Gut, ich fange mal vor meinem Urlaub an.
Dank der großartigen Komunikation in NPH wusste ich nicht, dass ein Therapeutenteam aus den Staaten ins Heim kommen wird, um mit einigen Kindern zu arbeiten. Allerdings hatte auch keiner der Verantwortlichen die Kinder zusammengesucht, so dass mir am selben Morgen das ganze Team vorgestellt wurde und ich alleine die Verantwortung für sie übernehmen durfte. Also hatte ich keine Zeit irgendetwas vorzubereiten und wir sind spontan in die Klinik und haben meinen Raum und den Physiotherapieraum besetzt.
Das Team bestand aus 4 Therapeutinnen und ungefähr 8 Physiotherapie und Ergotherapieschülern. Die Idee ist eigentlich total gut. Die Therapeuten unterrichten an Schulen in den Staaten und um den Schülern praktisches Wissen zu vermitteln fliegen sie in Entwicklungsländer, kommen in Heime, behandeln Kinder und gleichzeitig können die Schüler verschiedene Behandlungsmaßnahmen lernen. Und die Therapeutinnen waren der Hammer! Es war so super interessant, was sie alles gemacht haben, auch für mich. Vor allem waren sie mit allem ausgestattet und haben mir Therapiematerialien geschenkt, die ich vorher noch nie gesehen habe. Ich hätte ihnen am liebsten alle Kinder gezeigt, die ich in der Therapie habe, aber dafür hatten wir leider keine Zeit. Also haben sie die "wichtigsten" Fälle behandelt, Fotos von der Behandlung gemacht und am letzten Tag zu jedem Kind eine Seite mit Bildern und Behandlungsplan mitgebracht. Was will man denn bitte mehr. Ich muss zwar alles ins Spanische übersetzen, aber das macht nix. Vor allem waren 2 Spezialisten für Rollstühle dabei, die die Rollstühle von einigen Kindern umgebaut haben, so dass sie jetzt besser passen, zumindest, bis wir die Neuen haben.
Ich bin dann gleich nachdem sie weg waren mit Jenny los in den Urlaub. Den hatte ich dann aber auch nötig. In den 2 Tagen bin ich nämlich echt nur hin und her gerannt um alles zu organisieren, die Kinder und ihre Betreuer zusammenzusuchen, für alle zu übersetzen und alle Werkzeuge und Materialen zu besorgen, die sie für die Rollstühl brauchten.
Aber eine halbe Stunde nachdem sie weg waren sind Jenny und ich auch los. Eigentlich wollten wir ja noch am Freitag los in Richtung Honduras, aber es war nicht wirklich einfach einen Bus oder Transport von Antigua aus zu finden, der dazu auch noch günstig ist. Wir haben dann einen um 4 Uhr morgens gefunden und Jenny hatte die großartige Idee bis 4 Uhr feiern zu gehen und dann im Bus zu schlafen. Das haben wir dann auch gemacht, nur leider war der kleine Bus so unbequem, dass man nicht wirklich schlafen konnte und die 5 Stunden Fahrt bis zur Grenze waren somit nicht unbedingt sehr erholsam. Das hat man uns auch angesehen!
Gut, in Copán in Honduras, was direkt hinter der Grenze liegt haben wir dann einen "Chickenbus" genommen. Für Oma und Opa...."Chicken" heisst übersetzt "Huhn", also Hühnerbus. Die heissen so, weil es die Busse sind, mit denen alle Leute fahren und oft fahren neben 80 Leuten noch 20 Hühner mit, die sie auf dem Markt gekauft haben oder verkaufen wollen. So auch an diesem Tag und dazu muss man sagen, dass es in Honduras um Einiges heisser ist als in Guatemala. Aber das hatte ich ja schon von meinem letzten Urlaub berichtet. Aber wenn man Geld sparen will muss man diese Busse nehmen, weil sie die billigsten sind. Allerdings nach einer Stunde Fahrt bei ungefähr 40 Grad, eingequetscht zwischen Hühnern und einem stinkenden zahnlosen Mann, mit meinem Rucksack auf dem Schoß, kam ich zu dem Schluss, dass ich mein Geld lieber an anderen Ecken spare. Zumal wir in der Stunde vielleicht 10 km gefahren sind, weil wir alle 2 min anhielten, um den überfüllten Bus noch ein bisschen voller zu bekommen. Und als wir nach 2 Stunden aus dem Buss fielen hatten wir den Geruch von allen anderen angenommen. Gott sei Dank haben wir direkt einen Anschlussbus in die nächste Stadt gefunden. Wir kamen dann im Busterminal in San Pedro an, was ich schon von meiner letzten Tour mit Sabrina kannte und das Jenny und ich noch besser kennenlernen sollten. Das wussten wir zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht. Von da aus gings dann nach Tela, was an der Karibikküste liegt.
Nachdem wir die Haltestelle fast verpasst hatten, sind wir dann schließlich doch angekommen. Fahrtzeit: 14 Stunden....schlaflos für 35 Stunden....aber billig! Nie wieder!
Haben dann auch ein Hostal gefunden mit einem unheimlichen Besitzer und dreckigen Bettlagen...aber billig! ;)
Am nächsten Tag sind wir in ein kleines Garifunadorf außerhalb von Tela gefahren, wo wir ein kleines dreckiges Zimmer direkt am Strand in dem einzigen "Hotel" gefunden haben. Direkt vor unserer Tür war der Strand und 20 m bis zum schönen klaren Wasser. Das Beste war, dass außer uns kein Mensch...oder zumindest Tourist in diesem Kaff wohnte und wir den ganzen Strand für uns hatten. Leider wurden wir bald von ein paar einheimischen Männern entdeckt, die sich dann um uns scharrten und uns mit den paar Sätzen englisch die sie konnten zu beeindrucken versuchten " Ey baby, I love you!"
Natürlich war das Ziel des Urlaubs, erholt und braun zurückzukommen. Nach dem Tag waren wir ROT! Abends haben wir dann direkt am Wasser unter einem kleinen Palmendach gaaaaanz leckeren Fisch gegessen.
Da es in dem Dorf NICHTS gab, was man machen könnte, sind wir am nächsten Tag wieder zurück nach Tela. Es ist nicht besonders groß, hat aber mehrere Läden und Restaurantes und auch einen schönen Strand.
Nach dem ganzen Stress haben wir uns ein nettes Hotel augesucht, was in der Nähe vom Strand lag und ...das Wichtigste..... Klimaanlage hatte. Hitze ohne Ende!
Am Strand gabs 2 Schmuckverkäufter, ein kleiner 12 jähriger Junge, der mit seinem 28 jährigen Hippiefreund rumreist und die in ihren Zelten am Strand "wohnten". Mit denen haben wir uns dann angefreundet und José, der Kleine ist immer mit uns schwimmen gegangen und ich hab mir Muscheln von ihm ins Haar flechten lassen. Der war für seine 12 Jahre schon so erwachsen und kaum wie ein Kind. Jenny und ich haben uns viel über ihn unterhalten, weil es so komisch war einen kleinen Jungen zu sehen, der mit nem Hippie durchs Land reist und Schmuck verkauft, um Geld für seine Familie nach Hause zu bringen. Aber es war interessant und lustig mit ihnen am Strand rumzugammeln und Geschichten zu erzählen. Nach ein paar Tagen waren sie dann weg.
Das Einzige, was wir wirklich gemacht haben war eine Tour zu einem Naturschutzgebiet. Mit dem Boot sind wir übers Meer hingefahren. Das Boot am Strand geparkt und mit einem Führer eine kurze Dschungeltour gemacht. Ich habe Affen gesehen! Und Bäume, deren Stämme hohl sind, in denen die Piraten früher angeblich ihre Schätze versteckt haben.
Der Strand war ein Traum! Ganz typischer Karibikstrand mit ganz weissem Sand und kristallklarem Wasser und Palmen. Wunderschön. Wir waren so 2 Stunden da, haben Mangos im Wasser gegessen und ein bisschen rumgeplanscht. Jenny hat eine Fischphobie und ist bei jedem kleinen Fisch ausgerastet, was sehr unterhaltsam war.
Und dann kam das Beste an der Tour. Auf dem Rückweg haben wir nämlich Delphine gesehen. Ich hab noch nie einen Delphin freilebend gesehen und es waren sogar 3 oder 4. Sie sind zwar immer nur ganz kurz aufgetaucht, aber ich hab mich so gefreut...ich glaub der Typ, der das Boot gefahren hat, dachte ich hab sie nicht mehr alle!
Ja und den Rest vom Urlaub haben wir dann am Strand von Tela verbracht. Wir haben noch einen Franzosen kennengelernt, der einen Strassenjungen aufgelesen hatte und jetzt einen Platz für ihn sucht. Jedenfalls haben wir den Jungen am Tag von unserer Abreise nochmal getroffen und er hat uns bis zur Bushaltestelle begleitet und uns hinterhergewunken, bis der Bus weg war. Wir mussten zurück zum Busterminal in San Pedro, von wo aus alle Busse nach Guatemala abfahren. An diesem Sonntag jedenfalls wurde der Präsident von Honduras vom Militär "entführt" und nach Costa Rica ausgeflogen. Ein Putsch! Gut, wir hatten es also gehört, wussten aber noch nicht, was das für uns bedeuten würde.
Im Busterminal kamen wir dann so um 4 Uhr nachmittags an und es gab nur einen Bus um 2 Uhr nachts nach Guatemala. Also beschlossen wir im Terminal zu schlafen, weil es sich nicht gelohnt hätte ein Hotel zu suchen, zumal das Terminal außerhalb von San Pedro liegt. Also haben wir es uns auf dem Boden bequem gemacht und mit Jennys iPot-Radio Musik gehört. Gott sei Dank haben wir noch jemanden aus Mexiko kennengelernt, der bei uns geschlafen hat, so dass wir zu dritt waren und einen Mann bei uns hatten. So gegen 11 kam dann der Busfahrer, um uns mitzuteilen, dass wir aufgrund von Strassenblockaden erst um 6 Uhr morgens statt um 2 fahren können. Gut, also haben wir bis 6 in der Halle geschlafen. Gott sei Dank gab es einen Stromausfall und es war dunkel. So konnte ich wenigstens 2 oder 3 Stunden schlafen. Um 6 sind wir dann mit dem Bus los. Nach ungefähr 2 Stunden hielt der Bus an und es hieß, dass die Strassen gesperrt sind, weil der Präsident verschleppt wurde. Was das eine mit dem anderen zu tun hat, hab ich bis heute nicht verstanden. Jedenfalls hieß es dann, wir warten, bis sie wieder frei sind. Also sind wir alle ausgestiegen. Die ersten 2 Stunden konnte man sich die Zeit mit essen vertreiben weil es Gott sei dank ein paar Läden am Strassenrand gab. Nach 3 Stunden und 38 Grad fing ich an mich zu langweilen, nach 4 Stunden war ich angenervt und als nach 5 Stunden alle anderen Busse umdrehten, um zum Terminal zurückzufahren und wir immernoch warteten war meine persönliche Grenze erreicht und ich bat Jenny mich nicht mehr anzusprechen. Wenn wir noch 5 min länger gewartet hätten, wäre ich explodiert. Gott sei dank kam der Busfahrer dann auch auf die Idee umzudrehen und wir fuhren zurück. Alle angenervt und müde und verschwitzt und dreckig!
So, im Terminal konnte uns dann auch keiner sagen, wann der nächste Bus fährt und wir sind in die Stadt um uns ein Hotel zu suchen. Inzwischen war also Montag. Am Dienstag fuhren wir wieder ins Terminal, um zu fragen, ob es Busse gibt, was immernoch keiner wusste. Also verbrachten wir den Tag im Hotel und sahen die Nachrichten. In allen Städten im Land gab es Demonstrationen. Anstelle des alten Präsidenten kam jetzt nämlich einfach ein Neuer, der aber nicht vom Volk gewählt wurde. Also gibt es die Anhänger von dem alten und die von dem neuen Präsidenten. Der alte will aber wieder zurückkommen und seine Amtszeit beenden. Der neue sagt nein und alles ist kompliziert. Ich kann das jetzt nicht alles erklären. Wen es interessiert kann es ja googlen. Jedenfalls war es interessant, weil es ein historischer Moment für Honduras ist und wir waren mittendrin. Im Hotel hat man von den Ausschreitungen nichts mitbekommen. Das Einzige war die Ausgangssperre von 9 Uhr abends bis 6 Uhr morgens.
Am Mittwoch morgen sind wir dann wieder ins Terminal, mit der Idee zurück nach Tela ans Meer zu fahren, wenn die Strassen noch länger gesperrt sein sollten. Dann hieß es aber, dass es einen Bus nach Guatemala am Donnerstag morgen um 6 Uhr gibt. Da wir keine Lust hatten wieder zurück ins Hotel zu fahren und vor allem noch eine Nacht zu zahlen, beschlossen wir noch eine Nacht im Terminal zu schlafen, nachdem die letzte Nacht auf dem Fußboden so unheimlich bequem war. Also war alles geplant und wir auf der einen Seite erleichtert, auf der anderen extrem angenervt von dem ganzen hin und her. Inzwischen waren alle super besorgt. Jennnys Handy hatte keinen Saft mehr und wir konnten nur Mails schreiben. Unsere Zuständige vom Heim in Guatemala hatte schon die Botschaften benachrichtigt und Jennys Eltern waren am ausrasten. Dabei ging es uns ja nicht schlecht und gefährlich war es im Terminal auch nicht. Aber das, was man im Ausland in den Nachrichten zeigte, sah wohl doch etwas gefährlicher aus. Die Leute in Honduras waren jedenfalls alle recht entspannt.
So, als dann endlich alles geregelt war und wir wussten, dass wir den Mittwoch im Terminal verbringen würden, um Donnerstag morgen um 6 den Bus zu nehmen, ging es uns besser.
Und dann wurde Jennys Tasche geklaut. Mit Kamera, Kreditkarte, Handy, Geld und dem Wichtigsten...ihrem Pass. Was ein Spaß! Wir saßen auf Stühlen und sie hatte die Tasche direkt neben ihren Füßen stehen. Wir haben es beide nicht mitbekommen. So, kein Pass, keine Möglichkeit das Land zu verlassen. Also war der Plan in die Hauptstadt zu fahren und einen vorläufigen Pass zu beantragen. Natürlich war der letzte Bus schon weg und am nächsten Tag wäre es zu gefährlich in die Hauptstadt zu fahren, weil der alte Präsident zurückkommen wollte. Also meinten Jennys Eltern, wir sollten hinfahren und mit dem Flugzeug nach Guatemala fliegen. Dann hieß es aber, dass es wahrscheinlich keine Busse in die Hauptstadt geben werde, weil es zu gefährlich wäre. Ich glaube, das war das zweite Mal in diesem Urlaub, dass ich kurz vorm Explodieren war. Wir konnten es dann so regeln, dass Jenny sich eine Kopie von ihrem Passport mailen ließ und wir einen Report von der Polizei holten, um an der Grenze bestätigen zu können, dass ihr Pass geklaut wurde. So haben wir es dann auch gemacht. Dafür mussten wir zwar nochmal nach San Pedro auf die Polizeistation fahren, aber so ging die Zeit wenigstens rum.
Nach einer weiteren Nacht auf dem Fussboden konnten wir dann ENDLICH los und haben es tatsächlich bis Guatemala geschafft. Fast hätten sie uns an der Grenze nicht durchgelassen und Jenny war kurz vorm Zusammenbruch, aber dann gab es doch einen netten Mann und wir konnten durch.
Ute und Erwin waren inzwischen schon angekommen und ich habe sie dann abends im Heim getroffen.
Sie sind heute morgen an den Atitlansee und ich treffe sie in einer Woche. Wir wollen dann zusammen eine Woche nach El Salvador fahren. Eigentlich war ja Honduras geplant, aber ich habe spontan beschlossen, dass ich keine Lust mehr auf dieses Land habe.
Dank der großartigen Komunikation in NPH wusste ich nicht, dass ein Therapeutenteam aus den Staaten ins Heim kommen wird, um mit einigen Kindern zu arbeiten. Allerdings hatte auch keiner der Verantwortlichen die Kinder zusammengesucht, so dass mir am selben Morgen das ganze Team vorgestellt wurde und ich alleine die Verantwortung für sie übernehmen durfte. Also hatte ich keine Zeit irgendetwas vorzubereiten und wir sind spontan in die Klinik und haben meinen Raum und den Physiotherapieraum besetzt.
Das Team bestand aus 4 Therapeutinnen und ungefähr 8 Physiotherapie und Ergotherapieschülern. Die Idee ist eigentlich total gut. Die Therapeuten unterrichten an Schulen in den Staaten und um den Schülern praktisches Wissen zu vermitteln fliegen sie in Entwicklungsländer, kommen in Heime, behandeln Kinder und gleichzeitig können die Schüler verschiedene Behandlungsmaßnahmen lernen. Und die Therapeutinnen waren der Hammer! Es war so super interessant, was sie alles gemacht haben, auch für mich. Vor allem waren sie mit allem ausgestattet und haben mir Therapiematerialien geschenkt, die ich vorher noch nie gesehen habe. Ich hätte ihnen am liebsten alle Kinder gezeigt, die ich in der Therapie habe, aber dafür hatten wir leider keine Zeit. Also haben sie die "wichtigsten" Fälle behandelt, Fotos von der Behandlung gemacht und am letzten Tag zu jedem Kind eine Seite mit Bildern und Behandlungsplan mitgebracht. Was will man denn bitte mehr. Ich muss zwar alles ins Spanische übersetzen, aber das macht nix. Vor allem waren 2 Spezialisten für Rollstühle dabei, die die Rollstühle von einigen Kindern umgebaut haben, so dass sie jetzt besser passen, zumindest, bis wir die Neuen haben.
Ich bin dann gleich nachdem sie weg waren mit Jenny los in den Urlaub. Den hatte ich dann aber auch nötig. In den 2 Tagen bin ich nämlich echt nur hin und her gerannt um alles zu organisieren, die Kinder und ihre Betreuer zusammenzusuchen, für alle zu übersetzen und alle Werkzeuge und Materialen zu besorgen, die sie für die Rollstühl brauchten.
Aber eine halbe Stunde nachdem sie weg waren sind Jenny und ich auch los. Eigentlich wollten wir ja noch am Freitag los in Richtung Honduras, aber es war nicht wirklich einfach einen Bus oder Transport von Antigua aus zu finden, der dazu auch noch günstig ist. Wir haben dann einen um 4 Uhr morgens gefunden und Jenny hatte die großartige Idee bis 4 Uhr feiern zu gehen und dann im Bus zu schlafen. Das haben wir dann auch gemacht, nur leider war der kleine Bus so unbequem, dass man nicht wirklich schlafen konnte und die 5 Stunden Fahrt bis zur Grenze waren somit nicht unbedingt sehr erholsam. Das hat man uns auch angesehen!
Gut, in Copán in Honduras, was direkt hinter der Grenze liegt haben wir dann einen "Chickenbus" genommen. Für Oma und Opa...."Chicken" heisst übersetzt "Huhn", also Hühnerbus. Die heissen so, weil es die Busse sind, mit denen alle Leute fahren und oft fahren neben 80 Leuten noch 20 Hühner mit, die sie auf dem Markt gekauft haben oder verkaufen wollen. So auch an diesem Tag und dazu muss man sagen, dass es in Honduras um Einiges heisser ist als in Guatemala. Aber das hatte ich ja schon von meinem letzten Urlaub berichtet. Aber wenn man Geld sparen will muss man diese Busse nehmen, weil sie die billigsten sind. Allerdings nach einer Stunde Fahrt bei ungefähr 40 Grad, eingequetscht zwischen Hühnern und einem stinkenden zahnlosen Mann, mit meinem Rucksack auf dem Schoß, kam ich zu dem Schluss, dass ich mein Geld lieber an anderen Ecken spare. Zumal wir in der Stunde vielleicht 10 km gefahren sind, weil wir alle 2 min anhielten, um den überfüllten Bus noch ein bisschen voller zu bekommen. Und als wir nach 2 Stunden aus dem Buss fielen hatten wir den Geruch von allen anderen angenommen. Gott sei Dank haben wir direkt einen Anschlussbus in die nächste Stadt gefunden. Wir kamen dann im Busterminal in San Pedro an, was ich schon von meiner letzten Tour mit Sabrina kannte und das Jenny und ich noch besser kennenlernen sollten. Das wussten wir zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht. Von da aus gings dann nach Tela, was an der Karibikküste liegt.
Nachdem wir die Haltestelle fast verpasst hatten, sind wir dann schließlich doch angekommen. Fahrtzeit: 14 Stunden....schlaflos für 35 Stunden....aber billig! Nie wieder!
Haben dann auch ein Hostal gefunden mit einem unheimlichen Besitzer und dreckigen Bettlagen...aber billig! ;)
Am nächsten Tag sind wir in ein kleines Garifunadorf außerhalb von Tela gefahren, wo wir ein kleines dreckiges Zimmer direkt am Strand in dem einzigen "Hotel" gefunden haben. Direkt vor unserer Tür war der Strand und 20 m bis zum schönen klaren Wasser. Das Beste war, dass außer uns kein Mensch...oder zumindest Tourist in diesem Kaff wohnte und wir den ganzen Strand für uns hatten. Leider wurden wir bald von ein paar einheimischen Männern entdeckt, die sich dann um uns scharrten und uns mit den paar Sätzen englisch die sie konnten zu beeindrucken versuchten " Ey baby, I love you!"
Natürlich war das Ziel des Urlaubs, erholt und braun zurückzukommen. Nach dem Tag waren wir ROT! Abends haben wir dann direkt am Wasser unter einem kleinen Palmendach gaaaaanz leckeren Fisch gegessen.
Da es in dem Dorf NICHTS gab, was man machen könnte, sind wir am nächsten Tag wieder zurück nach Tela. Es ist nicht besonders groß, hat aber mehrere Läden und Restaurantes und auch einen schönen Strand.
Nach dem ganzen Stress haben wir uns ein nettes Hotel augesucht, was in der Nähe vom Strand lag und ...das Wichtigste..... Klimaanlage hatte. Hitze ohne Ende!
Am Strand gabs 2 Schmuckverkäufter, ein kleiner 12 jähriger Junge, der mit seinem 28 jährigen Hippiefreund rumreist und die in ihren Zelten am Strand "wohnten". Mit denen haben wir uns dann angefreundet und José, der Kleine ist immer mit uns schwimmen gegangen und ich hab mir Muscheln von ihm ins Haar flechten lassen. Der war für seine 12 Jahre schon so erwachsen und kaum wie ein Kind. Jenny und ich haben uns viel über ihn unterhalten, weil es so komisch war einen kleinen Jungen zu sehen, der mit nem Hippie durchs Land reist und Schmuck verkauft, um Geld für seine Familie nach Hause zu bringen. Aber es war interessant und lustig mit ihnen am Strand rumzugammeln und Geschichten zu erzählen. Nach ein paar Tagen waren sie dann weg.
Das Einzige, was wir wirklich gemacht haben war eine Tour zu einem Naturschutzgebiet. Mit dem Boot sind wir übers Meer hingefahren. Das Boot am Strand geparkt und mit einem Führer eine kurze Dschungeltour gemacht. Ich habe Affen gesehen! Und Bäume, deren Stämme hohl sind, in denen die Piraten früher angeblich ihre Schätze versteckt haben.
Der Strand war ein Traum! Ganz typischer Karibikstrand mit ganz weissem Sand und kristallklarem Wasser und Palmen. Wunderschön. Wir waren so 2 Stunden da, haben Mangos im Wasser gegessen und ein bisschen rumgeplanscht. Jenny hat eine Fischphobie und ist bei jedem kleinen Fisch ausgerastet, was sehr unterhaltsam war.
Und dann kam das Beste an der Tour. Auf dem Rückweg haben wir nämlich Delphine gesehen. Ich hab noch nie einen Delphin freilebend gesehen und es waren sogar 3 oder 4. Sie sind zwar immer nur ganz kurz aufgetaucht, aber ich hab mich so gefreut...ich glaub der Typ, der das Boot gefahren hat, dachte ich hab sie nicht mehr alle!
Ja und den Rest vom Urlaub haben wir dann am Strand von Tela verbracht. Wir haben noch einen Franzosen kennengelernt, der einen Strassenjungen aufgelesen hatte und jetzt einen Platz für ihn sucht. Jedenfalls haben wir den Jungen am Tag von unserer Abreise nochmal getroffen und er hat uns bis zur Bushaltestelle begleitet und uns hinterhergewunken, bis der Bus weg war. Wir mussten zurück zum Busterminal in San Pedro, von wo aus alle Busse nach Guatemala abfahren. An diesem Sonntag jedenfalls wurde der Präsident von Honduras vom Militär "entführt" und nach Costa Rica ausgeflogen. Ein Putsch! Gut, wir hatten es also gehört, wussten aber noch nicht, was das für uns bedeuten würde.
Im Busterminal kamen wir dann so um 4 Uhr nachmittags an und es gab nur einen Bus um 2 Uhr nachts nach Guatemala. Also beschlossen wir im Terminal zu schlafen, weil es sich nicht gelohnt hätte ein Hotel zu suchen, zumal das Terminal außerhalb von San Pedro liegt. Also haben wir es uns auf dem Boden bequem gemacht und mit Jennys iPot-Radio Musik gehört. Gott sei Dank haben wir noch jemanden aus Mexiko kennengelernt, der bei uns geschlafen hat, so dass wir zu dritt waren und einen Mann bei uns hatten. So gegen 11 kam dann der Busfahrer, um uns mitzuteilen, dass wir aufgrund von Strassenblockaden erst um 6 Uhr morgens statt um 2 fahren können. Gut, also haben wir bis 6 in der Halle geschlafen. Gott sei Dank gab es einen Stromausfall und es war dunkel. So konnte ich wenigstens 2 oder 3 Stunden schlafen. Um 6 sind wir dann mit dem Bus los. Nach ungefähr 2 Stunden hielt der Bus an und es hieß, dass die Strassen gesperrt sind, weil der Präsident verschleppt wurde. Was das eine mit dem anderen zu tun hat, hab ich bis heute nicht verstanden. Jedenfalls hieß es dann, wir warten, bis sie wieder frei sind. Also sind wir alle ausgestiegen. Die ersten 2 Stunden konnte man sich die Zeit mit essen vertreiben weil es Gott sei dank ein paar Läden am Strassenrand gab. Nach 3 Stunden und 38 Grad fing ich an mich zu langweilen, nach 4 Stunden war ich angenervt und als nach 5 Stunden alle anderen Busse umdrehten, um zum Terminal zurückzufahren und wir immernoch warteten war meine persönliche Grenze erreicht und ich bat Jenny mich nicht mehr anzusprechen. Wenn wir noch 5 min länger gewartet hätten, wäre ich explodiert. Gott sei dank kam der Busfahrer dann auch auf die Idee umzudrehen und wir fuhren zurück. Alle angenervt und müde und verschwitzt und dreckig!
So, im Terminal konnte uns dann auch keiner sagen, wann der nächste Bus fährt und wir sind in die Stadt um uns ein Hotel zu suchen. Inzwischen war also Montag. Am Dienstag fuhren wir wieder ins Terminal, um zu fragen, ob es Busse gibt, was immernoch keiner wusste. Also verbrachten wir den Tag im Hotel und sahen die Nachrichten. In allen Städten im Land gab es Demonstrationen. Anstelle des alten Präsidenten kam jetzt nämlich einfach ein Neuer, der aber nicht vom Volk gewählt wurde. Also gibt es die Anhänger von dem alten und die von dem neuen Präsidenten. Der alte will aber wieder zurückkommen und seine Amtszeit beenden. Der neue sagt nein und alles ist kompliziert. Ich kann das jetzt nicht alles erklären. Wen es interessiert kann es ja googlen. Jedenfalls war es interessant, weil es ein historischer Moment für Honduras ist und wir waren mittendrin. Im Hotel hat man von den Ausschreitungen nichts mitbekommen. Das Einzige war die Ausgangssperre von 9 Uhr abends bis 6 Uhr morgens.
Am Mittwoch morgen sind wir dann wieder ins Terminal, mit der Idee zurück nach Tela ans Meer zu fahren, wenn die Strassen noch länger gesperrt sein sollten. Dann hieß es aber, dass es einen Bus nach Guatemala am Donnerstag morgen um 6 Uhr gibt. Da wir keine Lust hatten wieder zurück ins Hotel zu fahren und vor allem noch eine Nacht zu zahlen, beschlossen wir noch eine Nacht im Terminal zu schlafen, nachdem die letzte Nacht auf dem Fußboden so unheimlich bequem war. Also war alles geplant und wir auf der einen Seite erleichtert, auf der anderen extrem angenervt von dem ganzen hin und her. Inzwischen waren alle super besorgt. Jennnys Handy hatte keinen Saft mehr und wir konnten nur Mails schreiben. Unsere Zuständige vom Heim in Guatemala hatte schon die Botschaften benachrichtigt und Jennys Eltern waren am ausrasten. Dabei ging es uns ja nicht schlecht und gefährlich war es im Terminal auch nicht. Aber das, was man im Ausland in den Nachrichten zeigte, sah wohl doch etwas gefährlicher aus. Die Leute in Honduras waren jedenfalls alle recht entspannt.
So, als dann endlich alles geregelt war und wir wussten, dass wir den Mittwoch im Terminal verbringen würden, um Donnerstag morgen um 6 den Bus zu nehmen, ging es uns besser.
Und dann wurde Jennys Tasche geklaut. Mit Kamera, Kreditkarte, Handy, Geld und dem Wichtigsten...ihrem Pass. Was ein Spaß! Wir saßen auf Stühlen und sie hatte die Tasche direkt neben ihren Füßen stehen. Wir haben es beide nicht mitbekommen. So, kein Pass, keine Möglichkeit das Land zu verlassen. Also war der Plan in die Hauptstadt zu fahren und einen vorläufigen Pass zu beantragen. Natürlich war der letzte Bus schon weg und am nächsten Tag wäre es zu gefährlich in die Hauptstadt zu fahren, weil der alte Präsident zurückkommen wollte. Also meinten Jennys Eltern, wir sollten hinfahren und mit dem Flugzeug nach Guatemala fliegen. Dann hieß es aber, dass es wahrscheinlich keine Busse in die Hauptstadt geben werde, weil es zu gefährlich wäre. Ich glaube, das war das zweite Mal in diesem Urlaub, dass ich kurz vorm Explodieren war. Wir konnten es dann so regeln, dass Jenny sich eine Kopie von ihrem Passport mailen ließ und wir einen Report von der Polizei holten, um an der Grenze bestätigen zu können, dass ihr Pass geklaut wurde. So haben wir es dann auch gemacht. Dafür mussten wir zwar nochmal nach San Pedro auf die Polizeistation fahren, aber so ging die Zeit wenigstens rum.
Nach einer weiteren Nacht auf dem Fussboden konnten wir dann ENDLICH los und haben es tatsächlich bis Guatemala geschafft. Fast hätten sie uns an der Grenze nicht durchgelassen und Jenny war kurz vorm Zusammenbruch, aber dann gab es doch einen netten Mann und wir konnten durch.
Ute und Erwin waren inzwischen schon angekommen und ich habe sie dann abends im Heim getroffen.
Sie sind heute morgen an den Atitlansee und ich treffe sie in einer Woche. Wir wollen dann zusammen eine Woche nach El Salvador fahren. Eigentlich war ja Honduras geplant, aber ich habe spontan beschlossen, dass ich keine Lust mehr auf dieses Land habe.
1 Kommentar:
Hallo liebe Meike,
dass Du und Jenny ein höchst interessantes Abenteuer hinter Euch gebracht habt, wusste ich ja schon; Deine Schilderungen aus ersten Hand sind natürlich wesentlich interessanter. Ob es tatsächlich so ungefährlich war, wie Du es darstellst, könnte ich nur dann relativieren, wenn ich es selbst mit erleben würde. Aber zunächst einmal: nein danke. Ich habe den Eindruck, dass Du Dich mit vielem arrangiert hast, was Du vor dieser Reise eher nicht gemacht hättest. Aber ich glaube, das gehört dazu, auch wenn Du vieles in der erlebten Weise nicht vorhergesehen hast. Ich bin aber sehr beeindruckt, wie Du Dich mit allem arrangierst, ob es die Arbeitsbedingungen sind und im Zusammenhang mit der Aufgabe nicht vorhersehbare Situationen, aber vor allem der "Urlaub" mitten in einem Putsch. Alle Achtung.
Ich habe eigentlich die ganzen sieben Monate, die Du nun schon dort bist, nicht das Gefühl gehabt, das Du Dich unterkriegen lässt, mach weiter so. Ich bin schon jetzt gespannt, was Du "anstellst", wenn Du wieder mal wieder hier bist. Auf eines musst Du Dich aber dann einstellen: andere Temperaturen. In der Sidebar meines Notebooks ist auch das Wetter von Koblenz eingeblendet: Regen, 13°.
Ich wünsche Dir viel Spaß mit Ute und Erwin in El Salvador und grüße sie von Elisabeth und mir. Bis zum nächsten Blog-Eintrag. Dein Onki.
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