Samstag, 12. Dezember 2009

In den letzten Wochen ist eine Menge passiert. Wir hatten fast jedes Wochenende eine andere Feier im Heim und ich war super beschäftigt. Wo fange ich denn an Vielleicht bei meinen Läusen. Da Körperkontakt hier ganz groß geschrieben wird und die Kinder immer an mir hängen, war es ja eigentlich klar dass ich von Läusen nicht verschont bleibe. Nachdem 3 andere Voluntärinnen Läuse bei sich gefunden haben, hab ich Jenny mal nachschauen lassen und sie hat ein paar klitzekleine Nissen gefunden. Und ich ein paar bei ihr. Dank meiner intelligenten Eltern, die mir gleich Antiläusezeug geschickt haben, bin ich sie aber relativ schnell wieder losgeworden...Jetzt habe ich sie allerdings wieder! Was ein Spaß!
Ab dem ersten November habe ich meine Therapien beendet und schreibe seitdem jeden Morgen nur noch Abschlussberichte, was extrem viel Zeit in Anspruch nimmt, weil ich total viele Vokabeln nachschlagen muss. Mit 3 Kindern arbeite ich jeden Tag eine Stunde weiter, weil sie dringend Physiotherapie brauchen, wir aber keine Therapeutin haben. Die Übungen die sie brauchen kann ich aber auch, also habe ich sie übernommen.
Meine letzten Therapien waren ein bisschen komisch, weil ich mich so sehr an die Kinder gewöhnt habe und sie sich an mich und so richtig habe ich mich immernoch nicht an den Gedanken gewöhnt, dass ich nie wieder Therapie mit ihnen haben werde.
Die Schule ist auch vorbei und im November waren die Kinder morgens in den Sommerkursen. Alles ist viel ruhiger und ganz anders als in der Schulzeit. Normalerweise rennen alle Kinder in ihren Uniformen auf dem Gelände rum und in den Pausen ist es super laut, weil alle rumschreien und jetzt ist alles wie ausgestorben.
Außerdem hatten wir einen Workshop für 3 Tage in Antigua. Wir haben in einem Konvent gewohnt, wo wir jeden Tag verschiedene Themen übers Voluntärsleben diskutiert haben und Verbesserungsvorschläge erarbeitet haben. Das Konvent war superschön und das Essen das Leckerste, das ich seit Langem gegessen habe. Der Workshop war anstrengend und das ständige Gequatsche über unser Leben und Gefühle und Ideen hing mir schon nach dem ersten Tag zum Hals raus. Aber wenigstens kamen wir mal raus!
Ja und dann war ja Halloween. Jenny hat sich als Obdachlose verkleidet. Ich blieb verschont und durfte normal mit ihr weggehen. In Antigua gab es überall Halloweenparties und viele Leute waren verkleidet.
Was superschön war, war der Tag der Toten am ersten November. Mann, das wird hier vielleicht gefeiert! Es werden riiiiiiiiiiiesengroße Drachen selbstgebaut, aus Bambusstangen und buntem Papier und Farbe. Die Drachen sind rund und es gibt große und kleine und es gibt richtige Profis im Drachenbau. Jedenfalls heisst es irgendwie, dass die Drachen die Seelen der Toten darstellen und sie in den Himmel steigen gelassen werden. In verschiedenen Städten in Guatemala finden also Feste auf den Friedhöfen statt, auf denen sich alle treffen und ihre Drachen steigen lassen. Friedhöfe in Guatemala sind jedenfalls etwas anderes als in Deutschland. Jennny und ich sind also am ersten November mit einer Gruppe Touris nach Santiago auf den Friedhof gefahren, wo sich tausende von Menschen versammelt hatten und sich gemütlich auf den Gräbern niedergelassen hatten. Ein paar hatten ihre Klappstühle mitgebracht, andere ihre Decken und waren gemütlich am Essen. Santiago war überfüllt von Guatemalteken und Touristen und überall gab es die leckersten Sachen auf der Strasse zu kaufen.
Wir hatten Glück und haben einen guten Platz auf einer Gruft gefunden, wo wir uns 4 Stunden nich von der Stelle rührten, damit uns keiner den Platz mit der guten Aussicht klaut. Ich hatte voll das schlechte Gewissen, weil wir über die Gräber getrampelt sind, aber nachdem ich feststellte, dass es anscheinend niemanden interessiert und die lokalen Leute die Grabsteine als Stühle benutzten, konnte ich mich ein bisschen entspannen. Jedenfalls sahen wir uns die großen und kleinen Drachen an, die mit viel Mühe in den Himmel steigengelassen wurden. Einige der großen Drachen sind zweimal so groß wie eine Person und brauchen viel Wind um zu fliegen. War lustig, wenn einer von den großen Drachen vom Himmel fiel, weil die Menge darunter panisch und schreiend in alle Richtungen rannte, um nicht vom Drachen erschlagen zu werden. Was ein Spaß!
So, dann war ich auf einem Konzert von den "Toten Hosen" (für Oma und Opa: Das ist eine Musikgruppe aus Deutschland). Anlässlich des Mauerfalls in Deutschland haben sie ein Gratiskonzert in der Hauptstadt gegeben. Es waren vielleicht 300 Leute war, was super war, weil ich ohne Probleme in der ersten Reihe stehen konnte. Es gab deutsche Currywürstchen und es waren relativ viele Deutsche da. Aber es gibt auch erstaunlich viele Guatemalteken, die die Band kennen. Ja, wer hätte gedacht, dass ich in Guatemala auf ein Gratiskonzert von den Toten Hosen gehen werde und in der ersten Reihe stehe.
Ja und an einem Wochenende wurde der Geburtstag des Hauses gefeiert. Und ich wurde ungefaehr noch eine Woche danach daran erinnert, weil mir die Arme so extrem wehgetan haben.
Am Geburtstag werden jedes Jahr 4 Wochen vorher Gruppen gebildet, die sich einen Namen geben und Kostüme, Tänze, Anfeuersprüche und Fahnen vorbereiten, die dann am Geburtstag in einem Wettbewerb präsentiert werden. Das Motto in diesem Jahr war "Mythen und Legenden" und meine Gruppe hieß "Los dragones"....auf deutsch "Die Drachen". Wir haben einen riesengroßen Drachen aus Plastikfolie und Zeitung und Kleister gebaut. Unser Tanz war allerdings nicht der Knaller weil wir am Tag, an dem wir den Tanz aufführen musste, angefangen haben ihn einzustudieren. Es war echt anstrengend die Kinder zu motivieren. Es gab zwar ein paar, die sich wirklich angestrengt haben, aber besonders die Mädchen haben mich so genervt! Mann, die sind so unmotiviert und motzen nur rum. Generell sind die Jungs hier viel pflegeleichter und entspannter. Naja, jedenfalls wurde dann an einem Abend der Tanz vorgeführt. Unser Drachen konnte Feuer speihen, weil der Junge, der im Kopf des Drachens steckte ein bisschen mit Deodorant und Feuer rumzündelte und so kam aus seinem Maul eine große Feuerflamme, was alle ganz toll fanden und was uns den dritten Platz gesichert hat, nachdem der Tanz echt schlecht war.....eigentlich war es gar kein Tanz wenn ich ehrlich bin....eher unkoordiniertes Rumgehüpfe.
Ja und am nächsten Tag sind alle Gruppen gegeneinander in Spielen angetreten. ..wo meine schmerzenden Arme ins Spiel kommen. Auf dem ganzen Gelände gab es verschiedene Spiele, die mal wieder die Vorliebe der Guatemalteken für Wasser und Dreck zum Vorschein brachten. In fast jedem Spiel musste man sich entweder in Dreck und Matsch wälzen oder man wurde mindestens zur Hälfte in Wasser getunkt. Extra für die Spiele wurde ein riiiiesiges Loch gebuddelt und mit Wasser gefüllt. Ohne Scherz, eigentlich war es eher ein Graben von 2 x 7 m. Bei einigen Spielen kam ich mir vor wie im Krieg, weil man sich unter Seilen durch den Matsch robben muss, während von oben ein Kübel Wasser über einen gekippt wird und alle schreien hysterisch rum....schließlich will man ja gewinnen! Ein Traum...ich liebe Spiele in der Natur!
Jedenfalls fand an dem Wassergraben das finale Spiel statt, was besonders lustig war. An jedem Ende vom Graben stand eine Gruppe und es wurde Seilziehen gespielt. Die Gruppe, die stärker war, hat also die, die schwächer war in den Graben gezogen. Das Gute war, dass wir nach den ganzen anderen Spielen eh schon so vermatscht und nass waren, dass es schlussendlich egal war und die Kinder sich mit Freude freiwillig in den Matschpool warfen. Unsere Gruppe hat den dritten Platz gemacht und dementsprechend sah ich danach auch aus. Hab mich schließlich angestrengt und dafür musste man auch im Wasser stehen und ziehen.
Als Resultat hatte ich am Abend eine blaue geschwollene Hand, zwei blutige Ellenbogen, zerissene Hosen und eine Zerrung im Fußgelenk. Aber als am Mittwoch die Siegerehrung stattfand, hab ich mich gefreut, dass wir den dritten Platz gemacht haben. Konnte zwar kaum meine Arme heben, um zu klatschen, aber es war schön zu sehen, wie sich die Kinder gefreut haben. Hätte mir sonst für die Kinder in der Gruppe Leid getan, die sich wirklich angestrengt haben. Der dritte Platz war, dass sie Pizza für die Gruppe ins Heim bestellen. Das hab ich leider verpasst, weil ich im Urlaub war....toll, alles umsonst hehe.
Ja und dann war ich ja im Urlaub, den ich mir meiner Meinung nach, nach den ganzen anstrengenden Feiern verdient habe.
Bin mit Jenny nicht wie geplant nach Mexiko sondern nach Belize gefahren. Haben einen Tag vorher spontan umgeplant, weil wir zu viel Zeit verloren hätten wenn wir nach Mexiko gefahren wären. Also sind wir in der Annahme im Paradies zu landen nach Caye Caulker, eine Insel in Belize gefahren. Waren eine Nacht im Ghettobus unterwegs der total abgegammelt war und die Passagiere mit ihren abgefrackten Klamotten in den schmuddeligen Sitzen super zur Innenausstattung passten. War aber billig hah! Jedenfalls waren wir schon am nächsten Tag in Belize City, von wo aus wir ein Boot zur Insel nehmen mussten. Belize ist ganz anders als Guatemala. Schon alleine die Häuser sind ganz anders als hier bei uns. Die Bevölkerung ist hauptsächlich dunkelhäutig, weil die meisten Garifunas sind. Garifunas ist die Bezeichnung für eine Bevölkerungsgruppe, die von ehemaligen Sklaven abstammt und sich an der gesamten Karibikküste in Mittelamerika angesiedelt hat.
In Belize City wimmelt es nur so von Männern mit Jamaikastrickmützen und Schweissbändern und Dreadlocks (für Oma und Opa: Das sind verfilzte Zöpfe, die meistens ganz lang sind und einen großartigen Lebensraum für allerlei kleines Getier bieten). Landessprache in Belize ist Énglisch, was mich total verwirrte, weil auch alle Schilder in Englisch beschriftet sind.
Jedenfalls sind wir dann mit dem Boot auf die Insel gefahren. Das Wasser wurde immer blauer, je weiter wir raus aufs offene Meer kamen und als wir an der Insel ankamen, wäre ich am liebsten direkt reingesprungen so kristallklar war es.
Die Insel ist nicht besonders groß, aber mit den schweren Rucksäcken hatten wir keine Lust rumzulaufen und ein Hostal zu suchen, also haben wir uns ein Golfcart gerufen. Auf der Insel gibt es nämlich keine Autos, nur die Golfcarts, was extrem entspannend ist, weil sie keinen Lärm machen. Ausserdem gibt es nur 3 größere Strassen, die aus weissem Pulversand bestehen und normalerweise ist man barfuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Naja, jedenfalls haben wir dann eine kleine Inselrundfahrt gemacht, bei der wir schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf das bekamen, was uns in den nächsten Tagen verfolgen sollte: Männer, die überall am Wegesrand rumgammelten und jeder weissen Frau irgendwelche Anmachsprüche hinterherschrien. Ganz großer Spaß! Und da es ja nur 3 Strassen auf der ganzen Insel gibt, konnte man niemandem aus dem Weg gehen. Nach einem Tag kannten wir schon alle Einheimischen, die versuchten uns ihren Scheiss zu verkaufen oder uns irgendwelche Touren anzudrehen.
Letztendlich haben wir dann eine Tour mitgemacht, die sich aber wirklich gelohnt hat. Auf einem Segelschiff auf kristallklarem Wasser mit 3 unterschiedlichen Stops, um schnorcheln zu gehen. Beim ersten Stop gab es noch nicht viel zu sehen, aber beim zweiten dafür umso mehr. Es gab Haie und riesige Stachelrochen. Und da alle ganz mutig ins Wasser gesprungen sind hab ich so getan als würde ich jeden Tag mit Haien schwimmen und bin auch rein. War aber ganz entspannt und interessant. Man sieht ja schließlich nicht jeden Tag einen Hai aus zwei Meter Entfernung. Waren natürlich keine Haie, wie man sie aus den Horrorfilmen kennt. Eher kleine freundliche Touristenhaie. War nur etwas umständlich, weil natürlich alle in der Gruppe so nah wie möglich an die Rochen ranwollten um sie zu streicheln und dabei wie wild mit ihren Flossen rumgepaddelt haben und ich mehr Angst davor, als vor den Haien hatte.
Beim dritten Stop haben wir uns einen Teil vom Riff angesehen, das an der Küste von Mexiko beginnt (glaub ich) und runter bis Peru verläuft (glaub ich). Ist jedenfalls das zweitgrösste Riff der Welt. Da gabs dann ein paar große Wasserschildkröten und einen noch größeren Rochen zu sehen und gaaaaaanz viele ander bunte kleine und große Fische.
Die Fahrt auf dem Segelboot war mein erster Segeltrip....ich könnte einen Segelschein machen.
Jedenfalls hatten wir in unserem Hostal eine Küche und hatten Essen aus Guatemala mitgebracht, weil Belize so teuer ist. Die Küche war draußen und wir haben jeden Morgen unter freiem Himmel unsere Tortillas mit Bohnen gebacken. Sehr ökonomischer Urlaub!
Die Insel wurde vor ein paar Jahren von einem Hurricane in zwei Teile geteilt und in dem "Graben", der dadurch entstanden ist kann man schwimmen gehen. Ansonsten gibt es nur einen kleinen Strand, an dem sich natürlich alle einheimischen Männer versammeln, um sich die besten weissen Frauen auszusuchen. Aber anscheinend gibt es genug Touristinnen, die drauf reinfallen und sich von irgendeinem abschleppen lassen. Auf der Sandstrasse sieht man immer wieder irgendeinen Dreadlocktypen, der mit seiner "Gang" und einer Blondine unterwegs ist. Oder aber die Typen ziehen sich Strümpfe über den Kopf, setzen ihren bösen Blick auf und spielen "Gangster". Um ehrlich zu sein, hatte ich einen Abend wirklich Angst, weil in dem Club in dem wir waren plötzlich die Flaschen flogen und die Leute anfingen zu schreien und rauszulaufen. Wir sind dann auch schnell abgehauen und haben am nächsten Tag erfahren, dass es wohl zwei Gruppen auf der Insel gibt, die sich immer wieder in die Haare bekommen. Was soll man auf so ner kleinen Insel auch den ganzen Tag machen, außer Drogen zu verkaufen, Ausländerinnen anzugraben oder sich gegenseitig zu verprügeln.
Jedenfalls hatten wir die ganzen Anmachen bald satt und haben unseren Urlaub auf der Insel früher abgebrochen. Ergebnis: Der Teil von Belize, den wir kennengelernt haben hat mir gut gefallen. Die Insel war wunderschön, paradisisch. Ohne die einheimischen Männer wäre sie noch schöner hehe.
Wir sind dann wieder zurück nach Guatemala gefahren und sind in Flores geblieben. Ein Städtchen auf einer Insel in einem See. Ganz hübsch und ruhig. Hat mich ein bisschen an Antigua erinnert.
Von der Insel aus kann man auf eine Peninsula fahren, die einen wunderschönen Strand hat, der in der Karibik sein könnte. Kristallklares, warmes Wasser. Jenny ist dann von dort aus zurückgefahren und ich bin noch ein bisschen länger geblieben. Ich hatte ja eine Woche länger Urlaub als sie.
Ich bin dann weiter von Flores nach Cobán und von dort aus nach Semuc Champey. Das sind natürliche Wasserbecken, die ebenfalls mit ganz klarem Wasser gefüllt sind und in denen man schwimmen kann. Hab ein paar deutsche und eine Engländerin kennengelernt, mit denen ich mir ein Zimmer geteilt habe. In der Nacht hatte ich einen Albtraum und habe alle mit meinen Schreien aufgeweckt. Toll!
Von Cobán aus bin ich eine sehr abenteuerliche Strasse durch die Berge nach Xela gefahren, um Natalie zu besuchen, die Schweizerin, die eine Weile in NPH gearbeitet hat und mit der ich mich angefreundet hatte. Die Fahrt beinhaltete alles, was man sich nur wünschen kann, wenn man auf Abenteuer aus ist. Bergrutschte, sich übergebende Kinder, Kurven bis zum Abwinken, unbefestigte Sraßen, tote Tiere.....sehr unterhaltsam. Aber ich habs überlebt.
In Xela hab ich bei Natalie in der Wohngemeinschaft gewohnt und durfte seit langem mal wieder richtig frieren. Xela liegt hoch in den Bergen und es ist soooooooo extrem kalt in der Nacht. Ich hab mit 3 Decken, 2 Pullovern, ner dicken Hose und Socken geschlafen. Anders war es nicht auszuhalten.
In den Bergen außerhalb von Xela gibt es heisse Quellen, in denen man baden kann. Aus der heißesten bin ich nach zwei Minuten wieder raus....Kreislaufkollaps! Wir waren die Atraktion überhaupt. Es kam eine Gruppe von Kindern, die wahrscheinlich aus irgendnem Bergdorf stammen und noch nie einen weissen Menschen gesehen haben. Also haben wir versucht uns zu entspannen, während ungefähr 15 Kinder mit offenem Mund oder lachend am Rand standen und uns anstarrten. Am Ende wurden wir aber Freunde und haben ein paar Fotos mit ihnen aufgenommen. Extrem viel Infos für die armen Kinder und das nur an einem einzigen Tag.
Außerdem habe ich mit Natalie meine erste Yogastunde genommen. Gott, war das anstrengend! Natalie macht seit 15 Jahren Yoga, was man ihr auch ansieht. Es dreht sich alles um die Atmung und ich musste mich extrem zusammenreißen, um mich nicht totzulachen, als alle anfingen wie wild zu schnaufen. Es ist anscheinend ganz wichtig extrem laut zu atmen. Ich habs versucht, kanns aber nicht! Die Übungen waren anstrengend aber gut. Ich hab mich extrem gedehnt gefühlt, nachdem wir fertig waren. Während den Übungen habe ich außer Schmerzen leider nichts gefühlt. Sollte ich öfter machen. Kann ja nicht schaden!
Mit Natalie bin ich dann nach 3 Tagen in die Hauptstadt gefahren, wo wir uns ein Zimmer in einem Hostal genommen haben, das anscheinend der Treffpunkt aller Hippies und Freaks ist. War jedenfalls sehr unterhaltsam und das Zimmer war ein Kunstwerk, weil viele Leute, die vorher dort waren irgendeinenn Spruch oder ein Gemälde an der Wand hinterlassen haben. Einige schöner, andere weniger schön.
Jedenfalls sind wir dann auf ein Festival gegangen, auf dem es Fotoausstellungen gab, verschiedene Bühnen mit Musik, Theater, Kunsthandwerk, Literatur und Kunsthandwerk. War super interessant und ein paar meiner Lieblingsbands aus Guatemala haben umsonst gespielt.
Nach dem Festival sind wir noch weggegangen. Natalie hat sich dann mit einem Freund ein Lied von einem alten Mann gewünscht, der mit seiner Gitarre die Leute unterhalten hat. Er hat es dann gespielt und wollte danach Geld haben. Aber nicht nur ein paar Cents....nein, der hat richtig viel verlangt. Natalie wollte es ihm nicht geben und er fing an uns anzuschreien "Die Deutschen wollen nicht bezahlen"!! Lustig! Ich hab dann versucht ihn ein bisschen zu beruhigen und hab ihm ein bisschen Kleingeld in die Hand gedrückt. Hat ihm aber auch nicht gepasst und wir sind schnell ins nächste Taxi geflohen und er ist uns gefolgt. Hat dann mit der Gitarre schreiend aufs Taxi eingeschlagen und weiter über die Deutschen geschimpft. Gott sei Dank war der Taxifahrer schlau genug und ist gleich losgefahren. Sehr unterhaltsamer Abend!
Ich bin dann am nächsten Tag zurück nach Parramos und Natalie wieder nach Xela.
Die Kinder waren voll süß und haben sich gefreut, dass ich wieder da bin. Ich hab mit ein paar Kindern weiter Therapie gemacht, was Spaß macht, weil ich viel mehr Zeit habe und nciht so hetzen muss wie das ganze Jahr über. Für einen 16 jährigen Jungen, der im Rollstuhl sitzt habe ich Orthesen anfertigen lassen und jetzt mit dem Lauftraining begonnen.
Seit Anfang Dezember mussten wir als Betreuer in den Sektionen arbeiten, weil die lokalen Angstellten Urlaub haben. Ich habe für ein paar Tage im Babyhaus gearbeitet. Mit den Mädchen von 3 bis 6 Jahre. Die sind eigentlich ganz pflegeleicht und goldig. Seit dem 7. Dezember gehen viele Kinder in ihre Familien, um die Weihnachtszeit dort zu verbringen. Es sind schon total viele weg und nur ganz wenige sind geblieben. Ist ein komisches Gefühl, weil alles so ruhig ist! Meine Therapiekinder sind auch weg, was traurig ist, weil ich wirklich viel Spaß mit ihnen hatte, besonders in den letzten Wochen.
In den nächsten Wochen werden wir hier einige Weihnachtsbräuche haben, die ich schön finde. Zum Beispiel läuft man mit allen Kindern mit Kerzen in der Hand von Sektion zu Sektion. Vor der Tür wird gesungen und die Kinder, die noch im Haus sind singen zurück. So wird die Nacht nachgespielt, in der Maria und Josef von Haus zu Haus gezogen sind und um Obdach gebeten haben. Nach ein paar mal hin und hersingen wird die Tür dann geöffnet, die Kinder kommen raus, schließen sich der Gruppe an und man geht weiter zum nächsten Haus. Am Ende gibt es ein Fest im Speisesaal mit Piñatas und heisser Schokolade.
Was genau ich in den nächsten Wochen machen muss weiss ich noch nicht. Ich glaube ich werde überall ein bisschen eingesetzt wo ich gebraucht werde. Bin schon gespannt wie Weihnachten im Heim wird. Wir wollen eine schöne Feier organisieren. Schließlich sind die Kinder, die im Heim bleiben mussten entweder Vollwaisen oder sie konnten nicht in ihre Familien, weil sie wegen Missbrauch ins Heim gekommen sind.
Generell fühlt sich Weihnachten hier nicht wie Weihnachten an, weil es heiss ist und den ganze unnötige Kitsch, der mir in Deutschland immer so übertrieben vorkommt gibt es hier nicht. Jetzt fällt mir auf, dass genau der, die Weihnachtsstimmung ausmacht. Hier gibt es kaum Dekorationen. Nur ein paar kitschige bunte blinkende, singende Lichterketten, die nicht wirklcih Weihnachtsstimmung aufkommen lassen....von Schnee ganz zu schweigen.


Soviel von mir! Eine schöne Weihnachtszeit und hoffentlich weisse Weihnachten....bei euch!


Große und kleine Drachen am "Tag der Toten".


Einer der Jungs, der seinen Drachen trägt.


Eins meiner Therapiekinder....Carlitos.



Mit der Klasse hatten Sabrina, die Kunsttherapeutin und ich
jede Woche ein Kochprojekt.

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