Sonntag, 27. September 2009

Es gibt mal wieder etwas zu erzählen.
Ich beginne mit den Rollstühlen. Der elektrische Rollstuhl für Leobardo, ein kleiner Junge, der halbseitengelähmt ist, ist endlich gekommen. Ich habe ihn von einem Amerikaner, der eine Rollstuhlwerkstatt in der Nachbarstadt hat und ab und zu Rollstühle aus den USA erhält.
Leo hat Spass ohne Ende, auch wenn er im Moment noch leichte Schwierigkeiten hat geradeaus zu fahren und alle 3 m gegen Wand, Tisch, Tür oder Schrank knallt. Selbst das macht ihm Spass. Ich muss sagen, dass ich beim Rollstuhltraining extrem viel Geduld aufbringen muss, weil er überall in der Gegend herumschaut, nur nicht wohin er fährt. Und wenn ich mich aufrege ist das Ganze natürlich doppelt so lustig. Naja, aber in den letzten Wochen hat er sich schon extrem gebessert und den Stuhl besser unter Kontrolle.
Außerdem fahre ich jetzt alle 2 Wochen mit einem anderen Kind donnerstags nach Antigua zur Physiotherapie. Wir haben ja im Moment leider keine Voluntärin, die als Physiotherapeutin arbeitet. Er hatte eine Operation und braucht dringend Therapie, die er in dem Krankenhaus erhält, wo er auch operiert wurde. Im Heim hat sonst hat keiner Zeit mit ihm zu fahren und da ich Antigua liebe und froh bin, wenn ich ein bisschen Abwechslung habe, habe ich mich bereiterklärt mit ihm zu fahren. Wenn die Therapeutin dort im Krankenhaus einen guten Tag hat, kann ich mit in den "Therapieraum" und bei der Therapie zuschauen.
Anfangs ist er noch jede Woche gefahren, aber nach den ersten beiden Malen habe ich beschlossen, dass die Übungen, die die da machen ein Witz sind und ich sie genausogut oder besser im Heim machen kann. Also müssen wir jetzt nur noch alle 2 Wochen fahren und können Geld sparen.
So und am 15. September wurde hier in Guatemala der Unabhängigkeitstag gefeiert. Es gibt ein paar Traditionen, die ich persönlich sehr schön finde. Dienstags war also der Unabhängikeitstag, der ein Feiertag ist und somit findet keine Schule statt. Deswegen fuhren wir Montags mit den Schulkindern nach Itzapa, ein Nachbarstädtchen von Parramos. Dort trafen sich fast alle Schüler von den Schulen aus Itzapa, Parramos und ich glaube noch einer anderen Stadt auf einem riiiiiiiiiiesigen Platz. Irgendein wichtiger Mann brüllte eine Rede über die Unabhängigkeit über den ganzen Platz und ein kleines Mädchen hielt eine Rede über Nationalstolz und Freiheit.....da hab sogar ich gestaunt. Die war vielleicht gerade mal 6 oder 7 Jahre alt. Nicht schlecht!
Im Anschluss sangen alle Kinder die Nationalhymne.....manche mit mehr, andere mit weniger Elan, was ich bei der Hitze auch verstehen konnte. Die Hymne hat nämlich was weiß ich wieviele Strophen und dauert ungefähr 5 min. Es war aber ein schöner Moment, weil es doch viele Kinder gibt, die mit so viel Stolz ihre Hymne gesungen haben. Naja, jedenfalls fing danach die "desfile" an. Das ist sowas wie ein Marsch. Jede Schule kam nämlich mit einer Band ( für Oma und Opa, das ist eine Musikgruppe). In der Band von NPH spielen ungefähr 25 Kinder. Die Instrumente sind hauptsächlich Trommeln, eine Art Xylophon, Trompeten und irgendwelche Rappeldosen und Klapperhölzer. Tut mir leid, aber ich weiss wirklich nicht, wie man die Instrumente in der Fachsprache nennt. Auf jeden Fall ist es extrem laute und rhythmische Musik, die eher von den Trommelrhythmen lebt, als von einer Melodie. Das Lied, was unsere Band spielte, haben sie in den letzen Monaten fast jeden Tag geübt und es hing mir ehrlich gesagt schon zum Hals raus. Aber an diesem Tag war ich richtig stolz, weil die Kinder wirklich gut spielten.
Und wenn man sich jetzt vorstellt, dass ungefähr 25 Schulen vertreten waren und jede davon mit ihrer Band und den Schülern und Lehrern antrat, kann man sich auch vorstellen, wieviele Leute sich auf dem Platz befanden.
Jedenfalls sind wir dann von diesem Platz aus losmaschiert. Vorneweg die Band mit einer Fahne der jeweiligen Schule und hinterher die Schüler in ihren Uniformen. Ich bin mit den Mädels aus meiner Sektion mitgelaufen. So waren wir ein riiiiiieeesiger Festzug aus spielenden Musikgruppen und Kindern hintendran. Die Leute von Itzapa standen und saßen alle am Straßenrand, um die Bands zu hören und sich die Kinder anzuschauen. Wir "Weissen" wurden immer ein bisschen genauer begutachtet, was ich eigentlich lustig fand. So maschierten wir fast 2 Stunden durch die Straßen von Itzapa, was ich wirklich schön fand, weil ich nicht nur als Tourist oder Zuschauer dabei war, sondern so wie die Einheimischen an dem Fest teilnehmen konnte.
Das Ganze fand am Morgen statt. Am Nachmittag, als wir alle wieder zurück aus Itzapa waren, nahmen die älteren Kinder an der "Antorcha" teil. Das ist sowas wie ein "Lauf".
Vom Heim aus fuhren wir in 2 Bussen mit ungefähr 50 Kindern nach Antigua. Dort wird dann eine Fackel angezündet und alle Kinder laufen den kompletten Weg zurück nach Parramos, was nicht gerade um die Ecke ist. Das Lustige an der Sache ist, dass überall am Straßenrand Leute stehen und die vorbeilaufenden Gruppen mit Wasserbomben bewerfen, oder sie mit Wasser aus Schläuchen und Eimern nassspritzen. Schon auf dem Weg im Bus wurde der Bus von allen Seiten attackiert und dort, wo die Fenster geöffnet waren, flogen Wassertüten rein und die Kinder hatten Spaß ohne Ende.
Ich jedenfalls hatte beschlossen, nur im Bus mitzufahren, nachdem ich ja morgens schon durch Itzapa maschiert war. Der Bus fährt nämlich hinter der Kinderschar her und wenn jemand nicht mehr laufen kann, kann er in den Bus steigen, eine Pause machen und nach ein paar Minuten wieder mit den anderen mitlaufen.
Es war jedenfalls lustig mitanzusehen, was für einen Spaß die Leute am Straßenrand hatten die Kinder nasszuspritzen. Mir fiel auf, dass es auffallend viele Männer waren, die wie kleine Kinder mit Wasserbomben auf eine Gruppe warteten um mit sie mit viel Eifer, schreiend zu attackiern. Typisch!
Das Ganze errinnerte mich ein bisschen an die olympischen Spiele, weil die Straßen voll waren mit Gruppen, die laufend ihre Fackel vor sich hertrugen.
Ist zwar ein komischer Brauch die Leute nasszuspritzen, aber lustig, solange man nicht mitläuft. Ein paar von den Voluntären sind mitgelaufen und haben es sogar bis nach Parramos geschafft. Klatschnass natürlich, weil es ja besonders lustig ist die "Weissen" abzuwerfen hehe.
Und am Dienstag, dem eigentlichen Feiertag sind Jenny und ich nach Antigua gefahren. Die Stadt war extrem voll und es gab Konzerte und Essen überall im Park. Am Abend versammelten sich dann alle vor der wunderschön beleuchteten Kirche am Park und sangen gemeinsam die Hymne. Ich kann sie leider nicht, aber die Melodie kann ich inzwischen mitsummen und ab und zu auch mal ein Wort einwerfen. Das war auch ein schöner Moment, weil wir inmitten tausender Einheimischer standen, die alle mit Hand am Herz ihre Hymne sangen. Anschließend spielten auch hier die Bands aus den Schulen aus Antigua und es gab ein riesiges Fest in den Straßen. Das war mein Unabhängigkeitstag in Guatemala.
So und letztes Wochenende sind wir dann mit allen Voluntären nach El Salvador ans Meer gefahren. Die zwei Mädels, die es organisiert hatten, meinten ,die Fahrt würde höchstens 4 Stunden dauern. Aus den 4 Stunden wurden dann fast 8, die sich meiner Meinung für nur einen Tag am Meer nicht lohnen.
Hab mich ein bisschen aufgeregt, aber letzten Endes hatten wir ein schönes Wochenende.
Freitags sind wir los und kamen um 10 Uhr abends an. Die Leute vom Hostal hatten natürlich noch kein Essen zubereitet und fingen an zu kochen als wir ankamen. Alle voll ausgehungert und müde durften wir dann noch 2 Stunden auf unsere Paella warten, die letzten Endes nicht gar war, als sie uns vor die Nase gestellt wurde. Also sammelten wir Fleisch und Fischstückchen aus dem halbgaren Reis, um sie nochmal durchbraten zu lassen. Nach diesem köstlichen Essen gingen wir alle angenervt schlafen. Jenny und ich hatten mal wieder Glück. Da wir immer die Letzten sind, waren wir auch dieses Mal wieder zu spät, als die Zimmer im Hostal verteilt wurden. Die anderen hatten also alle schon ihr Bett in einem 8-Bett Zimmer und als wir kamen gab es nur noch ein Doppelzimmer. Ups! Tja, da haben wir doch glatt "danke" gesagt und es schnell besetzt! Wenigstens das!
Am nächsten Tag konnten wir dann im Hellen das wunderschöne Hostal bewundern. Die Wände waren mit ganz viel Liebe angemalt und überall und in jeder Ecke gab es irgendetwas zu entdecken. Kleine Bilder, etwas Gemaltes, etwas Getöpfertes, Kerzen, überall Pflanzen......ganz schön. Ausserdem gab es einen Pool, in dem ich persönlich nicht Schwimmen war, weil er extrem grün war. Wir sind am Samstag aber ohnehin an den Strand gegangen, der nur 10 min entfernt war. Wieder mal bei unglaublicher Hitze! Der Strand war super schön. Zwar ganz hohe Wellen, aber nicht lebensgefährlich. Eher lustig. wir hatten am Abend alle eine Tonne Sand in der Bikinihose. Jedenfalls habe ich dieses Mal vorgesorgt und mich jede Stunde eingecremt. Somit war ich die Einzige, die an dem Abend nicht rot wie ein Krebs war. Gott, ein paar von den Mädels sahen wirklich schlimm aus. Die Einheimischen haben sie sogar ausgelacht, als wir zurück zum Hostal gelaufen sind hehe. Die doofen Weissen!
Und am nächsten Tag gings dann auch schon wieder zurück. Morgens sind wir nochmal schnell zum Strand....nur die, die sich nicht verbrannt hatten natürlich. Die anderen konnten sich kaum bewegen und blieben im Schatten.
Die Rückfahrt war ganz entspannt. Wir waren mit 2 Kleinbussen unterwegs, weil wir ja über 20 Mann sind. 2 Stunden vorm Ziel hatte der zweite Bus dann plötzlich einen Platten. Also musste eine Gruppe auf einen Ersatzwagen aus der Hauptstadt warten und die anderen konnten fahren. Als Freiwillige gesucht wurden, die warten wollen, habe ich mich diskret im Hintergrund gehalten, weil ich keine Lust hatte abends um 9 irgendwo in Guatemala im Dunkeln an der Straße zu stehen. Es fand sich dann eine Gruppe, die sich opferte und wir anderen fuhren nach Hause.
Den anderen ist natürlich auch nichts passiert, sie kamen eben nur später nach Hause.
Diese Woche verging wie im Flug, weil es jeden Tag irgendeine Aktivität gab.
Am Montag kamen ganz viele wichtige Leute aus allen Heimen von NPH in Zentral und Südamerika. Es finden jeden Tag Versammlungen statt und es ist schön ein paar neue Gesichter in NPH zu sehen. Nächste Woche werden alle wieder abreisen.
Gestern Abend gab es eine "noche cultural". Sowas wie eine Kulturnacht, in der alle Besucher aus den verschiedenen Ländern traditionelle Tänze aufführten und ihre Kleidung präsentierten. Die Kinder hatten Spaß und ich fand es auch interessant. Besonders die Frauen aus Haiti konnten super gut tanzen.
Die nächste Woche wird auch schnell vergehen, weil ich einen Tag mit 2 Kindern in die Hauptstadt fahren muss und den Rest der Woche gibt es wieder verschiedene Aktivitäten. Am Freitag ist der Tag des Kindes und wir fahren miit allen Voluntären irgendwohin, wo wir uns für die Kinder zum Affen machen müssen. Wir Voluntäre werden Playback ein Lied von "Highschool musical" aufführen. Die Kinder stehen total drauf! Mal sehen welche Rolle mir zugeteilt wird. Und im November wird der Geburtstag des Heims gefeiert. Dafür treffen wir uns jetzt auch jede Woche in Gruppen, um Tänze, Fahnen und was weiß ich was vorzubereiten. Das Thema wird sein "Mythen und Legenden". Unsere Gruppe heisst "Die Drachen". Mal schauen was wir draus machen.
Leider habe ich mein Kabel zum Übertragen der Bilder vergessen. Werde ich nächstes Wochenende nachholen, damit ihr eine Vorstellung von dem habt, was ich hier so von mir gebe.
The end!

Samstag, 5. September 2009



Eins der hübschesten Mädels aus meiner Sektion...Deborah





Ein Kolibri in San Pedro, der auftauchte, während ich meine Limo schlürfte





Harry Jenny und ich in San Pedro......Selbstauslöser






Die Bärchen mit roter und grüner Salsa gibt es in jedem Restaurant....
hier am See in San Pedro