendlich doch noch Rollstühle umsonst bekommen kann. Wenn die endlich mal da sind, habe ich die Sache aus dem Kopf!!
Die neuen Voluntäre sind alle sehr nett und mit einer verstehe ich mich wirklich super gut. Sie ist aus der Schweiz und eine der Wenigen, die am Wochenende mit Jenny und mir weggeht.
Im Heim warten wir noch immer auf einen neuen Direktor. Seit Monaten schlagen wir uns mit einem stellvertretenden Direktor herum, der eigentlich aus Mexiko kommt und Entscheidungen trifft, die hier kein Mensch verstehen kann und die absolut nicht zum Wohl der Kinder sind. Er wird also hoffentlich bald von einem Neuen Direktor ersetzt. Die Situation hatte sich soweit verschärft, dass wir als Voluntäre einen Brief an die stellvertretenden Direktoren geschrieben haben, in dem wir unsere Sorge über die Situation in den Sektionen und über fehlende Betreuer der Kinder mitteilten, nachdem uns vorher in mehreren Versammlungen keiner wirklich eine ernstgemeinte Antwort bzw Lösung anbieten konnte.
Jetzt hoffen wir alle, dass es mit dem Brief und dem neuen Direktor besser laufen wird. Mal schauen! Es gibt einfach viel zu viele Kinder und viel zu wenig Betreuer, um eine gute Betreuung leisten zu können.
Wir werden sehen!
Sobald ich kann, werde ich Bilder hochladen. Bis zum nächsten Bericht!

Dienstag, 7. Juli 2009

Gut, ich fange mal vor meinem Urlaub an.
Dank der großartigen Komunikation in NPH wusste ich nicht, dass ein Therapeutenteam aus den Staaten ins Heim kommen wird, um mit einigen Kindern zu arbeiten. Allerdings hatte auch keiner der Verantwortlichen die Kinder zusammengesucht, so dass mir am selben Morgen das ganze Team vorgestellt wurde und ich alleine die Verantwortung für sie übernehmen durfte. Also hatte ich keine Zeit irgendetwas vorzubereiten und wir sind spontan in die Klinik und haben meinen Raum und den Physiotherapieraum besetzt.
Das Team bestand aus 4 Therapeutinnen und ungefähr 8 Physiotherapie und Ergotherapieschülern. Die Idee ist eigentlich total gut. Die Therapeuten unterrichten an Schulen in den Staaten und um den Schülern praktisches Wissen zu vermitteln fliegen sie in Entwicklungsländer, kommen in Heime, behandeln Kinder und gleichzeitig können die Schüler verschiedene Behandlungsmaßnahmen lernen. Und die Therapeutinnen waren der Hammer! Es war so super interessant, was sie alles gemacht haben, auch für mich. Vor allem waren sie mit allem ausgestattet und haben mir Therapiematerialien geschenkt, die ich vorher noch nie gesehen habe. Ich hätte ihnen am liebsten alle Kinder gezeigt, die ich in der Therapie habe, aber dafür hatten wir leider keine Zeit. Also haben sie die "wichtigsten" Fälle behandelt, Fotos von der Behandlung gemacht und am letzten Tag zu jedem Kind eine Seite mit Bildern und Behandlungsplan mitgebracht. Was will man denn bitte mehr. Ich muss zwar alles ins Spanische übersetzen, aber das macht nix. Vor allem waren 2 Spezialisten für Rollstühle dabei, die die Rollstühle von einigen Kindern umgebaut haben, so dass sie jetzt besser passen, zumindest, bis wir die Neuen haben.
Ich bin dann gleich nachdem sie weg waren mit Jenny los in den Urlaub. Den hatte ich dann aber auch nötig. In den 2 Tagen bin ich nämlich echt nur hin und her gerannt um alles zu organisieren, die Kinder und ihre Betreuer zusammenzusuchen, für alle zu übersetzen und alle Werkzeuge und Materialen zu besorgen, die sie für die Rollstühl brauchten.
Aber eine halbe Stunde nachdem sie weg waren sind Jenny und ich auch los. Eigentlich wollten wir ja noch am Freitag los in Richtung Honduras, aber es war nicht wirklich einfach einen Bus oder Transport von Antigua aus zu finden, der dazu auch noch günstig ist. Wir haben dann einen um 4 Uhr morgens gefunden und Jenny hatte die großartige Idee bis 4 Uhr feiern zu gehen und dann im Bus zu schlafen. Das haben wir dann auch gemacht, nur leider war der kleine Bus so unbequem, dass man nicht wirklich schlafen konnte und die 5 Stunden Fahrt bis zur Grenze waren somit nicht unbedingt sehr erholsam. Das hat man uns auch angesehen!
Gut, in Copán in Honduras, was direkt hinter der Grenze liegt haben wir dann einen "Chickenbus" genommen. Für Oma und Opa...."Chicken" heisst übersetzt "Huhn", also Hühnerbus. Die heissen so, weil es die Busse sind, mit denen alle Leute fahren und oft fahren neben 80 Leuten noch 20 Hühner mit, die sie auf dem Markt gekauft haben oder verkaufen wollen. So auch an diesem Tag und dazu muss man sagen, dass es in Honduras um Einiges heisser ist als in Guatemala. Aber das hatte ich ja schon von meinem letzten Urlaub berichtet. Aber wenn man Geld sparen will muss man diese Busse nehmen, weil sie die billigsten sind. Allerdings nach einer Stunde Fahrt bei ungefähr 40 Grad, eingequetscht zwischen Hühnern und einem stinkenden zahnlosen Mann, mit meinem Rucksack auf dem Schoß, kam ich zu dem Schluss, dass ich mein Geld lieber an anderen Ecken spare. Zumal wir in der Stunde vielleicht 10 km gefahren sind, weil wir alle 2 min anhielten, um den überfüllten Bus noch ein bisschen voller zu bekommen. Und als wir nach 2 Stunden aus dem Buss fielen hatten wir den Geruch von allen anderen angenommen. Gott sei Dank haben wir direkt einen Anschlussbus in die nächste Stadt gefunden. Wir kamen dann im Busterminal in San Pedro an, was ich schon von meiner letzten Tour mit Sabrina kannte und das Jenny und ich noch besser kennenlernen sollten. Das wussten wir zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht. Von da aus gings dann nach Tela, was an der Karibikküste liegt.
Nachdem wir die Haltestelle fast verpasst hatten, sind wir dann schließlich doch angekommen. Fahrtzeit: 14 Stunden....schlaflos für 35 Stunden....aber billig! Nie wieder!
Haben dann auch ein Hostal gefunden mit einem unheimlichen Besitzer und dreckigen Bettlagen...aber billig! ;)
Am nächsten Tag sind wir in ein kleines Garifunadorf außerhalb von Tela gefahren, wo wir ein kleines dreckiges Zimmer direkt am Strand in dem einzigen "Hotel" gefunden haben. Direkt vor unserer Tür war der Strand und 20 m bis zum schönen klaren Wasser. Das Beste war, dass außer uns kein Mensch...oder zumindest Tourist in diesem Kaff wohnte und wir den ganzen Strand für uns hatten. Leider wurden wir bald von ein paar einheimischen Männern entdeckt, die sich dann um uns scharrten und uns mit den paar Sätzen englisch die sie konnten zu beeindrucken versuchten " Ey baby, I love you!"
Natürlich war das Ziel des Urlaubs, erholt und braun zurückzukommen. Nach dem Tag waren wir ROT! Abends haben wir dann direkt am Wasser unter einem kleinen Palmendach gaaaaanz leckeren Fisch gegessen.
Da es in dem Dorf NICHTS gab, was man machen könnte, sind wir am nächsten Tag wieder zurück nach Tela. Es ist nicht besonders groß, hat aber mehrere Läden und Restaurantes und auch einen schönen Strand.
Nach dem ganzen Stress haben wir uns ein nettes Hotel augesucht, was in der Nähe vom Strand lag und ...das Wichtigste..... Klimaanlage hatte. Hitze ohne Ende!
Am Strand gabs 2 Schmuckverkäufter, ein kleiner 12 jähriger Junge, der mit seinem 28 jährigen Hippiefreund rumreist und die in ihren Zelten am Strand "wohnten". Mit denen haben wir uns dann angefreundet und José, der Kleine ist immer mit uns schwimmen gegangen und ich hab mir Muscheln von ihm ins Haar flechten lassen. Der war für seine 12 Jahre schon so erwachsen und kaum wie ein Kind. Jenny und ich haben uns viel über ihn unterhalten, weil es so komisch war einen kleinen Jungen zu sehen, der mit nem Hippie durchs Land reist und Schmuck verkauft, um Geld für seine Familie nach Hause zu bringen. Aber es war interessant und lustig mit ihnen am Strand rumzugammeln und Geschichten zu erzählen. Nach ein paar Tagen waren sie dann weg.
Das Einzige, was wir wirklich gemacht haben war eine Tour zu einem Naturschutzgebiet. Mit dem Boot sind wir übers Meer hingefahren. Das Boot am Strand geparkt und mit einem Führer eine kurze Dschungeltour gemacht. Ich habe Affen gesehen! Und Bäume, deren Stämme hohl sind, in denen die Piraten früher angeblich ihre Schätze versteckt haben.
Der Strand war ein Traum! Ganz typischer Karibikstrand mit ganz weissem Sand und kristallklarem Wasser und Palmen. Wunderschön. Wir waren so 2 Stunden da, haben Mangos im Wasser gegessen und ein bisschen rumgeplanscht. Jenny hat eine Fischphobie und ist bei jedem kleinen Fisch ausgerastet, was sehr unterhaltsam war.
Und dann kam das Beste an der Tour. Auf dem Rückweg haben wir nämlich Delphine gesehen. Ich hab noch nie einen Delphin freilebend gesehen und es waren sogar 3 oder 4. Sie sind zwar immer nur ganz kurz aufgetaucht, aber ich hab mich so gefreut...ich glaub der Typ, der das Boot gefahren hat, dachte ich hab sie nicht mehr alle!
Ja und den Rest vom Urlaub haben wir dann am Strand von Tela verbracht. Wir haben noch einen Franzosen kennengelernt, der einen Strassenjungen aufgelesen hatte und jetzt einen Platz für ihn sucht. Jedenfalls haben wir den Jungen am Tag von unserer Abreise nochmal getroffen und er hat uns bis zur Bushaltestelle begleitet und uns hinterhergewunken, bis der Bus weg war. Wir mussten zurück zum Busterminal in San Pedro, von wo aus alle Busse nach Guatemala abfahren. An diesem Sonntag jedenfalls wurde der Präsident von Honduras vom Militär "entführt" und nach Costa Rica ausgeflogen. Ein Putsch! Gut, wir hatten es also gehört, wussten aber noch nicht, was das für uns bedeuten würde.
Im Busterminal kamen wir dann so um 4 Uhr nachmittags an und es gab nur einen Bus um 2 Uhr nachts nach Guatemala. Also beschlossen wir im Terminal zu schlafen, weil es sich nicht gelohnt hätte ein Hotel zu suchen, zumal das Terminal außerhalb von San Pedro liegt. Also haben wir es uns auf dem Boden bequem gemacht und mit Jennys iPot-Radio Musik gehört. Gott sei Dank haben wir noch jemanden aus Mexiko kennengelernt, der bei uns geschlafen hat, so dass wir zu dritt waren und einen Mann bei uns hatten. So gegen 11 kam dann der Busfahrer, um uns mitzuteilen, dass wir aufgrund von Strassenblockaden erst um 6 Uhr morgens statt um 2 fahren können. Gut, also haben wir bis 6 in der Halle geschlafen. Gott sei Dank gab es einen Stromausfall und es war dunkel. So konnte ich wenigstens 2 oder 3 Stunden schlafen. Um 6 sind wir dann mit dem Bus los. Nach ungefähr 2 Stunden hielt der Bus an und es hieß, dass die Strassen gesperrt sind, weil der Präsident verschleppt wurde. Was das eine mit dem anderen zu tun hat, hab ich bis heute nicht verstanden. Jedenfalls hieß es dann, wir warten, bis sie wieder frei sind. Also sind wir alle ausgestiegen. Die ersten 2 Stunden konnte man sich die Zeit mit essen vertreiben weil es Gott sei dank ein paar Läden am Strassenrand gab. Nach 3 Stunden und 38 Grad fing ich an mich zu langweilen, nach 4 Stunden war ich angenervt und als nach 5 Stunden alle anderen Busse umdrehten, um zum Terminal zurückzufahren und wir immernoch warteten war meine persönliche Grenze erreicht und ich bat Jenny mich nicht mehr anzusprechen. Wenn wir noch 5 min länger gewartet hätten, wäre ich explodiert. Gott sei dank kam der Busfahrer dann auch auf die Idee umzudrehen und wir fuhren zurück. Alle angenervt und müde und verschwitzt und dreckig!
So, im Terminal konnte uns dann auch keiner sagen, wann der nächste Bus fährt und wir sind in die Stadt um uns ein Hotel zu suchen. Inzwischen war also Montag. Am Dienstag fuhren wir wieder ins Terminal, um zu fragen, ob es Busse gibt, was immernoch keiner wusste. Also verbrachten wir den Tag im Hotel und sahen die Nachrichten. In allen Städten im Land gab es Demonstrationen. Anstelle des alten Präsidenten kam jetzt nämlich einfach ein Neuer, der aber nicht vom Volk gewählt wurde. Also gibt es die Anhänger von dem alten und die von dem neuen Präsidenten. Der alte will aber wieder zurückkommen und seine Amtszeit beenden. Der neue sagt nein und alles ist kompliziert. Ich kann das jetzt nicht alles erklären. Wen es interessiert kann es ja googlen. Jedenfalls war es interessant, weil es ein historischer Moment für Honduras ist und wir waren mittendrin. Im Hotel hat man von den Ausschreitungen nichts mitbekommen. Das Einzige war die Ausgangssperre von 9 Uhr abends bis 6 Uhr morgens.
Am Mittwoch morgen sind wir dann wieder ins Terminal, mit der Idee zurück nach Tela ans Meer zu fahren, wenn die Strassen noch länger gesperrt sein sollten. Dann hieß es aber, dass es einen Bus nach Guatemala am Donnerstag morgen um 6 Uhr gibt. Da wir keine Lust hatten wieder zurück ins Hotel zu fahren und vor allem noch eine Nacht zu zahlen, beschlossen wir noch eine Nacht im Terminal zu schlafen, nachdem die letzte Nacht auf dem Fußboden so unheimlich bequem war. Also war alles geplant und wir auf der einen Seite erleichtert, auf der anderen extrem angenervt von dem ganzen hin und her. Inzwischen waren alle super besorgt. Jennnys Handy hatte keinen Saft mehr und wir konnten nur Mails schreiben. Unsere Zuständige vom Heim in Guatemala hatte schon die Botschaften benachrichtigt und Jennys Eltern waren am ausrasten. Dabei ging es uns ja nicht schlecht und gefährlich war es im Terminal auch nicht. Aber das, was man im Ausland in den Nachrichten zeigte, sah wohl doch etwas gefährlicher aus. Die Leute in Honduras waren jedenfalls alle recht entspannt.
So, als dann endlich alles geregelt war und wir wussten, dass wir den Mittwoch im Terminal verbringen würden, um Donnerstag morgen um 6 den Bus zu nehmen, ging es uns besser.
Und dann wurde Jennys Tasche geklaut. Mit Kamera, Kreditkarte, Handy, Geld und dem Wichtigsten...ihrem Pass. Was ein Spaß! Wir saßen auf Stühlen und sie hatte die Tasche direkt neben ihren Füßen stehen. Wir haben es beide nicht mitbekommen. So, kein Pass, keine Möglichkeit das Land zu verlassen. Also war der Plan in die Hauptstadt zu fahren und einen vorläufigen Pass zu beantragen. Natürlich war der letzte Bus schon weg und am nächsten Tag wäre es zu gefährlich in die Hauptstadt zu fahren, weil der alte Präsident zurückkommen wollte. Also meinten Jennys Eltern, wir sollten hinfahren und mit dem Flugzeug nach Guatemala fliegen. Dann hieß es aber, dass es wahrscheinlich keine Busse in die Hauptstadt geben werde, weil es zu gefährlich wäre. Ich glaube, das war das zweite Mal in diesem Urlaub, dass ich kurz vorm Explodieren war. Wir konnten es dann so regeln, dass Jenny sich eine Kopie von ihrem Passport mailen ließ und wir einen Report von der Polizei holten, um an der Grenze bestätigen zu können, dass ihr Pass geklaut wurde. So haben wir es dann auch gemacht. Dafür mussten wir zwar nochmal nach San Pedro auf die Polizeistation fahren, aber so ging die Zeit wenigstens rum.
Nach einer weiteren Nacht auf dem Fussboden konnten wir dann ENDLICH los und haben es tatsächlich bis Guatemala geschafft. Fast hätten sie uns an der Grenze nicht durchgelassen und Jenny war kurz vorm Zusammenbruch, aber dann gab es doch einen netten Mann und wir konnten durch.
Ute und Erwin waren inzwischen schon angekommen und ich habe sie dann abends im Heim getroffen.
Sie sind heute morgen an den Atitlansee und ich treffe sie in einer Woche. Wir wollen dann zusammen eine Woche nach El Salvador fahren. Eigentlich war ja Honduras geplant, aber ich habe spontan beschlossen, dass ich keine Lust mehr auf dieses Land habe.

Sonntag, 5. Juli 2009


Unser Schlafplatz im Busterminal.


Im Naturschutzreservat



Das Foto ist fuer Papa. Rate mal was das ist....richtig! Bambus!




Jenny und ich warten aufs Abendessen am ersten Abend am Strand.



Der Strand im Garifunadorf "Triunfo de la cruz"

Freitag, 12. Juni 2009

Ich habe mich lange nicht gemeldet, aber in den letzten Wochen ist nicht wirklich viel passiert. Die Tage gehen schnell vorbei und die Therapien laufen gut. Das ein oder andere Kind macht ab und zu Probleme, aber deswegen kommen sie ja in die Therapie. Was in letzter Zeit total angesagt ist bei den Kindern, ist klauen.
Letzte Woche wurde einer von den Voluntären eine Jeans geklaut, die sie zum Trocknen rausgehängt hatte. Sie hat sie dann auch gleich an einem von den Jungs wiedererkannt, der natürlich behauptet hat, es wäre seine.
Einer von den Lehrerinnen haben sie den Geldbeutel geklaut und aus meinem Therapieraum einen Handkrafttrainer. Aber ich wusste, wer es war und er hat ihn mir zurückgegeben müssen.
Letzte Woche hatte ich ein "Proyecto amistad". Das heisst, es ist ein Freundschaftsprojekt, bei dem 2 oder 3 Kinder zusammen mit einem von den Voluntären 2 Stunden zusammen verbringen. Wir gehen dann z.B. nach Parramos oder kochen etwas oder schauen einen Film an. Ich hatte jedenfalls 3 Kinder, von denen 2 zu den verhaltensauffälligsten im ganzen Dorf zählen. Das heisst, bevor wir losgingen, habe ich erstmal erklärt, dass ich genau weiss, wieviel Geld ich in der Tasche habe und somit mit absoluter Sicherheit weiss, dass es von einem von ihnen geklaut wurde, wenn es nach dem Projekt nicht mehr da sein sollte. Und am Ende war tatsächlich noch alles da. Geld spielt bei den Kindern hier immer eine riesengroße Rolle.
Etwas anderes, was hier im Moment eine große Rolle spielt ist die Schweinegrippe. In den 2 nächstgrößten Städten Chimaltenango und Antigua gibt es einige Fälle und gerade eben hat mir die Krankenschwester erzählt, dass es im Nachbarort von Parramos, also 5 min entfernt den ersten Fall gibt.
Jetzt werden alle Ausflüge gestrichen und die Kinder dürfen noch nichtmal nach Parramos gehen. Ab Montag wird die Schule für 3 Wochen geschlossen, damit keine Kinder und Lehrer von draußen reinkommen. Die Voluntäre, die als Lehrer in der Schule arbeiten, werden dann als Betreuer in den Sektionen eingesetzt. Dass die Schulen geschlossen werden, ist allerdings Auftrag von der Regierung. Ein paar Schulen haben schon geschlossen. Insgesamt gibt es wohl 53 Fälle in ganz Guatemala. Und jetzt kommt das Beste. 2 von den Voluntären sind vor einer Woche aus Mexiko wiedergekommen, weil sie ihr Visum verlängern mussten. Eine von ihnen ist jetzt krank und die Ärztin von NPH hatte Angst, dass sie die Schweingrippe haben könnte. Also hat sie das Gesundheitsministerium benachrichtigt, die dann in Astronautenanzügen und Plastikköfferchen ankamen, um Vero, die Voluntärin zu untersuchen. Bis wir die Ergebnisse bekommen, dürfen jetzt alle, die mit ihr in einem Haus wohnen, das Haus nicht verlassen und keiner darf rein. Mein Haus wurde dann auch unter Quarantäne gestellt, nachdem eine aus meinem Haus in der Klinik nach Medizin gegen Husten gefragt hat. Ich habe mich dann verabschiedet und bin nach Antigua gefahren. Heute am Freitag muss ich nicht arbeiten und wenn ich am Sonntag wiederkomme und die Ergebnisse immernoch nicht da sind, muss ich in irgendein anderes Haus ziehen. Kann man ja von halten, was man will. Ich glaube jedenfalls nciht, dass es die Grippe ist und fand das Ganze etwas übertrieben. Aber ich kann auch verstehen, dass alle Angst, dass sich eins von den Kindern anstecken könnte, was hier auf dem Gelände mit 330 Kindern ganz klar der Horror wäre. Zumal wir hier keine Medikamente haben. Naja, wir wollen mal hoffen, dass uns das erspart bleibt.
Was noch hinzukommt, ist die politisch angespannte Lage. Vor ein paar Wochen wurde ein Jurist ermordet und angeblich ist der Präsident in diesen Mord verwickelt. Das ganze ist abgelaufen, wie in einem Film. Nachdem der Jurist ermordet wurde, wurde ein Video im Fernsehen veröffentlicht, in dem er sich selbst filmt mit dem Kommentar " Wenn dieses Video veröffentlicht wird, wurde ich im Auftrag des Präsidenten ermordet". Jetzt gibt es eben die, die auf der Seite des Präsidenten stehen und die anderen, die fordern, dass er zurücktreten soll, bis der Fall geklärt wurde. Er will aber nicht zurücktreten und das macht das Ganze so brisant. Das Interessante ist, dass die Leute hier kaum darüber sprechen. Ich habe nur ein einziges Mal eine "Demo" in Antigua mitbekommen, von einer Gruppe Studenten, die aber nicht mehr als 10 waren. Es gab wohl auch die ein oder andere Demo in der Hauptstadt aber im Großen und Ganzen halten sich alle zurück, weil sie Angst vor den Konsequenzen haben. Tja, da merkt man dann doch, dass man in Guatemala ist.
Achja und dann hat da ja auch noch die Regenzeit begonnen. Ich dachte eigentlich, ich wüsste wie es abläuft. Morgens und mittags schön sonnig, nachmittags bisschen Regen und das wars. Aber JETZT weiss ich erst wirklich was Regenzeit bedeutet. Letzte Woche hat es so stark geregnet und gehagelt, dass wir uns im Haus anschreien mussten, um etwas zu verstehen. Die Dächer von den Häusern sind aus so komischem Plastik und es ist unglaublich laut, wenn der Regen drauffällt.
Die Treppen zu unseren Häusern runter waren nicht mehr zu sehen, statt dessen konnten wir einen gigangtischen Wasserfall direkt vor unserer Haustür bewundern. Da unser Dach nicht dicht ist, regnete es auch herein und überall waren Pfützen, in denen wir ausgerutscht sind. Mein Bett war voller Hagelkörner und ich habe immernoch das Gefühl, dass es nicht ganz trocken ist. Was ein Spaß!
So und nächste Woche Freitag fahre ich mit Jenny in den Urlaub. Sie hat frei und wir sind am überlegen wo es hingehen soll. Eigentlich wollten wir nach Mexiko aber mit dem ganzen Schweinegrippenkram fahren wir dann doch lieber in die andere Richtung. Entweder El Salvador oder nochmal Honduras.
Ich melde mich dann wieder, wenn wir zurück sind. Dann auch wieder mit Bildern.