Freitag, 3. April 2009

Letzte Woche war ich in der Hauptstadt. Jenny und ich mußten auf die Migracion, um unser Visum zu verlängern. Wir konnten mit einer Mitarbeiterin von NPH im Auto mitfahren. Sie hat dann während der Fahrt einen Anruf bekommen, dass vor einigen Stunden ein Busfahrer in der Stadt erschossen wurde, aber der Zweck des Anrufs war eher, sie vor dem Verkehr zu warnen, der deswegen entstanden war.
Sie war auch nicht besonders beeindruckt und Jenny und ich mußten mal wieder feststellen, dass sich unser Alltag doch von dem in Guatemala unterscheidet. An jeder Ampel in der Stadt wurde die Türsicherung eingeschaltet, was mich dann doch ein bisschen eingeschüchtert hat. Jedenfalls hat sie uns dann bei der Mirgracion rausgeworfen und wir konnten unseren Kram erledigen. Danach wollten wir eigentlich mit dem Bus zum Hauptbusbahnhof fahren, um von dort nach Antigua zurückzufahrenn, haben uns dann aber doch für ein Taxi entschieden.
Der Taxifahrer hat uns dann erzählt, dass jeden Tag Busfahrer erschossen werden und es in letzter Zeit häufiger vorkäme. Und während wir uns so über Kriminalität und Morde unterhalten fahren wir an einem anderen Bus vorbei, der am Strassenrand steht und von ganz vielen Leuten und Polizisten umzingelt wird. Noch ein Busfahrer, der erschossen wurde. Und ich dumme Kuh schau auch noch hin. Gott sei Dank war der tote Fahrer nicht mehr im Bus und ich hab nur noch seine Jacke gesehen, die über der Lehne vom Fahrersitz hing. An der Bushaltestelle sind wir dann so schnell wie möglich in den nächsten Bus nach Antigua gesprungen und raus aus der Stadt. Wir hatten zwar auch schon vorher gewußt, dass es gefährlich ist, aber wenn man mittendrin ist, merkt man erst, was das eigentlich bedeutet und es gibt einem kein gutes Gefühl. Es geht immer um Geld. Ich hab gehört, dass die Polizei wohl verstärkt Leute aus den kriminellen Banden verhaften lässt und diese mit mehr Überfällen und Gewalt antworten (siehe erschossene Busfahrer).
Jedenfalls sind wir gut in Antigua und anschließend im Heim angekommen. Hier haben jetzt alle Angst in die Stadt zu fahren und erst recht nicht mit dem Bus. Kann ich auf der einen Seite verstehen, auf der anderen Seite finde ich es übertrieben. Dann dürfte man sich gar nicht mehr vom Gelände trauen. In Parramos, in dem Dorf, wo unser Heim steht, wurden vor ein paar Monaten auch 2 Leute im Park erschossen und die Strasse, an der wir immer entlanglaufen ist auch bekannt dafür, dass es Überfälle gibt. Das scheint hier aber keinem wirklich Angst zu machen, außer denen, die sowieso vor allem Angst haben und das Heim so gut wie nie verlassen. Jedenfalls meine ich, dass man zwar vorsichtig sein muss, aber nicht gleich den Tod vor Augen haben sollte, sobald man vorm Tor steht.
So, anderes Thema. Ich habe mein erstes richtiges Erfolgserlebnis gehabt, was meine Arbeit betrifft. Ich konnte über die deutsche Botschaft einen Orthopäden aus der Hauptstadt erreichen, der auch deutsch spricht. Den brauche ich, weil ich Spenden für die Ergotherapie habe, die ich für 2 neue Rollstühle und orthopädische Schuhe und Schienen für bestimmte Kinder verwenden will.
Dieser Orthopäde jedenfalls hat in Deutschland studiert und mir ist es wichtig, dass sich ein Spezialist die Kinder ansieht und nicht irgendein Student aus dem Nachbarstädtchen, nur weil das Heim keine andere Adresse hat.
Der Orthopäde kam also ins Heim, um alle Kinder zu untersuchen, die ich ihm vorstellte und das beste ist, dass er es umsonst macht. Er wiederum kennt mehrere Spezialisten in der Hauptstadt, die eventuell die Stühle und Schienen umsonst oder zumindest billiger herstellen könnten. Und nett war er noch dazu. Jetzt muss ich nur noch auf seinen Anruf warten, um weiter zu entscheiden, wann wir beginnen.
Jetzt ist aber erstmal Wochenende und morgen wollen wir wieder nach Antigua. Im Moment ist die Stadt übervoll mit Touristen, weil es kurz vor Ostern ist und Antigua ist bekannt für seine schönen Prozessionen. Die Osterprozession können wir uns aber leider nicht ansehen, weil alle Voluntäre in ihren Sektionen arbeiten müssen. Die lokalen Angestellten haben alle frei und wir arbeiten von Donnerstag bis Sonntag als Betreuer bei den Kindern. Wir haben uns schon ein schönes Programm ausgedacht und haben eine Menge vor mit den Mädels.
Ansonsten habe ich mich inzwischen an fast alles gewöhnt und ich fühle mich zu Hause. Manchmal hätte ich gerne mehr Zeit für mich, aber das ist hier kaum möglich. Die Arbeit macht an den meisten Tagen Spaß und manchmal könnte ich das ein oder andere Kind erwürgen. Aber eigentlich kommen alle gerne in die Therapie und das ist die Hauptsache. Ich glaube, nach einem Jahr, wird es schwer werden sich zu verabschieden, weil die Kinder so anhänglich sind und wann immer es geht auch nach der Therapie Kontakt zu mir suchen. Es ist auf jeden Fall etwas anderes mit Kindern in einer Praxis in Deutschland zu arbeiten, die nach der Therapie von ihren Eltern abgeholt werden, oder eben hier mit Kindern, für die man nicht nur Therapeutin sondern eben auch Vertrauensperson ist. Die meisten suchen so viel Zuneigung und Aufmerksamkeit und andere sind extrem verschlossen und distanziert. Leider haben wir nur eine Psychologin hier. Meiner Meinung nach müsste die Hälfte von den 300 Kindern hier psychologische Hilfe erhalten, aber das ist nichtt möglich. Kennt nicht jemand einen Psychologen, der als Voluntär hier arbeiten möchte? Was wir auch bräuchten, wäre ein Physiotherapeut. Im Moment kommt nämlich eine Therapeutin von draußen, die aber bezahlt werden muss weil im Moment kein Voluntär da ist. Ich habe jedenfalls schon eine Bewerbung auf meine Stelle für nächstes Jahr Januar von einer Ergotherapeutin aus Österreich. Ich durfte sie mir durchlesen und mitentscheiden, ob sie für die Stelle geeignet ist. Ich fand die Bewerbung super und jetzt bekommt sie bescheid, dass sie im Januar anfangen kann. Also brauch ich mir schon mal keine Sorgen zu machen, dass die Therapie nicht weiterläuft.
So, und am ersten Mai habe ich jetzt aber eine Reise mit Sabrina geplant. Sie ist die Kunsttherapeutin und kommt auch aus Deutschland. Wenn die Pläne konkreter sind, schreibe ich mehr. Leider haben wir nur 8 Tage, aber ich freue mich schon total. Ich brauche Urlaub ;)

1 Kommentar:

*nadine* hat gesagt…

Hey Meike,
hab das erst jetzt gelesen. Das ist ja schrecklich! Und du mittendrin. Pass bitte gut auf dich auf, ja?
Freut mich jedenfalls für dich, dass du ein Erfolgserlebnis hattest und sogar bald in Urlaub kannst. Bin gespannt, wo es hingeht ;-) Meld disch Alde. Bussi