Mittwoch, 27. Januar 2010

Irgendeine Kirche....auch in San Cristobal. Schön bunt!


San Cristobal de las casas mit Heriberto


Nach der Theateraufführung


Die Mädels auf die ich an Weihnachten aufgepasst habe

Ich bin in Mexiko!
Habe mich Ewigkeiten schon nicht mehr gemeldet weil ich einfach keine Zeit hatte. Die letzten Wochen waren extrem stressig und es gab zu viele Aktivitäten.
In der Weihnachtszeit haben wir in den Sektionen arbeiten müssen, als Betreuer der Kinder.
Ich habe auf die kleinen Mädchen von 3 bis 7 aufgepasst. Die Tage waren super lang weil wir von morgens 6 bis abens um 8 mit den Kindern zusammen waren und keine Pause hatten. Auf der anderen Seite war es super schön, weil ich die Kinder so richtig gut kennenlernen konnte und an ihrem alltäglichen Leben teilnehmen konnte. Ich bin zwar jeden Abend halbtot ins Bett gefallen, aber im großen und ganzen hat es sich gelohnt.
Ich war außerdem eine Ausnahme, weil ich die meisten Tage nebenbei noch Therapien geben habe. Es gibt ein paar Kinder, mit denen konnte ich einfach keine Therapiepause machen, weil die Therapien viel zu wichtig sind und mit denen habe ich eben weitergemacht.

In den Wochen vor Weihnachten gibt es einen superschönen Brauch, der in den Dörfern stattfindet und bei uns eben im Heim. Man geht mit einer Gruppe Kindern los. Es ist am Abend und alle haben eine Kerze in der Hand. Man zieht mit der Gruppe von Haus zu Haus und klopft an der Tür an. So spielt man die Reise von Maria und Josef nach, die in der Nacht um Obdach bitten. Dann singt die Gruppe draußen ein Teil von einem Lied und de Kinder, die im Haus sind singen zurück. Aber die Tür ist geschlossen und man hört nur die Kinder singen. So singt man ein bisschen hin und her und am Ende öffnen sie die Tür, kommen raus und schließen sich der Gruppe an. Am Ende zieht man mit allen Kinder weiter. Am Ende gibt es Essen und etwas zu trinken für alle. Dieses Essen wurde bei uns im Heim immer von einem anderen Bereich zubereitet. Einmal von uns Voluntären, einmal von den Leuten aus dem Büro und so weiter. Das traditionelle Weihnachtsgetränk ist ein Punsch aus Früchten mit gaaaaaaaanz viel Zucker. Lecker! Ich habe als Teil der Klinik einmal mitgekocht und kann jetzt traditionelles Essen kochen.


Weihnachten im Heim war auf jeden Fall mal etwas anderes. Wir haben ein Theaterstück vorbereitet. Ich war die Mutter, die ihrem kleinen Kind, das auch von einer Voluntärin gespielt wurde die Weihnachtsgeschichte vorliest. Die anderen hatten dann die verschiedenen Rollen, wobei das Stück eher wie eine Komödie gespielt wurde. Besonders lustig war, als sich irgendwann irgendeiner in der Szene vertat und danach keiner mehr wusste welche Szene als nächstes kommt, einschließlich mir und wir irgendetwas vorlasen, was dann gar nicht gespielt wurde und umgekehrt. Mir hat zwar jeder anschließend versichert, dass man es nicht gemerkt hätte, aber ich glaube das war nur aus Höflichkeit. Das war jedenfalls eine Aktivität an Weihnachten.
Die zwei Weihnachtstage war ich im Haus von den behinderten Kindern eingeteilt, was mir gefallen hat, weil ich die Kinder ja das ganze Jahr über in der Therapie hatte und so konnte ich am Ende des Jahres nochmal 2 volle Tage mit ihnen Zeit verbringen aber eben nicht als Therapeutin. Wobei die Arbeit nicht wirklich entspannend war, weil die Betreuer alle einen Putzfimmel haben und das Haus zwanzigtausend mal am Tag putzen und eigentlich kaum Zeit für die Kinder bleibt. Sauberkeit steht in NPH sowieso ganz oben auf der Liste. Meiner Meinung nach sollten sie mehr Zeit in die Beschäftigung der Kinder investieren anstatt den Boden fünfmal hintereinander zu fegen und zu mobben. Eigentlich wird der Dreck eher von einer Seite auf die andere gewischt ist mir aufgefallen. Naja!
Die behinderten Kinder sind jedenfalls an Weihnachten relativ früh ins Bett gegangen und ich habe dann noch eine Weile mit den anderen Kindern und Voluntären am Lagerfeuer gesessen. Weihnachten wird in Guatemala gefeiert wie Silvester. Alle bleiben bis 12 Uhr wach und dann werden Böller losgelassen. Das wusste ich vorher aber nicht und als mir alle Kinder um 12 um den Hals fielen war ich erstmal total perplex weil alle so freundlich sind aber das scheint eben so der Brauch zu sein.


Silvester habe ich dann in Antigua gefeiert. Es war extrem voll und um 12 Uhr hatte ich Jenny in der Menge verloren. Also sind wir eigentlich die ganze Nacht nur rumgelaufen und haben uns gesucht! Wenigstens haben meine Haare nicht gebrannt, so wie letztes Jahr. Ich habe mich vor den Böllern versteckt und so unbeschadet Weihnachten und Silvester überlebt.
Im Januar kamen dann die neuen Voluntäre. Meine Nachfolgerin ist aus Österreich und super nett. Ich habe sie eine Wocche lang eingearbeitet und sie kam gut mit den Kindern zurecht. Sie spricht zwar noch nicht viel spanisch, aber das habe ich ja auch nicht, als ich ankam.
Es war jedenfalls ein komisches Gefühl als die Neuen kamen, weil unsere alte Gruppe sich so langsam auflöste und nichts mehr so war wie vorher. Jenny war zudem nicht da, weil sie ihre Familie in den Staaten besuchte. Sie hat sich entschieden noch ein halbes Jahr länger zu bleiben und hat deswegen ihren Urlaub genutzt, um in die Staaten zu fliegen. In den letzten zwei Wochen sind also langsam aber sicher alle Voluntäre aus meiner Gruppe abgereist und ich war die letzte, die noch im Heim blieb. War ein komisches Gefühl und ich habe mich unwohl gefühlt. Außerdem hatten wir unsere Verabschiedung im Heim. Alle die, die ihr Jahr beendeten wurden geehrt und die Kinder hatten veerschiedene Aktivitäten vorbereitet. Meine Sektion war so süß. Sie haben einen Tanz vorgeführt und ich musste dann in ihrer Mitte tanzen, was nicht unbedingt süß war aber ich war gerührt. Am Ende bekamen wir alle ein Geschenk überreicht und alle haben geheult. Viele meiner Mädels haben geweint, womit ich nicht gerechnet hätte...war ein spezieller Moment!
In der letzten Woche habe ich mich von allen verabschiedet. Ich hatte eine gute Beziehung zu fast allen Mitarbeitern im Heim und war gerührt, weil mir viele etwas schenkten oder anfingen zu weinen als ich mich verabschiedete. Besonders die älteren Kinder waren süß und machten mir Geschenke und verabschiedeten sich mit ganz lieben Worten.

So, dann wurde ich noch richtig krank und konnte einen Tag nicht aufstehen. Der Tag fehlte mir dann am Ende und meine letzten Tage waren extrem stressig weil ich alles unter einen Hut bringen musste.
Am Samstag kam dann jedenfalls Jenny aus den Staaten zurück und unter viel Geheule räumte ich meine Sachen aus dem Zimmer und verließ das Heim mit dem Wissen, dass ich nie wieder dort wohnen werde. Komisches Gefühl!
Wir gingen zusammen in Antigua weg und blieben in einem Hotel, von wo aus ich dann am nächsten Morgen um 5 Uhr mit einem Kleinbus nach Mexiko fuhr.
Im Bus habe ich dann super nette Leute kennengelernt. Unter anderem einen aus Antigua, mit dem ich mich auf Anhieb gut verstand und wir in San Cristobal de las casas zusammen auf billige Hostelsuche gingen. Haben jetzt ein schönes Hotel gefunden. Die letzten 2 Tage haben wir uns die Stadt angesehen, die extrem schön ist und Antigua ähnelt. Ganz viele bunte alte Häuser, mit ganz viel Liebe angestrichen. San Cristobal hat eine revolutionäre Vergangenheit und es gibt eine große alternative Kunst und Musikszene. Deswegen habe ich mich eigentlich auch für diese Stadt in Mexiko entschieden. Es gibt ganz viele Künstler in den Straßen und kleine gemütliche Kneipen und Läden zum einkaufen. Die Kirchen sind auch schön. Die traditionelle Kleidung ähnelt der in Guatemala, nur dass viele Frauen hier Röcke aus Schafsfell tragen, was lustig aussieht. Als ich noch nicht wusste und eine der Frauen nach dem Material fragte antwortet sie mir mit "Määähähä!" Dachte wohl dass ich kein spanisch spreche.


Heute hatte ich jedenfalls meinen ersten Tag in der Spanischschule. Ich habe mich entschieden mein Spanisch zu verbessern, weil ich mir im vergangenen Jahr viele Fehler angeeignet habe und immernoch unsicher in den Zeiten bin. Die Schule liegt direkt vor meiner Tür. Bis nächste Woche werde ich Klassen nehmen. Heriberto, den ich im Bus kennengelernt habe wird heute abend weiterreisen und ich werde die nächsten Tage Zeit haben, um mir die Stadt genauer anzusehen und mehr über die Geschichte zu lernen. Darauf freue ich mich schon.
In den letzten Tagen haben wir alle Ecken ausgekundschaftet und jetzt weiss ich wo es das leckerste billigste Essen gibt. Das ist das Wichtigste!
Mein Leben als Voluntärin in NPH ist jetzt jedenfalls vorbei und ich habe Zeit zum Reisen! In der nächsten Woche werde ich wieder zurück nach Guatemala fahren und von dort aus nach El Salvador und Nicaragua. Für März habe ich ein Zimmer in Antigua gefunden, wo ich 3 Wochen wohnen werde bevor ich Ende März nach Deutschland zurückkomme! Ich werde wahrscheinlich mehr Zeit haben um von meinen Reisen zu berichten...als Wiedergutmachung dafür, dass ich mich in den letzten Wochen kein einziges Mal gemeldet habe.