Sonntag, 31. März 2013

Post 7 Kolumbien


Ich habe Sonnenbrand! Das ist natürlich schlecht für die Haut, bedeutet aber, dass ich in der Sonne gelegen habe und gutes Wetter hatte! ;)

In Bogotá ist es eigentlich immer eher kühl. Und bewölkt. Was ich gut finde, weil ich keine Hitze mag.

Aber letztes Wochenende war ich mit Nelly 3 Tage lang auf einer Geburtstagsfeier in einem „Dorf“ außerhalb von Bogotá, wo es echt heiß war! Tropisch! Und dabei sind wir nur 2 ½ Stunden gefahren. Naja, Bogotá liegt ja auch sehr hoch.

Jeeeedenfalls sind wir um 6 Uhr morgens losgefahren, um nicht in den Osterferienverkehr zu geraten, was nur mäßig funktioniert hat, weil wir noch durch die halbe Stadt gefahren sind, um Familienmitglieder aufzusammeln. Also standen wir um 8 Uhr morgens doch im Stau. Dabei fiel mir auf, dass hier extrem viele Frauen Motorrad fahren. Überhaupt gibt es hier sehr viele Motorradfahrer und ich will nicht wissen, wie viele davon sich hier jedes Jahr totfahren. Die spinnen zum Teil echt! Ich kann ja verstehen, dass man keine Lust hat, Ewigkeiten in diesem kranken Verkehr zu verbringen aber wie sich hier manche Motorradfahrer durch den Verkehr schlängeln ist nicht mehr lustig.

Naja, ich sitze ja eh meistens im Bus, wo ich auf  jeden Fall die sicherere Position habe, weil die Busfahrer nämlich immer einfach alle von der Spur schieben  und sich so vordrängeln. Sehr praktisch!

Zurück zum Wochenende. Nach 2 ½ Stunden kamen wir also in der Finca an, die die Cousinen (ich glaube, es waren die Cousinen) von Nelly gemietet hatten.

Ich hatte ehrlich gesagt mit einem kleinen Ferienhaus und 10 Leuten gerechnet aber das war untertrieben. Ich war noch nie auf einer Finca und war ganz schön beeindruckt, als uns der „Hausmeister“ das Tor zum Anwesen öffnete. Es gab 2 große Häuser mit 6 Schlafzimmern, einen riesigen Pool mit Jacuzzi, eine große Küche und ein offener Saal mit Palmendach und Bar. Dann noch einen Billardtisch, Tischtennis und ein komisches Spiel, zu dem ich später noch etwas schreiben werde. Das alles auf einem großen Gelände mit riesigem Garten und Orangen- und Zitronenbäumen und das Beste: Papageien!! Einfach so….im Baum im Garten! Schön!





 






















Es kamen ungefähr 30 Personen (alles Familie), um den 50 Geburtstag von irgendeinem Cousin und den 90. Geburtstag von der Oma zu feiern. Die Angestellten in der Finca kochten jeden Tag und so bestand das Wochenende aus Essen und am Pool liegen! Kann ich mit leben!

Abends wurde dann gefeiert. Zu meiner großen Freude feiert Nellys Familie gerne Mottoparties. An einem Abend war das Motto „Frau zu Mann, Mann zu Frau“ und am nächsten Abend „traditionelle kolumbianische Trachten“. Gott sei Dank hatte ich die Ausrede, dass ich von nichts wusste und sowieso keine Verkleidung aus Deutschland mitgebracht habe. Ich HASSE Kostümparties!

Obwohl die hier ganz lustig waren. Und da wir in Südamerika sind, wird hier nicht nur herumgesessen und sich gepflegt unterhalten, sondern zuerst präsentiert jeder tanzend sein Kostüm, danach wird die Pinata von der Decke geschlagen, alle stürzen sich auf die Süßigkeiten, die rausfallen und anschließend wird getanzt.

 Gut, dass ich in Guatemala Tanzstunden genommen habe. Ich muss zwar noch üben, aber Salsa tanzen kann ich schon mehr oder weniger….wenn mich jemand gut führt.

Ich wollte noch etwas zu dem Spiel schreiben, das wohl typisch in dieser Region ist. Ich bin mir sicher, dass dieses Spiel von Männern für Männer erfunden wurde! Vorurteile hin oder her, aber das ist sowas von gemacht für Männer! Und zwar schmeißt man aus einer Entfernung von ungefähr 7 Metern eine schwere Metallscheibe auf einen Holzkasten, der mit Matsch gefüllt ist. Eher etwas festerer Matsch…..etwa so wie Lehm. Und in der Mitte vom Holzkasten stecken im Matsch 4 rote Pfeile, die explodieren, wenn man sie mit der Metallscheibe trifft. Dann gibt es einen riesigen Knall und alle grölen laut rum. Das Team, das mehr Explosionen schafft gewinnt logischerweise. Den getroffenen Pfeil tauscht man dann nach jeder Explosion aus, weil jeder Pfeil nur einmal explodieren kann.  Neben der „Bahn“ gab es in diesem Fall einen riesigen Bambusstamm, in den Löcher gebohrt wurden, um die Bierflaschen reinzustellen.

Mir kann kein Mann erzählen, dass er dabei keinen Spaß hätte; Bier, Metall, Matsch, Explosionen….

Ich wollte auch mal werfen, konnte aber kaum die Metallscheibe halten, weil sie so schwer war.

Im Pool mache ich mich sowieso besser hehe.

War ein schönes Wochenende und ich konnte ein paar Leute kennenlernen. Mit einem der Enkel, der so alt ist wie ich, habe ich mich gut verstanden und er will mir bald mal die Stadt zeigen und mich auch abends mitnehmen. Alleine gehe ich hier nämlich nicht weg!

Das muss ich jetzt aber sowieso nicht mehr, weil ich ja umgezogen bin! Seit ein paar Tagen wohne ich nicht mehr bei Nelly, sondern zusammen mit Jorge, Marco und Oscar. Kolumbianer, Italiener und Spanier. Oscar, der Spanier spricht sogar deutsch. Praktisch. Den sehe ich aber kaum, weil er so lange arbeitet.

Die anderen beiden sind super lustig! Als ich mir das Haus angeschaut habe, hat Jorge mir gar nicht den Proberaum gezeigt, den er und Marco eingerichtet haben. Der ist voll mit Instrumenten. Jorge hatte mir zwar erzählt, dass er und Marco Musik machen, aber ich wusste nicht, dass sie sooooo viele Instrumente spielen und auch noch singen und ihre eigene Band haben. Richtig gut! Ab nächster Woche kommen noch ein Schlagzeuger und ein Bassist dazu.

Die machen irgendwie alles aber hauptsächlich Jazz mit ganz unterschiedlichen Einflüssen. Alles sehr ….speziell….irgendwie hehe.

Macht Spaß! Ich war bis jetzt jeden Abend im Proberaum mit dabei (ist ja gleich neben der Küche) und hab zugehört. An meinem zweiten Abend war noch eine Freundin von Marco da, die super gut tanzen kann und mir gezeigt hat wie man trommelt. Die haben so kleine Handtrommeln, die ich jetzt lerne zu spielen, dann kann ich mitspielen und nicht nur zuhören. Und egaaaal wie lange man Musik macht, kein Mensch beschwert sich! Nachbarn haben wir zwar, aber die feiern anscheinend selber bis in die Puppen. Auch praktisch!

Die Küche....pinker Kühlschrank!! Rechts geht raus in den Mini-Innenhof


Mini-Innenhof. Blick aus meinem Fenster.
 Jedenfalls fühle ich mich total wohl und die drei sind super lieb. Jorge hat mir das komplette Viertel gezeigt, mich vorgestern zum Busbahnhof begleitet und sich bis jetzt jeden Tag per SMS erkundigt wie es mir geht und was ich mache. Ich  bin also gut untergebracht.


Mein kleines Zimmer


Ja und dann war ich die letzten 2 Tage in einer kleinen kolonialen Stadt ungefähr 4 Stunden von Bogotá entfernt. Ich wollte die Osterfeiertage noch ausnutzen, um die Gegend kennenzulernen, weil ich dann erst mal nicht mehr so lange frei haben werde. Also bin ich mit dem Bus von Donnerstag bis Samstag nach Villa de Leyva gefahren, wo es wiiiirklich schön war!

 Leider habe ich die Feierwütigkeit der Katholiken an Ostern unterschätzt und als ich am Donnerstag Abend dort ankam waren die Hostels total überfüllt und ich war kurz vorm Verzweifeln. Die gepflasterten kleinen Straßen waren voller Menschen und ich mit meinem riesigen Rucksack lief stundenlang herum, auf der Suche nach einem Zimmer. Unmöglich! Gott sei Dank hatte die Touristennformation noch auf, wo ich dann um Hilfe bat. Nach endlosem erfolglosen Herumtelefonieren hatte die Mitarbeiterin der Touriinfo Mitleid mit mir und bat mir das Sofa in ihrem Haus an. Das Angebot habe ich dann auch angenommen und letztendlich hat noch eine Italienerin mit mir dort geschlafen. Ich im Bett vom 5-jährigen Sohn, der Gott sei Dank nicht da war und die Italienerin auf dem Sofa. Schönes Haus. Leider sehr alt und das Bad und die Küche lagen im Freien, so dass ich meinen geliebten altbekannten Kakerlaken wiederbegegnete.

Hatte ich ja schließlich schon seit einer Weile nicht mehr gesehen. Welche Freude. Aber ich muss wirklich sagen, dass man sich an den Anblick gewöhnt. Wenn mir in Deutschland im Bad so ein riesiges Vieh begegnen würde, würde ich wahrscheinlich ausflippen. Aber hier bin ich erstaunlicher Weise sehr entspannt. Bleibt mir ja auch nichts anderes übrig.

Naja in der zweiten Nacht habe ich dann ein Zimmer in einer schönen Unterkunft gefunden.

Ich hatte genug Zeit, um mir die kleine Stadt anzuschauen und eine Wanderung zu machen. Ansonsten war es wirklich schön an dem großen gepflasterten Platz zu sitzen und Leute zu beobachten. Leider ziehe ich immer Menschen an, die meinen mir ein Gespräch reindrücken zu müssen. Ist bestimmt nett gemeint, aber ich habe manchmal einfach keine Lust mich zu unterhalten, was aber nie jemanden interessiert haha. Naja, so habe ich unfreiwillig eine Menge Leute kennengelernt. Kann ja nicht schaden.
 
Gepflasterter Platz in Villa de Leyva. Ist wohl einer der größten in Südamerika....Weil Ostern war und super viele Touristen unterwegs, war auch die Polizei präsent. Das sind die in gelb.


Jetzt bin ich wieder im Haus in Bogotá und morgen beginnt eine neue Arbeitswoche.
Das Haus liegt näher an der Arbeitsstelle, als das von Nelly und ich muss nur 10 Minuten laufen. Das ist gut, weil ich dann in der Mittagspause auch mal nach Hause gehen kann.

So, das waren die News.

Besitos

Freitag, 15. März 2013

Post 6 Kolumbien + Fotos



So, zuallererst müsst ihr euch den „Blumenstrauß“ anschauen, den ich an meinem Geburtstag vor meiner Zimmertür stehen hatte. Lustig, weil es aussieht wie die Gestecke, die man bei uns auf die Gräber stellt.
Meine Eltern hatten Nelly wohl erzählt, dass ich gerne bunte Blumensträuße mag und dass sie mir zum Geburtstag ein paar Blumen im Namen meiner Eltern schenken soll. Ja….das hat sie dann auch gemacht. Ich hab mich zwar zuerst kurz erschreckt, aber dann gefreut weil die Blumen echt schön sind! Im „Strauß“ steckt irgendwo noch ein Plüschhund und der Luftballon. So ungefähr stelle ich mir dann auch mein Grabgesteck vor hahaaaaa. Schön bunt! ….Scherz

 Der Tag war eh schön. Ich habe einen Kuchen gebacken! Eine Fertigmischung ….versteht sich. Den hab ich mit auf die Arbeit genommen und im Büro verteilt. So macht man sich beliebt!

Alle waren super nett und haben mich abgeknutscht. Abends hat Nelly als Überraschung noch 3 Arbeitskollegen eingeladen, die ich auch schon kannte und wir haben die traditionelle kolumbianische Suppe  „Aijaco“ gegessen, die Nelly extra für mich gekocht hat und die wiiiirklich lecker ist. 


Yeeey, Geburtstag!! Da ich in der Küche nicht zu brauchen bin, durfte ich den Tisch decken.
 
Suppe mit Reis und Avocado und  selbstgemachter Saft aus einer Frucht, deren Name ich vergessen habe.
 
So, außerdem war ich am internationalen Frauentag auf einem Konzert von Andrea Echeverri. Ist eine kolumbianische Sängerin; ich würde sagen Feministin (nicht negativ gemeint) die aber auch international bekannt ist. In Deutschland wohl eher nicht so. Ich wusste gar nicht, dass sie soooo bekannt hier ist, aber als ich auf der Arbeit erzählt habe, dass ich auf dem Konzert war, habe ich anerkennende Kommentare geerntet ;) War auch echt ein gutes Konzert. Eigentlich kritisiert sie in vielen Liedern die politische Situation in Kolumbien und welche Auswirkungen das alles auf die Bevölkerung  hat. An ein Lied erinnere ich mich besonders, weil sie das den Müttern von 23 jungen Männern gewidmet hat, die im Jahr 2008 verschwunden sind und dann in einem Massengrab tot aufgefunden wurden. Das war hier ein riesen Skandal! Ich hab mal von der Zeitung „Welt“ einen kurzen Abschnitt kopiert damit ihr wisst warum: "Falsos positivos" – "falsche Erfolge" werden sie genannt, die jungen Männer, die in Kolumbien für Prämien und Statistiken getötet wurden. Damit die Armee Siege im Kampf gegen die Rebellen melden konnte, wurden Tausende Zivilisten in Krisengebiete gelockt, ermordet und als gefallene "Terroristen" deklariert. Denn jeder tote Guerillero ist für die Regierung ein Erfolg, ein "positivo".
Jedenfalls liefen im Hintergrund  während dem kompletten Konzert zu jedem Lied kleine Filme auf einer riesigen Leinwand und bei diesem Lied waren die Familienangehörigen der toten Männer zu sehen. Das ging wirklich unter die Haut. 
Wen es interssiert: Hier ist ein Video. Das ist zwar nicht das Konzert, auf dem ich war, aber das einzige Video, das ich gefunden habe, wo man auch die Leinwand halbwegs gut sieht.

  
Hier ist generell vieles sehr politisch geprägt und es gibt Theaterstücke, Konzerte, Vorträge usw. die die verschiedenen Konflikte im Land thematisieren.
Gestern war ich z.B. auf einer Veranstaltung, für die ich mir extra frei genommen habe, bei der es um die Friedensverhandlungen zwischen der Guerilla (die hier FARC heißt) und der Regierung ging.

Leider muss ich sagen, dass ich nicht alles verstanden habe. Das Sprachniveau war zu hoch für meine Spanischkenntnisse und agesehen davon, dass es politische und sehr spezifische Themen waren, haben zumindest alle kolumbianischen Referenten viel zu schnell gesprochen. Die Ausländer verstehe ich immer gut hehe. Aber ich bin motiviert mich in das Thema einzuarbeiten. Ist ja auch sehr interessant. Wenn auch komplex!
Außerdem war  ich im Puppentheater! Das war schön! Deutschland soll auch eine Puppentheaterkultur haben! Die Zusammenarbeit mit den 2 Puppenspielern wird bestimmt gut!

Inzwischen verstehe ich das Bussystem auch besser. Es ist aber echt  eine Qual mit den Dingern zu fahren. Erstens sind sie mini klein…..gut, die meisten Kolumbianer sind auch eher klein, aber es gibt ja auch große Menschen hier und wenn der Bus voll ist, muss ich (weil ich zu den großen Menschen zähle) wenn ich  keinen Sitzplatz habe, iiiiirgendwie schief im Gang stehen, damit ich mir nicht ständig den Kopf anstoße. Deswegen vermeide ich das Busfahren. Mit den großen modernen Bussen bin ich noch nicht gefahren. Für diese Busse gibt es Extrastraßen, weil sonst gar nichts mehr voran ginge. Dieses neue und moderne Bussystem heißt "Transmilenio". Gibts noch nicht so lange.Man kommt also etwas schneller an und zahlt dafür ein bisschen mehr. 
Außerdem wurde hier ein System eingeführt, um den Verkehr zu entlasten. Und zwar dürfen alle Autobesitzer an bestimmten Tagen ihr Auto nur zu bestimmten Uhrzeiten benutzen. Wenn z.B. die letzte Zahl auf dem Nummernschild eine ungerade Zahl ist, darf dieses Auto z.B. dienstags nicht in der Zeit von 6.00 - 8.30 fahren. Oder von 15.00-18.00. So irgendwie! Das gilt für jeden Autobesitzer, weil es unmöglich wäre, ALLE Autos auf einmal fahren zu lassen. Ist aber hier kein Problem. Es gibt ja genug öffentliche Verkehrsmittel. 
Und dass mache Straßenspuren zum Feierabendverkehr nur noch "aus der Stadt heraus"  führen, habe ich glaube ich schon mal geschrieben. Man darf also morgens noch auf derselben Straße in die Stadt reinfahren, aber nachmittags führen alle Spuren nur noch nach draußen. Verrückt! Aber alles notwendig! ;)                                                                                                                                                                                                                                                  

In einem der braunen Häuser links, wohne ich derzeit noch.


 Ins Zentrum fahre ich dann am Wochenende nochmal. Würde ich laufen, wäre ich wohl so 40-50 min unterwegs. Nehme ich den Bus, bin ich genauso schnell. Toll oder?!
Im Zentrum gibt’s ein paar kleine Straßen, wo man gebrannte Filme kaufen kann und eigentlich alles, was man so braucht. Das Windows Paket kostet hier nur 2 Euro. Günstig oder?! ;)
 Ach jaaaaaaaaaa. Und der Papst wurde ja gewählt….Nicht, dass mich das groß interessiert hätte, aber auf der Arbeit gings ab! Alle haben sich ständig Nachrichten geschickt und Radio gehört bis dann ENDLICH der Rauch aus dem Schornstein stieg. Die eine Kollegin ließ einen Schrei los, sprang auf und ich hörte sie nur noch rufen: Ya tenemos un Papa! (Wir haben einen neuen Papst!)

Ich war wohl die Einzige von 80 Leuten, die weitergearbeitet hat.

Auf der Internetseite, wo ich nach Wohngemeinschaften suche, gibt es auch Gesuche, wo ausdrücklich nur Christen gesucht werden hahaha.


Apropos Wohngemeinschaft! Ich habe eine WG gefunden, die mir gefällt! Gestern hab ich mich vorgestellt und heute die Zusage bekommen. Ich weiß noch nicht genau, wann ich einziehe aber das werde ich wohl heute Abend  oder morgen erfahren. Ich werde dann mit einem Kolumbianer, einem Italiener und einem Amerikaner zusammenwohnen. Alle Anfang 30. Passt! Ich freue mich! Der Kolumbianer ist Jazzmusiker und Mediendesigner und spielt in irgendeiner bekannten kolumbianischen Band. Der Italiener ist Musiktherapeut und unterrichtet italienisch und der Ami unterrichtet englisch. So viel weiß ich schonmal ;) Dürfte ganz unterhaltsam werden. Endlich mal normale Menschen UND ein schönes Zimmer. Ich hatte die Hoffnung ja schon fast aufgegeben, bei dem, was ich bis jetzt sonst so gesehen habe. Bei Nelly ist es zwar auch super schön, aber wenn ich Leute außerhalb von der Arbeit kennenlernen will, ist es so am besten. Es ist ein großes Haus, das wir uns teilen und es ist in der Nähe von meiner Arbeit. Außerdem ist das Zimmer ruhig und echt schön :) Wenn ich eingezogen bin, schicke ich Bilder.


So viel erst mal von mir.

Danke übrigens an alle, die mir am Geburtstag geschrieben haben und die, die mir Karten und Päckchen mitgegeben haben. Ich hab alles schön unter dem Grabgesteck aufgebaut wie ihr seht ;)

Ich hab mich wirklich gefreut!!! 



Besitos

Oma, ich hab für dich das Café "Oma" fotografiert, das es hier überall in der Stadt gibt ;)

Freitag, 8. März 2013

Post 5 Kolumbien + Fotos






Schon eine Woche gearbeitet! Ich fürchte, ich bin nicht mehr daran gewöhnt regelmäßig früh aufzustehen und bis 17 Uhr zu arbeiten. Wenn der Wecker klingelt, fühlt es sich im Moment noch so an, als wäre ich gerade erst eingeschlafen. Tja, das ist dann wohl das WIRKLICHE Leben. 
Egal! Das Wichtigste ist, dass ich gerne aufstehe und das tue ich! Das kann sich natürlich ändern, aber diese Woche war super gut!
Wie ich ja schon geschrieben habe, ist die Organisation größer, als ich es erwartet hatte und alles ist super professionell organisiert. Nochmal kurz für die, die es noch nicht mitbekommen haben: „Plan“ ist eine international vertretene Nichtregierungsorganisation und hier in Kolumbien liegt der Fokus auf der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und ihren Familien, die aufgrund des bewaffneten Konfliktes vertrieben wurden. Die zweite Zielgruppe sind Afrokolumbianer/innen, die hauptsächlich an der Karibikküste leben, die genau wie die vertriebenen Familien zu der ärmsten und am benachteiligsten Bevölkerungsgruppe zählen. Besonderer Schwerpunkt ist die Arbeit mit Mädchen und Frauen, die wegen ihres Geschlechtes in mehrfacher Hinsicht diskriminiert werden. So, das muss reichen. Wen es interessiert, der kann ja googeln.

Es gibt mehrere Abteilungen und jede ist für irgendetwas anderes zuständig, aber trotzdem arbeiten irgendwie alle zusammen. Das habe ich noch nicht ganz durchschaut. In der Abteilung, in der ich arbeite, sitzen noch 8 andere Personen, die aber eigentlich nie alle gleichzeitig da sind, weil ständig irgendeine Versammlung stattfindet. Die Leute sind alle super nett zu mir und zum Teil wirklich lustig. Und das Beste ist, dass der Typ, der neben mir sitzt sogar deutsch spricht. Ist aber Kolumbianer. Wir unterhalten uns aber trotzdem auf Spanisch….der Höflichkeit halber. 
Mein Spanisch hält sich noch in Grenzen. Ich verstehe zwar alles und kann mich auch unterhalten, aber es nervt mich natürlich, dass ich mich nicht so ausdrücken kann, wie ich es gerne möchte und mit (noch) stockendem Spanisch klingt alles natürlich nur halb so klug hehe.

Jeeeeeedenfalls werde ich in den nächsten Monaten an 2 großen Projekten mitarbeiten. Das eine ist die Erstellung einer Datenbank, in der ALLE bisher gesammelten Informationsmaterialien über die Arbeit von Plan gesammelt und veröffentlicht werden sollen. Wie schön, dass ich von Datenverarbeitung keinen blassen Schimmer habe. Gott sei Dank hilft mir einer aus der Kommunikationsabteilung, was gut ist, weil er so alt ist wie ich und ich so auch Leute aus den anderen Abteilungen kennenlerne. 
Das zweite ist ein Projekt, was glaube ich richtig gut wird. Und zwar hat hier in Kolumbien das Puppentheater eine lange Tradition (Marionetten). Und es gibt zwei Brüder, die Puppenspieler und hier in Kolumbien super bekannt sind. Die arbeiten schon eeeeewig im Theater und haben mehrere Stücke geschrieben und gespielt. Jetzt haben sie für „Plan“ ein Theaterstück geschrieben, dass die Themen „Familiäre Gewalt“, „Alkoholmissbrauch“, „Gewalt in Schulen“ und „Diskriminierung“ aufgreift und überall im Land aufgeführt werden soll, wo „Plan“ präsent ist und wo genau diese Probleme besonders häufig sind. Heute habe ich das Skript gelesen! Von wegen Kasperltheater. 
Da fragt kein blöder Clown ins Publikum, ob schon alle da sind, um dann Bonbons durch den Raum zu werfen. Nix! Hier unterhalten sich die Puppenkinder darüber, wie sich ihre Eltern betrunken vermöbeln oder die Puppeneltern über den Tod ihrer Kinder, die an Unterernährung gestorben sind. Dürfte interessant werden! An der Umsetzung des Projektes werde ich jedenfalls beteiligt sein, was viel Arbeit bedeutet, aber bestimmt Spaß macht.

Einen der beiden Puppenspieler habe ich schon kennengelernt und wir haben uns gleich gut verstanden. Er hat mich zu einem ihrer Stücke eingeladen, was am Sonntag gespielt wird. Das ist aber nicht das, was sie für „Plan“ geschrieben haben. Ich freue mich schon, weil ich noch nie im Puppentheater war und vielleicht lerne ich ja ein paar nette Leute vom Theater kennnen. 
Außer den zwei Projekten, werde ich wohl die Gelegenheit haben, entweder mit dem Sozialarbeiter oder dem Anthropologen durchs Land zu reisen und bei der Evaluation von Projekten zu helfen. Das dauert aber wohl noch etwas.
Soviel zu meinen Aufgaben.

Ansonsten geht es hier wirklich entspannt zu. Alles, worauf ich achten muss ist, dass mir keiner mein Zeug klaut. Es ist NICHT so, dass an jeder Ecke jemand darauf wartet mich auszurauben, aber da die Organisation in einem Viertel liegt, das fast nur aus Büros und Banken besteht, gibt es dementsprechend viele Menschen mit Geld und den ein oder anderen Taschendieb.
Von „Plan“ habe ich eine Sicherheitseinweisung erhalten, wo ich über die verschiedenen bewaffneten Gruppen in den Konfliktzonen aufgeklärt wurde. Außerdem wurden darin die möglichen „Unsicherheiten“ aufgezählt. Eine davon fand ich schön beschrieben: „Vehicle theft“ (Total or parts) hehe. 
Übersetzung für Oma und Opa: „Autodiebstahl (Komplettes Auto oder Autoteile). 
Außerdem soll ich nicht mit Fremden auf der Straße sprechen, was ich versuche zu beachten. Gestern hat mich aber zum Beispiel ein alter, verschrumpelter blinder Mann angequatscht und natürlich bin ich stehengeblieben und habe Antwort gegeben. Aber leider muss ich zugeben, dass ich durch die ganzen Warnungen, die mir alle gegeben haben, doch leicht paranoid bin und gleich vermutet habe, dass er bestimmt gar nicht blind ist und gleich sein Komplize aus irgendeiner Ecke springt, um mich zu überfallen. Das ist natürlich nicht passiert, ich habe ihm gesagt in welcher Straße er sich gerade befindet und bin schnell weitergegangen. Vorsichtig muss man schon sein, aber zu misstrauisch will ich nicht werden!

Nun zu meinen Lungen: Sie scheinen sich an den Smog gewöhnt zu haben!! Ich muss kaum noch husten! Dafür durfte ich gestern irgendein Gas einatmen, was aus selbstgebastelten Bomben bis zu uns ins Büro zog. Klingt schlimmer als es war. In der Mittagspause lag ich im Park in der Sonne, als irgendwo in der Nähe Explosionen zu hören waren. Da aber alle entspannt liegen blieben, konnte es nichts Schlimmes sein. Später kam heraus, dass an der öffentlichen pädagogischen Universität demonstriert wurde und hier ist es wohl üblich bei Demonstrationen ein paar selbstgebastelte Bomben zu werfen. Die werden jetzt nicht unbedingt auf Menschen geworfen, es geht eher um die Aufmerksamkeit, die sie erzeugen. Waren schließlich ganz schön laut! Und das Gas soll wohl die Polizisten fern halten. Die sind nämlich massenhaft an uns vorbei zur Universität gefahren.
Da das Ganze nur einen Block entfernt ist und nicht gerade wenige Bömbchen eingesetzt wurden, mussten wir die Fenster und Türen schließen, um nicht zu viel einzuatmen. Ich sollte mir das mit dem Mundschutz doch noch mal überlegen :) Also es war wirklich unspektakulär und meine Kollegen meinten, dass das hier dazu gehört und wegen jedem Mist demonstriert wird. Vielleicht hätten wir bei unserer Demo gegen Studiengebühren in Ludwigsburg auch mal ein paar Bomben werfen sollen. Dann wäre die Entscheidung vielleicht schneller gefallen hehe.
So, hier kurz mein Ausblick aus meinem Fenster:

Safety first!!
 Zur Zimmersuche: Ich habe mir noch 2 Zimmer angeschaut. Einmal hätte ich mit zwanzigjährigen bunt angepinselten Hiphop-Barbies zusammenwohnen können und das andere Mal war die Wohnung viiiiiiiiiiiiiiel zu weit von der Arbeit entfernt. Nächste Chance ist Samstag: Ein Haus mit Amerikaner, Franzose und Kolumbianerin….klingt gut….das taten die anderen Wohnungen aber auch. Wir werden sehen.
Heute Abend gehe ich auf ein Konzert anlässlich des "Internationalen Fraeuentages"....für die, die nicht mitbekommen haben, dass der heute ist.

Ich habe also bisher nichts gefunden, was mich ernsthaft stört und dementsprechend geht’s mir sehr gut.

         
Naaaa, wem kommen die bekannt vor??! Bornich is in the house!! Im Supermarkt habe ich außerdem ein Deutschlandregal gefunden.....da ist aber nur Wurst und Fleisch drin?!



Falls es so etwas wie einen Vitaminschock tatsächlich gibt, werde ich ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit erleiden! Obst gehört ja bekanntlich nicht unbedingt zu meinen Lieblingslebensmitteln. Die Einstellung kann ich hier natürlich vergessen!
Windelhund Verdi ;)