Sonntag, 26. Mai 2013

Herzlichen Glückwunsch!!!

Happy Birthday lieber Papa.
Besitos aus Bogotá!

Freitag, 24. Mai 2013

Blog 10 Kolumbien




Hola Hola (sorry für die unschöne Formatierung, aber irgendetwas funktioniert hier heute nicht....)

Ich sitze in einem wunderschönen Café, trinke Capuchino und esse einen Möhrenmuffin. Schokomuffin wäre mir natürlich lieber, aber erstens ist der Möhrenmuffin im Angebot und zweitens bilde ich mir ein, dass ein Möhrenmuffin gesünder ist! Eigentlich ist es etwas leichtsinnig, mit dem Laptop in der Tasche das Haus zu verlassen, aber es musste sein! DENN, heute ist es mir ein zweites Mal vergönnt, mich mit den kolumbianischen Behörden herumzuschlagen, um mein Visum zu beantragen und da ich vorgestern schon die wunderbare Erfahrung machen durfte, dass es hier noch schlimmer zugeht, als in Deutschland, kam ich heute vorbereitet, MIT Laptop, um keine Zeit zu vergeuden und euch zu schreiben. Ich riskiere es also, meinen Laptop geklaut zu bekommen, um euch auf dem Laufenden zu halten. Ist das nicht heldenhaft?!

So, jedenfalls klingt das jetzt alles sehr entspannt, aber ehrlich gesagt, habe ich vorgestern vor Wut fast angefangen zu heulen, weil ich so angenervt war! Ich muss dazu sagen, dass es auch ein bisschen meine Schuld war, aber das könnt ihr ruhig überlesen. Ich hätte mein Visum also eigentlich schon vor ein paar Wochen beantragen müssen, was ich natürlich nicht gemacht habe, weil ich Wichtigeres zu tun hatte haha. Jedenfalls bin ich dann vorgestern zum Ministerium, mit der Idee, dass ich 2 Stunden dort bin, mein Visum bezahle und wieder abhaue. Gut, dass ich nicht vorher wusste, wie ätzend der Tag endet, sonst wäre ich wahrscheinlich erst gar nicht aufgestanden.
Ich habe also zuerst mal eine Nummer bekommen….Nummer 99. In dem Moment als ich ins Ministerim kam, um mein Visum zu beantragen, war Nummer 24 an der Reihe. Da habe ich mir aber immer noch nichts bei gedacht. In dem Wartesaal saßen hauptsächlich Asiaten…..Kolumbien scheint bei den Asiaten sehr beliebt zu sein. Warum genau, habe ich noch nicht herausgefunden! Nach 2 Stunden im Wartesaal waren wir bei Nummer 28 angekommen. Da wurde mir langsam bewusst, dass das Ganze ein bisschen länger dauern könnte und mit diesem Bewusstsein wurde meine Laune rapide SCHLECHT! Irgendwann bin ich rausgegangen und habe gefrühstückt und beim Spazierengehen einen echt schönen skurrilen Laden gefunden, der uralte französische Zeitschriften und Comicfiguren verkauft. Mein Gott, war das ein langweiliger Tag!! Nach gefühlten 100 Stunden (tatsächlich waren es 6) kam ich dann endlich dran und die dumme Kuh hinterm Schreibtisch erzählte mir, dass meine Dokumente so nicht angenommen werden können, weil sie auf Englisch sind und nicht auf Spanisch. Freude! Ich war sehr unhöflich zu ihr und hoffe, dass ich heute nicht wieder zu ihr komme, wenn ich an der Reihe bin haha. Jedenfalls bin ich extreeeeeeeeeeeeeem sauer aus diesem Scheißladen raus und lief zum Bus und natürlich fing es in Strömen an zu regnen! Ist ja nicht so, als hätte es nicht schon die letzten 3 Monate jeden Tag geregnet!!
Irgendwann stand das Wasser in meinen Schuhen und wenn ich nicht in Bogotá wäre, hätte ich sie ausgezogen, weil es in dem Moment sowieso egal war! Aber hier habe selbst ich Angst, dass ich in irgendetwas Ekliges oder Gefährliches trete ;)
Also kam ich nass bis auf die Haut am Bus an, zur Hauptverkehrszeit! Und das bedeutet hier nicht nur ein bisschen Stau auf den Straßen, sondern, dass alle Menschen einfach mal komplett durchdrehen!

Das Bussystem (Transmilenio) funktioniert so, dass man mit einer Chipkarte durch ein Drehkreuz gehen muss, dann gibt es einen langen Gang mit automatisch öffnenden Schiebetüren zu beiden Seiten, vor denen jeweils die Busse halten, die in verschiedene Richtungen fahren. Vor diesen Türen spielen sich Szenen ab, die ich eigentlich echt mal filmen müsste….besonders zur Hauptverkehrszeit. Wahnsinn! Es geht eigentlich nicht darum als erster im Bus zu sein, um einen Sitzplatz zu bekommen, sondern einfach nur ÜBERHAUPT in den Bus reinzukommen. Die Busse sind zu dieser Uhrzeit so extrem überfüllt, dass man drinnen kaum noch atmen kann. Ich habe Glück, weil ich groß bin und oben gibt es mehr Sauerstoff ;) Und es ist besonders praktisch, weil man sich nicht festhalten muss. Man ist wunderbar sicher eingeklemmt zwischen all den Körpern und kommt sich näher als man es gerne hätte…..ganz zu schweigen von den Gerüchen. Ein Erlebnis. Die Türen schließen manchmal nicht, weil so viele Leute sich in den Bus reinquetschen. Und immer wenn ich beim „Einsteigen“ gerade mal wieder zwei oder drei Ellenbogen im Bauch und Rücken spüre und versuche meine Haare aus dem Rucksack der Person neben mir zu ziehen, lese ich das Schild, das über jeder Tür hängt „Behandle deine Mitmenschen so, wie du auch gerne behandelt werden würdest“. Haha! Lustig!

Ich glaube das war der beschissenste Tag, den ich bisher hier erlebt habe! Naja und heute habe ich dann die Dokumente übersetzen lassen, was mich 60 Euro gekostet hat, meine Nummer habe ich schon gezogen….heute habe ich Nummer 80 woooooooooooooow!!! Die „Bearbeitungsgebühr“ von 12 Euro habe ich heute ein zweites Mal zahlen dürfen und wenn mir heute irgendjemand sagt, dass ich das Visum nicht bekomme dann……………………tja……….dann fange ich wohl wirklich an zu heulen! Und das wird auch niemanden interessieren! Hoffen wir das Beste!

Jetzt aber zu den erfreulichen Dingen des Lebens. Es ist zwar schon wieder Ewigkeiten her, aber ich war auf dem Konzert von „La 33“, eine der bekanntesten Salsabands Kolumbiens. Das war echt richtig gut! Und gratis! Es fand statt am 29. April, dem internationalen Tag des Tanzes, in einer großen offenen Arena im Zentrum und aaaaaaalle Leute im Publikum haben getanzt. Wir standen relativ weit oben und konnten die ganze Arena überblicken und es sah so schön aus, wie alle am Feiern und am Tanzen waren. Auf der Bühne spielte die Band und sie wurde begleitet von den besten Salsatänzern/innen des Landes. Also mir hat Salsa ja schon vorher gefallen, aber nach dem Konzert noch mehr!
Hier ein kleiner Eindruck für die, die es interessiert: La 33 in der Arena Santa Maria am 29. April in Bogotá:

https://www.youtube.com/watch?v=d-W-ZLoCUjA

Am nächsten Abend sind wir in einen Club gegangen, wo ein DJ aufgelegt hat, den ich inzwischen auch schon kennengelernt habe und der wiederum mit dem Pianisten vom Orchestra 33 dort war. Und da der DJ weiß, dass ich gerade Salsa lerne, erzählte er das freundlicherweise dem Pianisten, der mich dann fragte, ob ich mit ihm tanzen möchte. Hahaaa!!! Was ein Spaß! Das war mir echt peinlich, weil ich wirklich die absolute Anfängerin bin und der natürlich der super super super Tänzer! Also wenn er sich zu Tode gelangweilt hat, hat er es sich nicht anmerken lassen. Ist mir auch egal! Ich hab mit ihm getanzt! Hah!
Ich gehe immer noch regelmäßig zur Tanzstunde und gestern hatte ich den besten Tanzpartner seitdem ich dort angefangen habe. Und wo kam er her? Aus Schweden! Da muss erst mal ein Schwede nach Kolumbien kommen, um mich beim Tanzen gut zu führen. Toll!

So, dann war ich außerdem noch auf sehr vielen interessanten Vorträgen, auch von Organisationen der Vereinten Nationen und habe Leuten zugehört, deren Bücher ich gelesen habe! Ich muss sagen, dass mir das fehlen wird! Es gibt hier so viele internationale Vorträge und speziell für mein Studium gibt es immer irgendeine Veranstaltung, die hundertmal interessanter ist, als das, was ich in der Uni lerne! Und alles ist gratis!Außerdem habe ich an einem Poesieworkshop teilgenommen, der von einem der bekanntesten deutschen modernen Poeten geleitet wurde. Für die, die sich ein bisschen auskennen: Bas Böttcher. Ich konnte es ja kaum glauben, aber es stimmte!!!
Ich hatte den damals bei einem der Poetry Slams in Koblenz gesehen (Veranstaltungen, bei denen Poeten ihre Texte vorlesen können und das Publikum entscheidet mit Applaus wer gewinnt!) und hab mir fast alle Texte online angehört. Und als ich von dem Workshop las, der vom Goethe-Institut angeboten wurde, hab ich mich sofort angemeldet. Der Workshop war auch wirklich gut, aber ich musste feststellen, dass in meinen Adern definitiv kein Poetenblut fließt! Dafür habe ich Bas persönlich kennengelernt und weiß jetzt mehr über die Techniken von den Poeten, die bei den Slams auftreten. Außerdem hat er am nächsten Abend ebenfalls gratis seine Texte in einer Bar vorgetragen, wo wir mit ein paar Leuten hingegangen sind, um sie uns anzuhören. Da haben wir noch ein Bier mit ihm getrunken, was in Deutschland wahrscheinlich auch nie möglich gewesen wäre.

                                             


Ja und jetzt noch etwas zur Arbeit….deswegen bin ich ja schließlich hier haha. Das Theaterprojekt läuft super und ich habe den Fragebogen zur Befragung des Publikums nach dem Stück fertiggestellt. Die erste Aufführung fand schon statt, allerdings nur vor einem internen Probepublikum, in dem die Mitarbeiter/innen von Plan und des kolumbianischen „Sozialamtes“ saßen. Das Sozialamt heißt hier „ICBF“ und ist die größte staatliche soziale Einrichtung. Die hatten das Projekt ja in Auftrag gegeben und finanzieren den größten Teil. Nach dem Stück wurden die Szenen noch einmal besprochen und über Änderungen diskutiert, die den pädagogischen Inhalt betreffen und so weiter. Außerdem wurde ich offiziell erwähnt und habe einen Applaus für meine Arbeit bekommen, was mich wirklich gefreut hat, weil ich die ganze Zeit nur wenig Rückmeldung bekommen habe. Den Fragebogen wendeten wir dann an 50 – 60 Personen an. Aber er muss noch etwas überarbeitet werden…..das habe ich dann beim Befragen bemerkt. Egal, ich habe mich gefreut, dass meine Arbeit wertgeschätzt wird und tatsächlich von Nutzen ist.

So, jetzt noch ein paar Infos zu typisch kolumbianischem Essen. Vegetarier sollten diesen Teil überlesen. Es gibt hier ein Gericht, dass heißt „Lechona“. Das ist ein ganzes Schwein, das im Ofen (oder überm Feuer?) gegart wird, dann das Fleisch mit Reis vermischt und wieder in das ganze Schwein reingestopft wird. Klingt eklig, sieht auch eklig aus, schmeckt aber echt gut. Und jeden Samstag steht eine kleine Frau mit einem Glaskasten an der Ecke in meinem Viertel und verkauft das Schwein. Hier ein Foto.

                                                          Lechona schon halb aufgegessen ;)



                                              
So und hier noch etwas für die Vegetarier: Ein Bananenladen!! ;) Viel schöner als in Plastik verpackt im Supermarkt wie ich finde.

Ach und mein Kollege hat mir erzählt, dass es ein Gericht gibt, dessen Name ich vergessen habe, welches aus allen Teilen des Kopfes (von Schwein und Kuh) zubereitet wird. Also auch die Augen und die Schnauze und so weiter. Das schreibe ich nicht, um eklige Geschichten zu erzählen (naja, ein bisschen vielleicht auch), sondern weil ich es eigentlich gut finde, dass man hier alle Teile vom Tier verarbeitet.
Dieses Gericht werde ich allerdings auslassen ;)

Ach UND ich habe meine erste Trommelstunde genommen. Ein Freund von Jorge und Marco (meine Mitbewohner) hat sie mir gegeben. Ist gar nicht mal so einfach! Es gibt verschiedene Techniken, wie man die Trommel schlagen muss, um unterschiedliche Töne herauszubekommen und das ganze muss man dann noch koordinieren. Da wir ja verschiedene Trommeln im Proberaum stehen haben, kann ich zu Hause üben. Macht Spaß!
Ich bin also beschäftigt und lerne viel Neues. Inzwischen kenne ich auch viele Leute, mit denen ich weggehen kann und die wirklich alle super sympathisch sind.


So, ich werde mein Glück im Ministerium noch einmal versuchen……..
…………Ich bin im Wartesaal angekommen. An der Reihe ist Nummer 56. Wunderbar….fehlen ja nur noch 24 Personen. Jede Person braucht ungefähr 20 Minuten……Ich freue mich!
Oh, toll gerade wurde mir vorgeschlagen, mich bei einer Tochterfirma von Coca Cola zu melden, die einen Werbespot für ein Getränk dreht und denen mein Gesicht gefällt hahahaha. 500 Euro. Das klingt zu einfach! Naja, ich werds mir mal anschauen. Kann ja nicht schaden. Ich kenne das Getränk sogar. Irgendwas Kolumbianisches. Aber wenn es wirklich eine Tochterfirma von Coca Cola wäre, finde ich 500 Euro ganz schön wenig. Ich frage mal, ob sie auch mehr zahlen haha.


Na, ich werde mal weiter apathisch auf die Anzeigetafel starren und hoffen, dass durch ein Wunder die Zahl 80 erscheint……und zwar nicht erst in 4 Stunden!....sehr unwahrscheinlich! ;)
Danke übrigens, dass ihr mir schreibt und mich auf dem Laufenden haltet. Ich freue mich immer drüber!

So und am Schluss noch ein paar Fotos, die sich so angesammelt haben.

Bis bald





"Meine" Straße. Vorne rechts an der Ecke wohnen wir.






Hier! Hinter der Garagentür ist der Proberaum. Unsere Zimmer sind oben. Mein Fenster ist Gott sei Dank nach hinten gelegen!

In Bogotá ist jedes zweite Auto ein Taxi. 
  
Darf ich vorstellen: Der kolumbianische Volkswagen "Colwagen" von "COLombia"...für die, die es nicht verstanden haben sollten hehe.




















Donnerstag, 2. Mai 2013

Blog 9 Kolumbien

Hola Hola,
warum habe ich jedes Mal das Gefühl, dass ich erst gestern in den Blog geschrieben habe?!

So, dann bringe ich euch mal wieder auf den neusten Stand. Könnte etwas länger dauern.
Ich erzähle euch mal von dem Viertel, in dem ich wohne. Es ist hier wirklich nicht besonders schön, aber irgendwie fühle ich mich sehr wohl. Ich komme mir manchmal vor wie in einem Film. 
Wenn ich morgens aus der Tür komme, steht auf der anderen Straßenseite der Organensaftmann und winkt mir zu. Direkt neben meiner Tür verkaufen zwei Frauen von 6-7.30 Uhr Kaffee an die Arbeiter, die im Viertel arbeiten und grüßen mich auch ganz freundlich. Es ist also ein Arbeiterviertel mit hauptsächlich Elektrikern und Mechanikern. Nichts gegen diese Berufe aber mir kommt es so vor, als wären die Männer (zumindest hier) die diese Berufe ausüben diejenigen, denen es am meisten Spaß macht jedem weiblichen Wesen (inklusive mir) hinterherzupfeifen oder "Komplimente" nachzugrölen, wenn man vorbeiläuft. Mein Weg zur Arbeit morgens ist also immer sehr unterhaltsam. Manchmal ertrage ich es gut und an anderen Tagen würde ich am liebsten nach jedem Kommentar, das ich höre, stehenbleiben und eine Predigt über Respektlosigkeit und Manieren halten....was sowieso keinen Sinn machen würde. Also lasse ich es! 
Zwei Blocks entfernt gibt es mehrere kleine billige Supermärkte, Metzger, Bäckereien, Apotheke, Elektroläden, Orangerei (ich schätze das Wort gibt es nicht...auf jeden Fall ist es ein Laden, in dem nur Orangen verkauft werden) und Käsereien. Dann habe ich ein Restaurant entdeckt, das einer Frau von der Küste gehört und die kocht sowas von lecker!! Und das Mittagessen kostet umgerechnet nur 2-3 Euro und es gibt Suppe, Getränk und einen riesigen Teller mit allem, was gut schmeckt!
Außerdem gibt es einen riesigen Laden mit Obst und Gemüse, das echt billig ist! Alles gleich um die Ecke.
Und abends verkauft eine Frau auf einem Grill vor ihrer Bäckerei "Arepas". Das sind so Maisteigfladen, die mit Käse gefüllt sind, der dann auf dem Grill schmilzt. Für 40 Cent oder so. Also eigentlich müsste ich mein Viertel nie verlassen, weil es alles gibt, was man braucht!

Aber wenn man abends weggehen möchte, muss man schon den Bus oder ein Taxi nehmen.
Ich habe inzwischen ein paar wirklich schöne Bars und Clubs kennengelernt und es gibt immer Livekonzerte, Filme und Ausstellungen. Letztes Wochenende war ich auf einem Sprachaustausch. Da treffen sich jeden Monat Leute, die mehrere Sprachen sprechen, um sie zu üben oder einfach, um die eigene Sprache zu sprechen. Ich habe mich an den "Deutschland-Tisch" gesetzt, an dem ein Deutscher, ein Kolumbianer und eine Kolumbianerin saßen, die aber alle deutsch sprachen. Das war echt mal ganz entspannend, weil ich abgesehen von meinen Gesprächen auf Skype immer nur spanisch spreche. Englisch spricht hier auch keiner.
Also haben wir uns den ganzen Abend auf deutsch unterhalten. Mit den zwei Kolumbianern habe ich mich super gut verstanden und wir sind  dann später noch auf ein Konzert gefahren. Solche Aktionen sind gut, um neue Leute und die Stadt kennenzulernen.
Über meine Mitbewohner habe ich aber auch schon ein paar Leute kennengelernt, mit denen ich mich gut verstehe. Da Jorge (der Kolumbianer) und Marco (der Italiener) beide in Bands spielen, tauchen hier ständig irgendwelche Musiker auf und so lernt man sich kennen. Außerdem gefällt mir die Musik.
Letzten Freitag hatte Marco Geburtstag und wir haben eine Überraschungsparty organisiert. Alle Freunde brachten ihre Instrumente mit und es gab ein Konzert bei uns zu Hause. War schön!
Gott sei Dank kam am nächsten Tag die Putzfrau.
Wenn  ich frei habe, versuche ich immer irgendetwas zu unternehmen und die Gegend ein bisschen kennenzulernen. Gestern, am 1. Mai hatte ich praktischerweise frei und die belgische Praktikantin (Lise) und ich sind nach Guatavita gefahren. Das ist eine Ministadt, ungefähr 2 Stunden von Bogotá entfernt, die an einem wunderschönen See liegt und alle Häuserwände sind weiß getüncht.Aber nicht nur deswegen ist Guatavita etwas Besonderes, sondern wegen der saaaaaaaagenumwobenen Lagune, auch El Dorado genannt. Habt ihr bestimmt schonmal gehört. Aber ich wette, dass keiner wusste, dass das El Dorado bei mir um die Ecke ist! Hah!

Und ich wette, dass noch keiner von euch in einem "Non Plus Ultra Bus" gefahren ist hehe




Die zwei mit ihren Hüten sahen so schön  aus.
Hier schnell die Legende, damit ihr wisst, worum es geht: "Jeder neue Herrscher der Muisca (eines indigenen Volkes) brachte bei seinem Amtsantritt ein Opfer für den Sonnengott im Bergsee von Guatavita in der Nähe des heutigen Bogotá dar. Nachts wurden Freudenfeuer entzündet, und der nackte Körper des Fürsten wurde mit einer Paste aus Goldstaub überzogen. Zusammen mit vier Adligen fuhr der Fürst auf einem Floß zur Mitte des Sees. Das Floß war mit vielen verschiedenen Goldgegenständen und Edelsteinen beladen. Die Gefährten opferten diese Gegenstände, indem sie diese ins Wasser warfen. Danach sprang der König in den See, und der Goldstaub auf seinem Körper sank, zusammen mit den Smaragden und Gold, welches die mitgefahrenen Adligen als Opfer in den See warfen, auf den Grund." 
So war das nämlich! Wieder was gelernt!
Eine meiner Mitarbeiterinnen, die sehr spirituell ist und sich stark mit der indigenen Kultur identifziert, hatte mir vorher gesagt, ich soll dem Wasser in der Lagune zuhoeren, denn es würde sprechen.
Aber ich muss ehrlich sagen, dass es mir etwas schwerfiel, weil wir nämlich in einer geführten Gruppe unterwegs waren, in der schreiende Kinder und sehr redselige Menschen jegliche Spiritualität vor Ort im Keim erstickten! Aber ich kann mir vorstellen, dass die Stimmung schon besonders sein kann, wenn man tatsächlich ganz alleine dort ist. Da es zwischendurch immer wieder regnete, tauchte plötzlich ein Regenbogen auf (ein ganzer!!) und so hatte ich doch noch meinen "magischen" Moment ;) Die Aussicht war auch echt schön, weil die Lagune in einem Krater von einem Berg liegt, den wir erstmal hochkraxeln mussten.

 


Regenbogen

Auf dem Rückweg vom El Dorado im ältesten Bus der Welt, musste noch schnell ein Baum von der Straße gesägt werden, der uns den Weg versperrte. 
Zurück in der Ministadt haben wir noch die Souvenirläden angeschaut und anschließend in einer sehr typischen  Kneipe auf der Terasse wirklich lecker gegessen.  Ich habe nochmal eine Nahaufnahme von der traditionellen Suppe "Ajiaco" gemacht...so etwas wie Kartoffelsuppe. Da schwimmt Huhn drin rum.
Da ich diese Hühnerhaut nicht essen wollte und praktischerweise gerade ein Straßenhund auf der Terasse herumlief,  fragte ich den Besitzer von der Kneipe, ob ich den Hund damit füttern darf. Ich glaube er fand es etwas komisch, dass ich überhaupt frage und meinte, dass ich ihm gleich das komplette Gerippe vom Huhn hinschmeißen soll. Fand ich lustig, weil ich mir vorgestellt habe, wie ich in Deutschland in einem Restaurant sitze, mit den Fingern in der Suppe rumfische, Knochen zerteile und einem riesigen stinkenden Köter, der neben meinem Tisch sitzt in den Rachen werfe. Zumal in Deutschland ja gleich alle Hundebesitzer bei dem Wort "Hühnerknochen" aufschreien, weil das ja lebensgefährlich sein könnte.....oder so :)
Naja, er hat es jedenfalls überlebt und wir waren den Rest des Tages die besten Freunde.


 Es war ein perfekter Tag und ich habe seit langem mal wieder NICHTS gehört. Als wir nämlich ankamen und aus dem Bus gestiegen sind, kamen wir uns beide vor, als wären wir taub, weil einfach die absolute Ruhe herrschte. Das kann man sich vielleicht nicht vorstellen, aber hier in Bogotá ist IMMER irgendein Hintergrundgeräusch zu hören. Auch nachts! Jetzt zum Beispiel ist es hier 12 Uhr nachts und ich höre aus ungefähr 3 verschiedenen Nachbarhäusern Musik und ab und zu einen Lkw, der vorbeifährt. Über die Geräusche (oder auch Lärm!) am Tag könnte ich wohl eine Seite schreiben. Das, was man am meisten hört ist natürlich der Verkehr, schlechte Musik, Alarmanlagen und Flugzeuge.
In Guatavita hörte man tatsächlich NICHTS. Das war echt mal entspannend aber irgendwie auch unheimlich.
So, dann war ich noch im Theater, das ich entdeckt habe. Das ist 2 Minuten von meinem Haus entfernt und total schön. Ein altes Haus, klein und das gibt es schon seit 30 Jahren. Das Stück, was ich mir angeschaut habe handelte von den Personen, die immer wieder verschwinden, weil sie von irgendeiner der bewaffneten Gruppen entführt werden und von den hinterbliebenen Angehörigen, die mit der Situation leben müssen und nicht wissen, was mit ihren (meistens Söhnen) passiert ist, ob sie noch leben oder nicht, ob sie irgendwann wieder auftauchen oder eben nicht. Das Stück war wirklich bewegend und währenddessen habe ich ein paar Leute weinen gehört. Ich glaube, es sind hier wirklich mehr Leute betroffen, als man denkt. Ich habe auch ein Mädchen kennengelernt, deren Vater vor ein paar Jahren entführt wurde. Der war wohl in irgendeinem Vorstand, wurde entführt und nach ein paar Wochen gegen Geld wieder freigelassen. So finanzieren sich viele der bewaffneten Gruppen (neben den Geschäften mit Drogen). Jetzt ist er in psychologischer Behandlung.
Was für ein Horror!
Naja, jedenfalls habe ich den Direktor vom Theater kennengelernt und sofort die Tatsache ausgenutzt, dass er Deutschlandfan ist. Er hilft mir jetzt mit Informationen zu meinem Theaterprojekt aus. 
Die Projekte laufen gut! Ich habe letzte Woche eine sehr gute Rückmeldung bekommen, was mich wirklich gefreut hat, weil ich ja jetzt schon wochenlang daran arbeite. Ich arbeite sehr selbstständig, was gut ist, weil ich mir meine Zeiten selber einteilen kann und mir keiner auf die Finger schaut.
Es ist also alles wunderbar. Ich kann mich über nichts beschweren und freue mich des Lebens :)
Ihr euch hoffentlich auch.


Kolumbien: Das Land der leckersten Nachtische der Welt!