Freitag, 12. Juni 2009

Ich habe mich lange nicht gemeldet, aber in den letzten Wochen ist nicht wirklich viel passiert. Die Tage gehen schnell vorbei und die Therapien laufen gut. Das ein oder andere Kind macht ab und zu Probleme, aber deswegen kommen sie ja in die Therapie. Was in letzter Zeit total angesagt ist bei den Kindern, ist klauen.
Letzte Woche wurde einer von den Voluntären eine Jeans geklaut, die sie zum Trocknen rausgehängt hatte. Sie hat sie dann auch gleich an einem von den Jungs wiedererkannt, der natürlich behauptet hat, es wäre seine.
Einer von den Lehrerinnen haben sie den Geldbeutel geklaut und aus meinem Therapieraum einen Handkrafttrainer. Aber ich wusste, wer es war und er hat ihn mir zurückgegeben müssen.
Letzte Woche hatte ich ein "Proyecto amistad". Das heisst, es ist ein Freundschaftsprojekt, bei dem 2 oder 3 Kinder zusammen mit einem von den Voluntären 2 Stunden zusammen verbringen. Wir gehen dann z.B. nach Parramos oder kochen etwas oder schauen einen Film an. Ich hatte jedenfalls 3 Kinder, von denen 2 zu den verhaltensauffälligsten im ganzen Dorf zählen. Das heisst, bevor wir losgingen, habe ich erstmal erklärt, dass ich genau weiss, wieviel Geld ich in der Tasche habe und somit mit absoluter Sicherheit weiss, dass es von einem von ihnen geklaut wurde, wenn es nach dem Projekt nicht mehr da sein sollte. Und am Ende war tatsächlich noch alles da. Geld spielt bei den Kindern hier immer eine riesengroße Rolle.
Etwas anderes, was hier im Moment eine große Rolle spielt ist die Schweinegrippe. In den 2 nächstgrößten Städten Chimaltenango und Antigua gibt es einige Fälle und gerade eben hat mir die Krankenschwester erzählt, dass es im Nachbarort von Parramos, also 5 min entfernt den ersten Fall gibt.
Jetzt werden alle Ausflüge gestrichen und die Kinder dürfen noch nichtmal nach Parramos gehen. Ab Montag wird die Schule für 3 Wochen geschlossen, damit keine Kinder und Lehrer von draußen reinkommen. Die Voluntäre, die als Lehrer in der Schule arbeiten, werden dann als Betreuer in den Sektionen eingesetzt. Dass die Schulen geschlossen werden, ist allerdings Auftrag von der Regierung. Ein paar Schulen haben schon geschlossen. Insgesamt gibt es wohl 53 Fälle in ganz Guatemala. Und jetzt kommt das Beste. 2 von den Voluntären sind vor einer Woche aus Mexiko wiedergekommen, weil sie ihr Visum verlängern mussten. Eine von ihnen ist jetzt krank und die Ärztin von NPH hatte Angst, dass sie die Schweingrippe haben könnte. Also hat sie das Gesundheitsministerium benachrichtigt, die dann in Astronautenanzügen und Plastikköfferchen ankamen, um Vero, die Voluntärin zu untersuchen. Bis wir die Ergebnisse bekommen, dürfen jetzt alle, die mit ihr in einem Haus wohnen, das Haus nicht verlassen und keiner darf rein. Mein Haus wurde dann auch unter Quarantäne gestellt, nachdem eine aus meinem Haus in der Klinik nach Medizin gegen Husten gefragt hat. Ich habe mich dann verabschiedet und bin nach Antigua gefahren. Heute am Freitag muss ich nicht arbeiten und wenn ich am Sonntag wiederkomme und die Ergebnisse immernoch nicht da sind, muss ich in irgendein anderes Haus ziehen. Kann man ja von halten, was man will. Ich glaube jedenfalls nciht, dass es die Grippe ist und fand das Ganze etwas übertrieben. Aber ich kann auch verstehen, dass alle Angst, dass sich eins von den Kindern anstecken könnte, was hier auf dem Gelände mit 330 Kindern ganz klar der Horror wäre. Zumal wir hier keine Medikamente haben. Naja, wir wollen mal hoffen, dass uns das erspart bleibt.
Was noch hinzukommt, ist die politisch angespannte Lage. Vor ein paar Wochen wurde ein Jurist ermordet und angeblich ist der Präsident in diesen Mord verwickelt. Das ganze ist abgelaufen, wie in einem Film. Nachdem der Jurist ermordet wurde, wurde ein Video im Fernsehen veröffentlicht, in dem er sich selbst filmt mit dem Kommentar " Wenn dieses Video veröffentlicht wird, wurde ich im Auftrag des Präsidenten ermordet". Jetzt gibt es eben die, die auf der Seite des Präsidenten stehen und die anderen, die fordern, dass er zurücktreten soll, bis der Fall geklärt wurde. Er will aber nicht zurücktreten und das macht das Ganze so brisant. Das Interessante ist, dass die Leute hier kaum darüber sprechen. Ich habe nur ein einziges Mal eine "Demo" in Antigua mitbekommen, von einer Gruppe Studenten, die aber nicht mehr als 10 waren. Es gab wohl auch die ein oder andere Demo in der Hauptstadt aber im Großen und Ganzen halten sich alle zurück, weil sie Angst vor den Konsequenzen haben. Tja, da merkt man dann doch, dass man in Guatemala ist.
Achja und dann hat da ja auch noch die Regenzeit begonnen. Ich dachte eigentlich, ich wüsste wie es abläuft. Morgens und mittags schön sonnig, nachmittags bisschen Regen und das wars. Aber JETZT weiss ich erst wirklich was Regenzeit bedeutet. Letzte Woche hat es so stark geregnet und gehagelt, dass wir uns im Haus anschreien mussten, um etwas zu verstehen. Die Dächer von den Häusern sind aus so komischem Plastik und es ist unglaublich laut, wenn der Regen drauffällt.
Die Treppen zu unseren Häusern runter waren nicht mehr zu sehen, statt dessen konnten wir einen gigangtischen Wasserfall direkt vor unserer Haustür bewundern. Da unser Dach nicht dicht ist, regnete es auch herein und überall waren Pfützen, in denen wir ausgerutscht sind. Mein Bett war voller Hagelkörner und ich habe immernoch das Gefühl, dass es nicht ganz trocken ist. Was ein Spaß!
So und nächste Woche Freitag fahre ich mit Jenny in den Urlaub. Sie hat frei und wir sind am überlegen wo es hingehen soll. Eigentlich wollten wir nach Mexiko aber mit dem ganzen Schweinegrippenkram fahren wir dann doch lieber in die andere Richtung. Entweder El Salvador oder nochmal Honduras.
Ich melde mich dann wieder, wenn wir zurück sind. Dann auch wieder mit Bildern.

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