Ich habe mich schon lange nicht mehr
gemeldet. Zum Einen, weil ich sehr beschaeftigt war und zum Anderen weil
gleichzeitig nicht besonders viel Spannendes passiert ist.
Jetzt bin ich in meiner letzten Praktikumswoche angekommen und habe mehr Zeit. Morgen ist mein letzter Tag in Plan!
In den letzten Wochen wurde ich noch in
ein super interessantes Projekt mit einbezogen, zusammen mit den Leuten
aus dem Bereich “Kommunikation”, was Spass gemacht hat, weil der eine
Kollege so alt ist wie ich und wir
uns gut verstehen.
Jedenfalls habe ich ueber Online
Fundraising Strategien recherchieren muessen und wirklich viel gelernt.
Also sollte ich irgendwann mal mein eigenes Projekt leiten, bin ich
vorbereitet, wenn es ums Spenden sammeln
geht. Am Ende musste ich alles vor der Direktorin und einem Mitarbeiter
aus England praesentieren, was zwar eine gute Uebung war, aber ich war
wirklich nervoes. Trotzdem schoen, dass mir so viel Verantwortung
uebertragen und meine Arbeit wertgeschaetzt wurde.
Ich habe waehrend der fuenf Monate sehr selbststaendig arbeiten koennen
was mir echt gut gefallen hat. Und wenn ich Fragen hatte, konnte ich
immer jemanden ansprechen. Das war fuer mich die perfekte Art und Weise
um zu arbeiten, weil ich es nicht mag, wenn
mir staendig jemand auf die Finger schaut.
Eigentlich haette ich nochmal mit “Plan”
verreisen sollen, aber da es Demonstrationen im ganzen Land gegen den
illegalen Goldabbau gab, war die Situation etwas angespannt und kein/e
Mitarbeiter/in von Plan durfte in
die Gemeinden gehen, um dort zu arbeiten. Da das aber das Ziel der
Reise gewesen waere, fiel sie leider ins Wasser.
Der illegale Goldabbau ist hier in
Kolumbien ein grosses Problem, nicht nur weil die Umwelt auf schlimmste
Weise ausgebeutet und zerstoert wird, sondern auch, weil die Menschen
aus ihren Doerfern vertrieben werden,
wenn sie in einem ressourcenreichen Gebiet leben. In den illegalen
Minen sterben ausserdem regelmaessig Menschen, weil sie ja nach keiner
Norm gebaut werden und oft einfach zusammenstuerzen und die Leute
lebendig begraben!
Auch im Goldgeschaeft haben wieder die
Guerrilla und die paramilitaerischen Gruppen ihre Finger im Spiel. Die
Regierung wohl auch. Das Geschaeft mit dem Gold ist einfach zu lukrativ!
Genauso wie das Geschaeft mit dem Kokain,
in dem so viel Geld gemacht wird, das kann sich kein Mensch vorstellen.
Da faellt mir die Geschichte ein, die mein Freund mir erzaehlt hat,
ueber Pablo Escobar, der besonders
in den achtziger Jahren eines der groessten Drogenkartelle der Welt
hier in Kolumbien geschaffen hat. Zu der Zeit, in der Pablo Escobar noch
lebte, sind ueber 10.000 Menschen ermordet worden, aus allen Schichten.
Politiker, einfache Bauern, alle die Pablo
Escobar irgendwie im Weg standen. Meine Kollegin, die in den achtziger
Jahren in Medellin arbeitete, der Stadt, in der auch Pablo Escobar
lebte, hat mir erzaehlt, dass in dieser Zeit jeden Tag Bomben explodiert
sind und fast jeden Tag jemand ermordet wurde.
Sie erzaehlte, dass die Fensterscheiben ihres Bueros mit Klebeband
fixiert waren, weil durch die staendigen Bombenexplosionen die Scheiben
zersprungen sind.
Mein Freund hat mir also erzaehlt, dass
Pablo Escobar einen eigenen Zoo hatte, um die Exkremente der Tiere zum
Transport von Drogen zu nutzen. Er verkaufte Tierexkremente als Duenger
und verpackte die Drogen darin,
damit die Drogenhunde sie nicht erschnueffeln. Und das ist nur eine der
kreativen Ideen, die Pablo Escobar hatte, um das Kokain zu
transportieren und zu verkaufen.
Die Drogenhunde wurden und werden
immernoch sehr oft von den Drogenhaendlern oder deren Mittelmaennern
erschossen. Es gibt Drogenhunde, die sind sehr sehr sehr viel Geld wert,
weil sie so gut ausgebildet sind, dass
sie die allerkleinste Menge Kokain riechen koennen. Solche Hunde werden
also oft aus der Entfernung erschossen, weil sie logischerweise das
Geschaeft stoeren.
Heutzutage werden zwar nicht mehr so viele
Bomben eingesetzt, aber dafuer eben Menschen ermordet, vertrieben oder
entfuehrt, um das Drogengeschaeft am laufen zu halten. Ein Elend! Und
ich moechte nochmal betonen: Die
Hauptabnehmer sind die USA und Europa. Wenn sich also jemand unbedingt
Kokain reinziehen will, soll er sich gefaelligst sein eigenes Kokain
produzieren und keinen Krieg finanzieren, indem man sich Drogen kauft,
nur weil man zu unentspannt ist und meint mehr
Spass und Energie haben zu muessen! Soviel dazu!
So, morgen habe ich dann mein Evaluationsgespraech und dann heisst es ADIOS PLAN!
Am Samstag fliege ich ins Amazonasgebiet!
Ich kenne ja schon ein paar Ecken an der Kueste Kolumbiens, aber da ich
nicht so viel Zeit hatte, um zu verreisen, habe ich mir diese Reise fuer
den Schluss aufgehoben. Ich
freue mich total, weil ich ein super schoenes Naturreservat in
Brasilien gefunden habe, wo ich eine Woche verbringen werde. Ich fliege
in die Hauptstadt des Departaments “Amazonas” in Kolumbien und fahre
von dort aus mit dem Boot 5-6 Stunden ueber den Amazonas
und seine Seitenfluesse bis zu dem Reservat, was auf der
brasilianischen Seite liegt.
Die Unterkunft, wo ich wohnen werde liegt
mitten im Dschungel an einem Seitenfluss des Amazonas, in dem es rosane
Suesswasserdelphine gibt.
Dort gibt es Platz fuer sehr viele Gaeste,
weil es sowas wie ein Lehrcamp ist, in dem ganz viele Aktivitaeten
angeboten werden, in denen man ueber die Region, die Traditionen und das
Oekosystem aufgeklaert wird. Es
gibt Dschungeltouren bei Tag und Nacht, man kann Piranhas fischen, in
traditionellen Holzbooten ueber den Fluss fahren, Krokodile beobachten,
indigene Doerfer besuchen, in denen in Kooperation auch soziale und
Umweltprojekte durchgefuehrt werden, mit den Delphinen
im Fluss schwimmen, traditionelles Handwerk erlernen, lernen wie man
Kautschuk erntet und daraus Gebrauchsgegenstaende herstellt, und
viiiiiles mehr. Ausserdem ist alles auf oekologischer Basis und die
Unterkunft hat ihren eigenen geschlossenen Kreislauf zur
Energiegewinnung, damit die Umwelt so minimal wie moeglich
beeintraechtigt wird. Und es gibt nur biologisch angebautes Essen!
Ausserdem haben die eine ganz hohe Plattform gebaut, auf die man
hochklettern kann und von oben kann man ueber den Urwald schauen.
Ausserdem besteht eine Kooperation zwischen dem Reservat und
verschiedenen Umweltschutzorganisationen, unter anderem zum
UN-Umweltprogramms (UNEP), mit denen ein super schoenes Projekt vor Ort
realisiert wird. Und zwar heisst das Projekt
“Sowing Jungle”, also “Dschungel saehen” und es werden Setzlinge
verschiedenster Baumarten gezogen, die dann spaeter im Dschungel gesetzt
werden. Das Ganze ist auch ein Lehrprogramm zur Sensibilisierung von
Kindern, Jugendlichen ….naja eigentlich von allen
Menschen, um auf die Abholzung des Regenwaldes mit all ihren
Konsequenzen aufmerksam zu machen. Ich kann also meinen eigenen kleinen
Baum im Urwald setzen wenn ich will. Und dann komme ich nach 20 Jahren
zurueck und schaue mir an wie gross er geworden ist
;)
Das Prinzip ist: “Der Planet Erde und alles, was auf ihm existiert gehoert uns nicht = Wir gehoeren zum Planeten Erde und muessen alles, was auf ihm existiert respektieren und ehren.”
Das Prinzip ist: “Der Planet Erde und alles, was auf ihm existiert gehoert uns nicht = Wir gehoeren zum Planeten Erde und muessen alles, was auf ihm existiert respektieren und ehren.”
Klingt alles perfekt und ich WILL dass es genauso wird, wie es in der
Beschreibung steht. Falls es jemanden interessiert: Das Ganze nennt sich
“Palmarí”.
Ich musste mich extra noch schnell gegen Gelbfieber impfen lassen, sonst duerfte ich gar nicht in die Region einreisen.
Das auf dem Foto sind die einzigen zwei Mädels, die ich in der ganzen Zeit kennengelernt habe. Da ich nur mit Männern zusammengewohnt habe, war es etwas schwierig "Freundinnen" zu finden ;)
Mitt den beiden hab ich mich aber wirklich gut verstanden und sie kamen zur weiblichen Unterstützung an meiner Abschiedsparty :)
So, nach der Woche im Amazonas werde ich mich
hier in Bogotá von allen verabschieden und fuer eine Woche nach
Minnesota fliegen, um meine Freunde zu besuchen. Und DANACH komme ich
nach Deutschland! Ich werde ab Mitte August
in Bornich sein und die ersten zwei Septemberwochen in Ludwigsburg.
Also koennen bitte alle Menschen, die ich mag, sich in den letzten zwei
Augustwochen in Bornich aufhalten und in den ersten zwei Septemberwochen
in Ludwigsburg. Danke! ;)
Wenn ich es schaffe, schreibe ich nochmal in den Blog bevor ich zurueckkomme oder wenn ich wieder in Deutschland bin.
So, ich bin dann mal im Amazonas ;)
Ciao, un besito