Dienstag, 2. März 2010

Ok, ich bin schon wieder zurück in Guatemala aber werde noch von meiner Reise berichten.
Der letzte Stand war Matagalpa. Eine kleine Stadt im Hochland Nicaraguas, wo Kaffee angebaut wird.
Ich habe also eine Kaffeefinca besucht, die ursprünglich von deutschen Einwanderern gegründet wurde. Es war super interessant über den Anbau und die Produktion zu lernen. Das magische Wort ist "kompostieren" und wirklich ALLES...von menschlichen, bis tierischen und pflanzlichen Abfallprodukten wird in irgendeiner Form recycelt und wiederverwendet.
So habe ich zum Beispiel gelernt, wie aus menschlichen Ausscheidungsprodukten Gas zum Kochen hergestellt wird. Das riiiiiiiesige Gelände ist wie eine große Versuchsfabrik, wo mit Bakterien und natürlichen Gesteinen die verrücktesten Methoden ausprobiert werden.
Aber zuerst habe ich unfreiwillig eine kleine "Wandertour" gemacht, was mich schon total überanstrengt hat, da ich ja seit ungefähr anderthalb Jahren ja keinen Sport mehr getrieben habe. Der Weg im Wald war Gott sei Dank im Schatten, so dass ich überlebt habe. Leider habe ich keine Affen gesehen, die es angeblich geben soll. Ehrlich gesagt war icih erleichtert dass ich keine getroffen habe. Vielleicht hätten sie mich attackiert....naja, vielleicht auch nicht!
Und ich habe gesehen aus welchen Abfallprodukten Instantkaffee hergestellt wird. Nicht, dass ich viel Kaffee trinke, aber sollte ich mich dann doch dazu entscheiden wird es kein Instantkaffee sein. Pfui!
Bezüglich Nicaragua füge ich hinzu: Nicaragua....das Land der Männer, die sich die Fingernägel am Daumen langwachsen lassen...warum auch immer. Jemand hat mir erzählt, dass viele Männer die als Schreiner arbeiten die Fingernägel für die Arbeit nutzen...als Ritzwerkzeug sozusagen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das glauben soll!
Ich füge weiter hinzu: Nicaragua...das Land, in dem die Platanos (eine Art männliche Banane :)...muss man kochen oder fritieren) nicht längst, sondern in Scheiben geschnitten und zubereitet werden.
Außerdem hatte ich das Gefühl, dass Plastiktüten in Nicaragua noch beliebter sind als in allen anderen Ländern Zentralamerikas. Das Umweltbewusstsein hier ist so gut entwickelt wie das Abwassersystem...nämlich überhaupt nicht!
Überall stehen Verkäufer mit Getränkekisten herum...voll mit Glasflaschen. Da sollte man doch meinen das wäre umweltbewusst.
Aber natürlich kauft jeder ein Getränk zum Mitnehmen und weil man die Glasflaschen ja zurückbringen müsste und überhaupt das Glas ja recht schwer ist, wird das Getränk in eine Plastiktüte gefüllt, ein Plastikstrohhalm reingesteckt und fertig ist das Getränk zum Mitnehmen. Ach nein....Vorsichtshalber wird die Plastiktüte noch in eine andere Plastiktüte gesteckt, ist schließlich stabiler.
Und wer Wasser trinken will kauft es sich sowieso in Plastiktüten, das gibt es nämlich schon fertig abgepackt. Die Tüten schmeisst man ganz einfach aus dem Busfenster oder an den Straßenrand zu den anderen zweitausend Tüten, die schon dort liegen.
Ein anderer guter Ansatz ist, das Essen zum Mitnehmen in ein Bananenblatt zu wickeln. Die Idee wird aber auch zunichte gemacht, wenn das Bananenblatt dann auf einen Styroporteller und anschließend in eine PLASTIKTÜTE gesteckt wird. Natürlich darf das PLASTIKbesteck nicht fehlen!
Selbst wenn ich nur 2 klitzekleine Sachen in einem Geschäft kaufe, kommt eine klitzekleine Plastiktüte zum Vorschein und ehe ich es verhindern kann ist alles verpackt!
Im Bus koennte ich jedesmal aufschreien, wenn jemand ganz selbstverständlich das Fenster öffnet und seinen Müll rauswirft. Ist schon interessant wie unterschiedlich wir auf die Umwelt bezogen erzogen sind. Wenn ich wirklich versuchen würde jedesmal eine Predigt zu halten und die Leute daran zu hindern ihren Müll aus dem Fenster zu werfen wäre ich pausenlos beschäftigt und würde mich höchstwahrscheinlich extem unbeliebt machen.
Ich füge weiter hinzu: Nicaragua...das Land der Mandarinen. Die werden ÜBERALL verkauft.
Außerdem sagt man in Nicaragua nicht "Buenos días" wenn man sich auf der Strasse trifft...sondern "Adios". Was ich persönlich gewöhnungsbedürftig finde.
So, jedenfalls habe ich dann in Matagalpa den Kerl getroffen, mit dem ich schon in El Salvador im gleichen Hostal gewohnt habe. Wir haben dann noch gemeinsam die Stadt angesehen und ich bin kurz drauf weiter nach Granada gereist.
Granada ist schön, aber San Cristobal in Mexiko ist nicht zu toppen! Es war so unglaublich heiss, dass ich jede Minute die ich konnte vorm Ventilator im Hostal verbracht habe.
Die Häuser im Kolonialstil sind extrem schön, aber es gab nicht wirklich viel zu tun. Wobei ich auch gestehen muss, dass ich aufgrund der Hitze einige Sachen nicht gemacht habe, die vielleicht interessant gewesen wären.
Den gleichen Kerl aus El Salvador und Matagalpa nochmal zufällig in Granada getroffen. Zentralamerika ist so ´klein und alle reisen an die gleichen Orte!
Letztlich wurde ich krank, weil ich zu viel vorm Ventilator saß und bin mit einer extremen Erkältung auf die Insel Ometepe, die im See von Nicaragua liegt.
Mit einer Fähre aus Holz über den extrem welligen See. Ich konnte mir gut vorstellen, wie sich die Sklaven früher in den alten Holzschiffen gefühlt haben. Überfüllter Raum, vollgepackt mit Menschen und Tieren, ein Schiff, das bei jeder Welle knarzt und kracht als würde es gleich auseinanderfallen. Wenigstens musste ich nicht rudern!
Heil angekommen und das schönste Hostal gefunden!
Das Hostal ansich war eigentlich gar nicht sooo schön, aber die Lage und die Leute waren der Knaller!
3 kleine Häuser. Eins, in dem die Besitzer wohnen, eins aus Stein für die Gäste und eins aus Holz...auch für Gäste und billiger als das Steinhaus. Der Garten voll mit Bäumen und der Strand 20 m den Sandhügel hinunter. Da es ja eine Insel in einem See ist, ist das Wasser logischerweise Süßwasser und relativ sauber. Sandstrand für mich alleine....perfekt! Hab mir auch gleich mal wieder einen Sonnenbrand geholt. So fange ich meine Strandurlaube ja immer an.
Ich war jedenfalls extrem müde von der Reise und hatte glaube ich auch Fieber. Also erstmal nur geschlafen und in der Hängematte rumgegammelt. Die Besitzer waren 2 Schwestern in meinem Alter und es wohnte noch ein 18 jähriger Amerikaner dort, der als Voluntär die Garten und Reparaturarbeiten erledigte. Er ist Musiker und hat all seine INstrumente und Aufnahmegeräte mit auf die Insel gebracht.
Ich bin eine Woche dort geblieben und die letzten Tage durfte ich umsonst essen und schlafen, was echt super nett war.
Es gibt eine Quelle auf der Insel mit kristallklarem Gebirgswasser, die ich mit Jared, dem Ami, an einem Tag besuchte. Da wir nicht zurücklaufen wollten fragten wir einen Traktorfahrer, ob er uns mitnimmt, was auf der Insel normal ist, weil es kaum Busse gibt. Jared mit seiner Gitarre unterhielt dafür den Fahrer, der plötzlich Lust bekam auch mal zu spielen, das Lenkrad losließ und die Gitarre übernahm. Jared schnell das Lenkrad in die Hand und so fuhren wir, der Fahrer die Gitarre spielend und singend, Jared von der Seite aus lenkend und ich mich schlapp lachend auf dem blauen Traktor über die holprige kleine Straße auf der Insel. Definitiv eins der Highlights meiner Reise. Hätte uns ja gerne mal gesehen!
Später im Bus nochmal den Kerl aus El Salvador, Matagalpa und Granada getroffen!
Am nächsten Morgen im Bad bin ich dann meinem ersten Skorpion begegnet. Hätte ich auch drauf verzichten können! Und da wir ja in Zentralamerika sind kam Jared heldenhaft mit seiner Machete angerannt und hat ihn in 2 Stücke gehackt. Er würd es zwar nicht zugeben, aber er hatte echt Schiss hehe.
Schließlich habe ich noch das Heim von NPH, meiner Organisation, auf der Insel besucht. Es ist ganz anders als in Guatemala und hat weniger Kinder. Ich hätte nie ein Jahr in dieser Hitze arbeiten können! Aber es war ein schönes Gefühl mal wieder unter so vielen Kindern zu sein. Hab es ja fast schon ein bisschen vermisst!
Nach einer wunderschönen, extrem entspannenden Woche auf der Insel bin ich schließlich zurück nach León, von wo aus ein Bus direkt nach Guatemala fuhr.
Der Bus war voll mit Ex Drogenabhängigen, die zu irgendeiner kirchlichen Versammlung nach Guatemala fuhren. Die ganze Busfahrt über lief christliche Musik, die natürlich alle auswendig singen konnten, weil sie von einer kirchlichen Organisation kamen. Sehr unterhaltsame 20 stündige Fahrt! Tausend Polizeikontrollen mit Hunden und allem drum und dran!
Jetzt bin ich zurück in Antigua und habe ein kleines Zimmer im Zentrum. Ein Innenhof, Internet, eine Frau die putzt, Küche und Esszimmer! Perfekt!
Gleich gehe ich in die Tanzschule. Will noch schnell Salsa lernen, bevor ich zurückkomme.
Am 30. März habe ich meinen Rückflug. Bis dahin werde ich die Zeit in Antigua verbringen, mich von allen verabschieden, die ich letztes Jahr kennengelernt habe und eventuell noch eine Kampagne für ein Projekt starten, das ich über meine Arbeitskollegin bei NPH kennengelernt habe.
Also habe ich noch eine Menge zu tun.

1 Kommentar:

*nadine* hat gesagt…

Hey Meikilein,
das ist mal ne Story! Ich liebe deine Geschichten, die sind immer so schön anschaulich erzählt ;-) Wenn du wieder da bist, wirst du mir jeden Abend eine Einschlaf-Geschichte erzählen können hihi.
Freu mich jedenfalls schon ganz doll auf dich! besos :-*