Immer wenn ich in den Blog schreibe, fällt mir auf, wie schnell die Zeit vergeht!
Jetzt sind schon wieder zwei Wochen vergangen. Unfassbar!!
So, zuerst möchte ich nochmal etwas zu meiner Arbeit schreiben. Und zwar ist mir vor ungefähr 3 Wochen aufgefallen, dass dieses Praktikum genau das ist, was ich immer machen wollte! Ich hab mir nämlich immer vorgestellt, wie ich irgendwann mal in einer großen Organisation sitze und Projekte plane, die tatsächlich sinnvoll sind und benachteiligten Menschen (inwiefern auch immer) etwas bringen.Klingt jetzt vielleicht ein bisschen nach Mutter Theresa, aber es stimmt!
Ob ich nach fünf Monaten immernoch so denke, weiß ich noch nicht, aber selbst, wenn ich später nicht in einer so großen Organisation arbeiten will, glaube ich schon, dass mir dieses Praktikum einige Türen öffnen wird.
Da ich ja unter anderem für die Erstellung einer Mediathek zuständig bin, habe ich alle Publikationen von "Plan Kolumbien" zusammengestellt und dabei gesehen, mit welchen Organisationen "Plan" schon zusammengearbeitet hat: Wer sich ein bisschen mit Entwicklungsorganisationen auskennt, hat zum Beispiel schon von "Save the children", die "Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit-GIZ", "Unicef", "Oxfam" gehört....also wirklich große und weltweit aktive Organisationen!
Außerdem ist es echt motivierend zu sehen, dass Plan, als eine der größten und wichtigsten Stiftungen im Land auch politisch Einfluss nehmen kann.
Vor 2 Wochen z.B. wurde ein runder Tisch einberufen, der von einer meiner Kolleginnen geleitet wurde, die Spezialistin im Thema Menschenrechte ist. Eingeladen wurden Vertreter von Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die verschiedene Gruppen im Land repräsentieren und sich für sie einsetzen, z.B. für Frauen, die indigene Bevölkerung, Flüchtlinge des bewaffneten Konfliktes, die afrokolumbianische Bevölkerung usw.
An der Versammlung nahm auch ein Vertreter der Regierung (!!) teil, denn es soll ein neues nationales Gesetz für den Schutz von Kindern entworfen werden. Alle NGOs werden gemeinsam einen Entwurf mit den wichtigsten Aspekten zum Kinderschutz gestalten, der der Regierung letztendlich präsentiert wird.Darauf aufbauend wird das Gesetz entworfen. Geleitet wird das ganze von "Plan". Und ich bin dabei!! Hah! ;)
Es ist also wirklich super interessant zu sehen, was für einen Einfluss die Organisation hat und wieviel Respekt ihr von Seiten der Regierung entgegengebracht wird.
Letzte Woche wurde die Vizepräsidentin von Plan, die gleichzeitig meine "Abteilungsleiterin" ist, zu einer Versammlung eingeladen, die von der größten staatlichen sozialen Institution (ICBF) organisiert wurde.
Die belgische Praktikantin (die seit einer Woche auch bei Plan arbeitet) und ich durften mitgehen und haben den nationalen Direktor kennengelernt. Die Versammlung war schon sehr formal und ich war nicht unbedingt angemessen gekleidet. Es ist sowieso unglaublich, was manche Frauen hier auf der Arbeit anziehen. In Deutschland würde man so eher auf den Strich gehen oder wenn es halbwegs geschmackvoll ist, wäre das, was einige hier tagsüber tragen, bei uns eher ein Outfit für eine sehr sehr schicke Veranstaltung.
Super enge, kurze Kleider, Schuhe mit meterhohen Absätzen, perfekt sitzende Haare und natürlich Make up und Maniküre! Die meisten Frauen haben auch echt gute Figuren, trotzdem ist der Anblick für mich um 8 Uhr morgens immer etwas befremdlich und ich hätte keine Lust den ganzen Tag in solchen Hacken rumzustaksen. Manche können gar nicht richtig laufen, weil die Schuhe so hoch sind! Naja, jedem das seine hehe.
Jedenfalls haben sie mich zur Versammlung auch in eher lässigem Outfit reingelassen.
Nach einer Weile kamen plötzlich mehrere Kellner in den Saal und servierten allen Teilnehmern super leckeres Essen und Cocktails!! Ich habe mal so getan, als wäre ich nicht beeindruckt. Keine Ahnung, was das alles war, aber es hat gut geschmeckt. Ich hoffe, ich kann noch mit auf ein paar andere Veranstaltungen gehen hehe.
Um hier nicht genauso viel zuzunehmen wie in Guatemala damals, muss ich natürlich irgendeine Art "Sport" betreiben. Meine Laufschuhe hab ich in Deutschland vergessen und habe also eine Ausrede, um nicht Joggen gehen zu müssen. Die Yogastunde, die ich genommen habe, hat mich fast umgebracht! Es gibt keine Stunden für Anfänger, sondern alle Stunden sind für alle Niveaus, was natürlich Blödsinn ist, weil ich als Anfängerin nicht aus der Hocke in irgendeinen abgefahrenen Kopfstand wechseln kann, in dem ich dann noch Verrenkungen mit meinen Beinen mache. Außerdem ist Yoga verhältnismäßig teuer und die "Entspannung" geht spätestens dann flöten, wenn ich das Gebäude verlasse und an der 6 spurigen Straße nach Hause laufe. Außerdem konnte ich mich nach der Stunde die nächsten 3 Tage kaum bewegen und somit war das Thema auch erledigt!
Aber dafür gehe ich jetzt zweimal in der Woche Salsa tanzen. Es gibt einen Club, in dem mittwochs und samstags abends jeweils 2 Stunden Salsastunden angeboten werden und danach kann man noch bleiben und üben. Die 2 Stunden kosten umgerechnet 3,50 € und ich hab super viel Spaß! Der Lehrer ist total sympathisch und Salsa tanzen ist echt schön!
Ich muss mir nur noch abgewöhnen die Männer zu führen haha! Manche von denen haben echt überhaupt kein Taktgefühl, was schlecht ist, weil ja eigentlich der Mann führen soll. Aber wenn der nichts kann, ist es auch für mich schwer gut zu tanzen. Also führe ich heimlich ;)
Aber es gibt auch Tanzpartner, die wirklich gut tanzen können und wenn ich mit denen tanze, lerne ich viel. 2 Stunden am Stück tanzen ist auch echt anstrengend, macht aber viel mehr Spaß als Yoga.
In der Wg läuft auch alles super. Wir verstehen uns alle sehr gut, schauen ab und zu Filme, gehen zusammen weg oder was man eben so macht, wenn man zusammen wohnt. Das Einzige, was mich wirklich gestört hat, war, dass das Haus echt versifft war. Die 3 haben in den letzten Wochen gar nichts sauber gemacht und dementsprechend sah es auch aus. Also habe ich auf die Vorteile einer Putzfrau hingewiesen, die alle sehr einleuchtend fanden und ich habe das erste (und wahrscheinlich letzte Mal) Mal in meinem Leben eine Putzfrau eingestellt! Dazu muss man sagen, dass die hier nur 12 Euro am Tag bekommen. Das ist ein Witz! Wir zahlen zwar etwas mehr, aber trotzdem ist es super wenig!
Und ich habe die Mülltrennung eingeführt! Aber nicht etwa weil hier recycelt wird, sondern aus Respekt! Und zwar stehen hier überall in den Straßen so kleine Holzwagen rum, die vollbeladen sind mit Müll. Meinstens Metalle, Pappen, Plastikzeug. In den Karren wohnen Männer........naja...."wohnen" ist vielleicht nicht das richtige Wort. Die schlafen da drin. Das sind Obdachlose, die tagsüber Müll sammeln und den abends zur Deponie bringen, wo sie Geld dafür bekommen, wovon sie sich meistens Drogen kaufen.
Es gibt aber einen wirklich netten Mann bei uns in der Straße, der eben auch bestimmten Müll sammelt und an dem ich jeden Tag vorbeilaufe und kurz mit ihm quatsche. Und für den trennen wir jetzt den Müll, damit er nicht darin herumwühlen, und den ganzen stinkenden siffigen Kram auseinanderklamüstern muss.
Alles, was die "Müllmänner" aus der Straße nicht brauchen können, lassen sie liegen und das holt dann die städtische Müllabfuhr ab. Das scheint so eine inoffizielle Regelung zu sein. So viele Menschen leben hier vom Müll, das ist unglaublich!
Ach und dann habe ich noch festgestellt, dass es 4 Blöcke von uns entfernt einen Straßenstrich gibt.
Ich hatte mich mal wieder kurz verlaufen und bin dann da rausgekommen. Ist mir erst gar nich aufgefallen, weil es mitten am Tag war und die Frauen hier ja wie gesagt sowieso gerne mal leicht bekleidet rumlaufen. Aber mache Outfits waren dann doch etwas zu freizügig und WIRKLICH geschmacklos.
Naja, so lernt man die Nachbarschaft kennen :).
So und heute habe ich dann Daniela getroffen. Sie war damals meine Nachfolgerin im Heim in Guatemala und hat die Ergotherapie von den Kindern übernommen, als ich meinen Freiwilligendienst beendet habe.
Sie ist aus Österreich und reist seit 5 Monaten durch Südamerika. Seit ein paar Tagen ist sie in Bogotá und fliegt am Dienstag zurück. Also haben wir uns im schönen Zentrum getroffen und zusammen gefrühstückt. Später kam noch die belgische Praktikantin und wir sind mit der Seilbahn hoch auf einen Berg gefahren, von wo aus man eine super schöne Aussicht auf die Stadt hat! Schon der Mini Aufstieg zur Seilbahnstation hat mich total fertig gemacht. Hier hab ich zum ersten Mal bemerkt, dass Bogotá auf 2640 m liegt. Und oben auf dem Berg wars noch schlimmer. Aber so lange man sich nicht anstrengt geht es.
Anschließend sind wir wieder runtergefahren und auf einen riiiiiiiiesigen Flohmarkt gegangen. Der war echt schön! Ich habe lauter nutzloses Zeug gekauft, was mir sehr gut gefällt!
Im Zentrum sieht man allerdings viel mehr Obdachlose und total zugedröhnte Leute. Fast ausschließlich Männer. Überall sieht man Touristen und man wird wirklich oft angebettelt....natürlich nicht von den Touristen ;)
In dem Stadtteil, in dem ich wohne und arbeite gibt es kaum Ausländer. Zumindest nur wenige, denen man es ansehen würde.
Naja, nach dem Flohmarkt sind wir noch ein bisschen herumgeschlendert. War echt ein schöner Tag!
Morgen abend gehen wir wahrscheinlich nochmal zusammen weg, bevor Dani dann nach Hause fliegt.
Wir haben den ganzen Tag nur gegessen! Das hier sind zwei Obladen, die man sich mit verschiedenen süßen Soßen füllen lassen kann. Die gibt es hier überall und sie sind echt lecker. Eine Mischung ist zum Beispiel Käse mit einer Caramell ähnlichen Soße, die "Arequipe" heißt. Hier isst man generell sehr viel Käse mit Süßigkeiten. Meistens mit Arequipe oder so etwas wie Marmelade. Mir schmeckts gut..
So und hier noch ein paar verdächtig gelbe Hähnchen, ein Haufen Würste und Schweinehaut, die man hier übrigens auch überall kaufen kann. Frittierte Schweinehaut! Klingt ekelhaft....ist es auch! Besonders weil meistens noch die Haare dran sind.
Haha, sorry, genug ekliges Zeug geschrieben.
Am Mittwoch fliege ich wahrscheinlich mit einer meiner Anleiterinnen nach Cauca....einer Landesregion, in der Plan arbeitet. Hier ist es sicherer zu fliegen, weil man mit dem Bus bestimmte Strecken meiden sollte. Davon abgesehen ist man stuuuuuuuundenlang unterwegs, weil es nicht wirklich Autobahnen gibt und die Landstraßen wohl nicht ganz so gut ausgebaut sind.
In Cauca lerne ich dann das regionale Büro kennen und begleite Sandra, meine Anleiterin bei einem Projekt mit Jugendlichen. Das wird bestimmt interessant, weil ich dann sehen kann, wie die Projekte, die wir im Büro planen, letztendlich in den Gemeinden umgesetzt werden. Ich weiß noch nicht ganz genau, um welches Projekt es sich handelt, aber das schreibe ich euch dann im nächsten Blogeintrag.
Sooooo, das sollte reichen! Sorry, dass es immer so viel Text ist, aber ich schaffe es nicht, jede Woche etwas zu schreiben. Deswegen ist es immer ein etwas längerer Text.
Und zum Schluss sollt ihr euch noch ein sehr schönes Musikvideo anschauen, in dem man eine kleine Vorstellung von Kolumbien bekommt. Von den verschiedenen Kulturen, Instrumenten und Städten. Und wer den Text versteht........der ist auch schön :)
Ciao ciao